Kuriose Sammlung

Siegburger fotografiert 600 Briefkästen in 100 Ländern

Briefkästen haben es Sebastian Schmitz angetan. Die schönsten Fotos hat der Flugbegleiter auf einem Poster zusammengestellt.

Briefkästen haben es Sebastian Schmitz angetan. Die schönsten Fotos hat der Flugbegleiter auf einem Poster zusammengestellt.

Siegburg. Flugbegleiter Sebastian Schmitz hat ein postalisches Hobby und lichtet Briefkästen auf der ganzen Welt ab. In Kürze erscheint ein Buch mit Fotos und kleinen Geschichten.

Gelb und eckig am Bodensee, grün und verziert in Rio de Janeiro oder blau und rund in Sausalito, USA: Briefkästen verbinden Menschen auf der ganzen Welt miteinander – und sehen überall anders aus. Auf seinen Reisen fotografiert der Siegburger Sebastian Schmitz ganz unterschiedliche Briefkästen überall auf der Welt. „Auf dem Postweg. Eine Briefkastenreise um die Welt“ heißt nun das Buch zum Projekt, das Anfang Februar im Bernstein-Verlag erscheint, 80 Briefkästen aus verschiedenen Ländern abbildet und dazu kleine Geschichten erzählt.

Seit sieben Jahren lebt der gebürtige Essener Sebastian Schmitz in Siegburg. „Ich fühle mich hier wohl. Vorher habe ich elf Jahre in Köln gewohnt, da war es mir einfach zu voll. Siegburg ist eine gute Mischung“, sagt Schmitz. Das Interesse am Reisen hat der 40-Jährige schon als junger Mann, als er ein Geografie-Studium begann, das er aber abbrach, um Flugbegleiter zu werden. Eine Bekannte, die regelmäßig von ihren zahlreichen Reisen als Flugbegleiterin erzählte, inspirierte ihn dazu. Was allerdings zunächst als spannende Idee begann, entwickelte sich für Schmitz zur Passion. Seit fast 20 Jahren fliegt er um die ganze Welt, verbringt mal zwölf Stunden in Kopenhagen, mal drei Tage in New York.

Die Idee, Briefkästen in den verschiedenen Ländern zu fotografieren, kam ihm ganz spontan, als er die Fotos von seinen Aufenthalten durchging. Ihm fiel auf, dass auf vielen der Fotos Briefkästen zu sehen sind. „Und dann habe ich angefangen, gezielt nach Briefkästen zu suchen, um sie fotografieren zu können.“ Etwa im 45 Grad heißen Kuwait am Persischen Golf, wo er sich bis zum Postamt durchfragen musste, um einen Briefkasten vor die Linse zu kriegen. Extra auf die Suche ging Schmitz für den Briefkasten in Form eines Krummdolchs in Muscat, einer Hafenstadt im Oman. Da ist dann auch mal der ein oder andere Flugbegleiter-Kollege dabei. „Die meisten Kollegen finden das skurril, aber lustig“, erzählt Schmitz. Sein Lieblingsfoto zeigt einen knallgrünen Briefkasten an einer Wand in Rio de Janeiro. Aber auch in Deutschland sind die Briefkästen, die Schmitz fotografiert, nicht nur eckig und gelb: Auch ein historisch-blaues Objekt ist dabei.

Als guter Kunde in der Siegburger Buchhandlung der Brüder Andreas und Paul Remmel schlug der Briefkastenfotograf vor zwei Jahren vor, gemeinsam ein Buch zu gestalten. „Seitdem sind wir mit Herzblut bei der Sache“. Vorbestellungen und erste positive Reaktionen auf das bereits erhältliche Poster und die Postkartensammlung sind in der Buchhandlung Remmel bereits vermerkt. „Etwas Vergleichbares gibt es auf dem Buchmarkt noch nicht. Und die Idee von Sebastian Schmitz ist berechtigt. Das Thema spricht jeden an“, sind sich die Brüder Remmel einig.

Der Fotograf selbst sieht in der Dokumentation der Briefkästen auch noch einen ganz anderen Aspekt: „In ein paar Jahrzehnten gibt es wegen der Digitalisierung vielleicht keine Briefkästen mehr. Das wäre dann eine Art Hommage an einen Alltagsgegenstand“, meint Sebastian Schmitz.

Briefkästen fotografieren möchte der Siegburger auch weiterhin. Schließlich hat er bereits Fotos von 600 Briefkästen aus über hundert Ländern in seiner Sammlung. Auch weitere Projekte schließt er nicht aus.