Zwei Jahre Arbeit

Siegburger baut sich seine eigene Gitarre

Dieter Borsch mit seiner selbstgebauten Gitarre und den Maschinen Marke Eigenbau.

Dieter Borsch mit seiner selbstgebauten Gitarre und den Maschinen Marke Eigenbau.

Siegburg. Es dauert zwei Jahre mit Höhen und Tiefen, bis Dieter Borsch aus Siegburg seine erste Gitarre fertig gebaut hat. Dafür musste er zunächst die notwendigen Maschinen selbst herstellen.

Dieter Borsch und die Gitarre, das gehört seit mehr als 40 Jahren zusammen. Als 16-Jähriger bekam der heute 57-Jährige seine erste Gitarre geschenkt. „Das Spielen darauf, das habe ich mir selbst beigebracht“, erinnert sich Borsch, der seit 1995 in Siegburg lebt. Bis heute bespielt er eine seiner drei Gitarren immer dann, wenn er sich eine Auszeit nimmt.

Der gelernte Straßenbauer arbeitet beim Bauhof der Stadt Hennef im Friedhofswesen. Schon immer aber reizte ihn die Arbeit mit Holz. Viele Möbel in der Wohnung der Familie stammen von ihm. Was so anfiel, hat er selbst gemacht. „Das waren dann allerdings nicht so filigrane Arbeiten“, beschreibt Borsch den Unterschied zu dem, was ihn in den vergangenen beiden Jahren beschäftigte – und was er auch erfolgreich abgeschlossen hat. Dieter Borsch hat sich nämlich seine erste Gitarre selbst gebaut und die kann sich nicht nur sehen lassen, sie klingt auch noch toll, was den Erbauer besonders freut.

„Ich wollte schon immer mal eine richtig gute Gitarre besitzen“, erinnert sich Borsch an die Anfänge seines Gitarrenbauerdaseins. Schnell stellte er fest, dass richtig gute Gitarren auch richtig viel Geld kosten und beschloss deshalb, sich eben selbst eines dieser hochwertigen Musikinstrumente zu bauen. Die Materialsuche gestaltete sich nicht ganz einfach, war aber dank des Internets erfolgreich. „Es gibt wohl nur ein oder zwei Händler in Deutschland, die das besonders langsam gewachsene Tonholz anbieten“, erzählt Borsch. Summa summarum 400 Euro investierte er schließlich in das Holz für seine Traumgitarre. Er entschied sich für eine Fichtendecke aus der Sitkafichte, die an der Westküste Nordamerikas beheimatet ist und nach der Stadt Sitka in Alaska benannt wurde. Die Sitkafichte sei auch deshalb sein Favorit geworden, weil sie eine besonders gerade und dichte Maserung aufweise, sagt Borsch. Fünf Millimeter war das Holz dick und er musste es auf 2,5 Millimeter runter hobeln, erinnert sich der Gitarrenbauer an die Hauptarbeit bei diesem Projekt. Rückwand und Seiten seiner Gitarre bestehen aus Palisander, der Hals ist aus Mahagoni, das Griffbrett aus Ebenholz.

Werkzeug aus dem Baumarkt reicht nicht aus

Danach begann die Suche nach einer entsprechenden Anleitung. „Das hat gedauert und auch wenn das Holz schon bei mir lag, habe ich bestimmt noch einmal ein Jahr gebraucht, bis ich dann losgelegt habe“, sagt der Siegburger. Seine Wahl fiel auf die O'Brien Guitar Courses, die im Internet angeboten wurden. Das Beste an dem Kursus in englischer Sprache sei gewesen, „dass zu allem was schief gehen kann, auch gleich die Reparaturmöglichkeiten mitgeliefert wurden“. Und das habe er auch gebraucht. „Denn eigentlich ist alles, was so schief gehen kann, tatsächlich auch bei mir schief gegangen“, sagt er. Heute lacht er über die Pannen bei seinem Gitarrenbaudebüt.

Er stieß immer wieder auf neue Herausforderungen. Die Werkbank hatte er sich schon gebaut, aber das Werkzeug fehlte. „Mit Werkzeugen aus dem Baumarkt kommt man da nicht weit“, so Borsch. Spezialhobel mussten her, weitere Werkzeuge baute der Hobbyschreiner selbst. Nach und nach entstand im Untergeschoss der Wohnung eine Holz-Maschine nach der anderen. Er konstruierte zum Beispiel eine Form für die Gitarre, baute eine Maschine, mit der er die Seiten biegen konnte oder eine Vorrichtung, die die Fräse hielt, mit der die Rundverzierung angebracht wurde. Dabei waren seiner Kreativität keine Grenzen gesetzt. So musste die Futterdose des Familienhundes als Gegengewicht zur Fräse herhalten. Auch die Kreissäge baute er um, damit er die Bundschlitze millimetergenau aussägen konnte. „Dazu habe ich mir allerdings eine Schablone in den USA bestellt, da man dort im Zehntel- und Hundertstel-Millimeterbereich arbeiten muss“, sagt Borsch.

„Das war alles schon ganz schön bekloppt“

Die Gitarre war jedoch noch lange nicht fertig. Ihr fehlte der Lack oder die Fassade des neuen Schätzchens im Hause Borsch. „Ich habe mich für Schellack entschieden und mich deshalb gleich beim nächsten Internetkursus angemeldet“, sagt der Erbauer. Die Gitarrendecke erstrahlt nun in Superblond, Rückseite und Seiten in Rubin. Aufgetragen wurde der Schellack mit Polierball und Leinentuch. Nach drei bis vier Schichten wurde er mit Öl poliert und diese Prozedur schließlich sechsmal wiederholt, damit die Gitarre schön glänzt.

Sie hat übrigens noch eine Besonderheit, von der Anfängern eher abgeraten wird. Sie besitzt ein „Venetian Cutaway“ an einer Seite, einen besonderen Ausschnitt am Ansatz des Gitarrenhalses. Das stellte wegen der engen Biegung des Holzes und der damit verbundenen Gefahr, dass das Holz bricht, eine Zusatzschwierigkeit dar. Davon ließ sich der Gitarrenbau-Neuling jedoch nicht abschrecken. Sein Resümee nach zwei Jahren: „Das war alles schon ganz schön bekloppt.“ Dennoch haben sich das ewige Schleifen, die kaputten Finger, gebrochenes Edelholz und andere Rückschläge und Herausforderungen gelohnt, denn jetzt hat er seine ganz eigene hochwertige Gitarre.

„Für mich klingt sie am besten aber ich denke mal, für das Geld hätte ich mir auch eine gute Gitarre kaufen können“, meint er heute. Das wäre aber nicht das selbe gewesen, und deshalb will Dieter Borsch im kommenden Jahr seine zweite Gitarre bauen. Der Vorteil: Alle Gerätschaften und viel Erfahrung darüber, was so alles schief gehen kann, hat er nun. Und noch etwas steht für ihn jetzt schon fest: Auch seine zweite Gitarre soll wieder besondere Kurven haben, denn er will sich dann am „Florentine Cutaway“ versuchen.