Spürnasen retten Leben

So arbeiten die Rettungshundestaffeln in der Region

Rhein-Sieg-Kreis. Der Regionalverband der Johanniter in Sankt Augustin bildet seit 15 Jahren Rettungshunde aus, die Vermisste suchen. Die Ausbildung der Vierbeiner dauert mindestens zwei Jahre.

Nicht eine Sekunde lässt sie ihr Frauchen aus den Augen. Die Hundehalterin hat ihr zu verstehen gegeben, liegen zu bleiben und zu warten, bis sie ihre Jacke angezogen hat. Die Rede ist von Sally und Cornelia Stauf. Die folgsame Border-Collie-Hündin ist nicht irgendein Hund, sondern Teil eines von elf Hund-Mensch-Teams, die sich als Rettungshundestaffel bei den Johannitern des Regionalverbandes Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen auf die Suche nach Vermissten begeben. „Etwa 20 Einsätze haben wir im Jahr“, sagt Gruppenführer Ralf Lambrecht. Er selbst führt keinen eigenen Hund, weil sein Beagle aus dem Tierheim und psychisch labil ist. „Er ist unser Maskottchen“, sagt Lambrecht und verweist auf seine Ehefrau. Helga Lambrecht gehört mit ihrem kroatischen Schäferhund mit zur Staffel und fungiert dort auch als Ausbilderin.

Auch Inge Seebach bildet aus. Die stellvertretende Staffelführerin ist schon seit zwölf Jahren dabei und bildet ein Team mit ihrer Border-Collie-Hündin Amy. Mittwochs und sonntags trainieren Mensch und Tier. „Man muss ständig dabei bleiben, damit die Hunde das Gelernte nicht vergessen“, weiß sie zu berichten. Denn um einen Hund wie den sechsjährigen Terrier-Mix Karl, den Heike Trautmann führt, auf die Prüfung zum Rettungshund vorzubereiten, braucht es mindestens zwei Jahre. „Wir nutzen den Jagdtrieb und werfen eine Beute, die er zurückbringt. Währenddessen versteckt sich jemand entlang des Wegs. Wenn der Hund auf diesen Menschen reagiert und zu ihm läuft, wird er belohnt“, verrät Seebach das Geheimnis des Trainings.

Die positive Verstärkung funktioniert und die Menschen nehmen im weiteren Verlauf für den Hund außergewöhnliche Haltungen ein, sie kauern oder legen sich auf den Boden. „So lernt der Hund, auf Personen zu reagieren, die sich irgendwie anders verhalten“, erklärt die Ausbilderin.

Bei der Prüfung sollte ein Hund nicht älter als sechs Jahre sein. Die Prüfung muss alle zwei Jahre wiederholt werden. Etwa zehn Wochenstunden, die rund 20 Einsätze im Jahr mitgerechnet, absolvieren die Ehrenamtler, die alle eine Ausbildung zum Sanitätshelfer abgeschlossen haben. Da stellt sich die Frage nach der Motivation. „Ich mache das, um anderen Menschen zu helfen und den Hund sinnvoll zu beschäftigen“, begründet Cornelia Stauf ihr Engagement, für das die Helfer keinerlei Vergütung erhalten. Lediglich die Ausbildung, die Kleidung und die Kenndecke für die Hunde, die zusätzlich mit Glöckchen und einem Licht ausgestattet ist, wird von den Johannitern übernommen. Auch Ausbilderin Seebach sieht in ihrem Engagement eine sinnvolle Beschäftigung insbesondere für ihren Hund, da Border Collies „arbeiten müssen“.

Bereits seit 15 Jahren existiert die Rettungshundestaffel, die 2004 gegründet wurde. Die Tiere hier sind im Unterschied zu den Mantrailern – die darauf trainiert sind, Fährten aufzunehmen – Flächensuchhunde. „Ein Hund deckt eine Fläche von bis zu 60.000 Quadratmetern ab“, sagt Lambrecht, der sich bei Einsätzen um die technische Ausstattung mit Funk, Karten und Kompass kümmert. Alle schätzen die gute Zusammenarbeit mit der Polizei und den anderen Rettern am etwaigen Einsatzort. Lohn der Arbeit für die 13 Mitglieder und elf Hunde, von denen sechs geprüft sind, sind Erfolge, etwa wenn, wie Seebach berichtet, eine psychisch kranke Frau vor dem Selbstmord bewahrt worden sei. Die Hunde zeigen jeweils mit Bellen an, wenn ihre Suche erfolgreich war. Eine nette Abwechslung dazu sind die Besuche in den Kindergärten und Grundschulen, die Kindern die Begegnung mit Hunden nahe bringen sollen.