Vor der Europawahl

Siegburger Jugendliche wollen Grenzen abbauen

Siegburg. Schüler diskutieren im Siegburger Stadtmuseum mit dem „Breiten Bündnis“ über die Bedeutung Europas. Mit einer symbolischen Aktion auf dem Markt rufen die jungen Leute dazu auf, wählen zu gehen.

Erfahrungen mit Europa sowie Kritik und Wünsche an die Gemeinschaft äußerten Schüler von Schulen im rechtsrheinischen Rhein-Sieg Kreis sowie aus Bonn bei einer Veranstaltung unter dem Titel „Was bedeutet Europa für mich?“ im Siegburger Stadtmuseum. Zu der hatte das „Breite Bündnis“ am Freitag eingeladen. Das Bündnis besteht aus Jusos und Junger Union Siegburg, Deutscher Pfadfinderschaft Sankt Georg, Bezirk Sieg, sowie der Kreisjugendseelsorge und der Katholischen Jugendagentur (KJA) Bonn.

Unter der Moderation von GA-Redakteurin Bettina Köhl berichteten Podiumsgäste über ihre Erlebnisse und Wünsche in Bezug auf Europa. Student Lukas Wagner, der gebürtig aus der Grenzregion Luxemburg, Frankreich und Deutschland stammt, sprach davon, dass Europa dort Alltag sei. Er schätzt nach eigenen Angaben „die Grenzenlosigkeit des Reise- und Arbeitsmarkts“. Für ihn ist Europa „nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern eine Wertegemeinschaft“. Ihm sei wichtig, dass die Nationalisten „nicht die Oberhand gewinnen“. Babeth Becher-Lemaire berichtete, sie sei als Französin geboren und als Europäerin groß geworden. Sie wünscht sich mehr Einheit, ohne die jeweilige Identität zu verlieren. Für Undine Moritz, geboren in der ehemaligen DDR, sind das wirtschaftliche Zusammenwachsen und die Freiheit ebenso von Bedeutung wie die Förderung der Zusammengehörigkeit der einzelnen Staaten.

Auch kritische Töne geäußert

Student Nils Suchetzki wünscht sich „einen stärkeren sozialen Zusammenhalt“. Wenn ein Land in einer wirtschaftlichen Krise stecke, sollten stärkere Länder helfen. Es dürfe nicht sein, dass man – wie in Griechenland – die Sozialsysteme belaste, so Suchetzki. Leonarda Parduzzi, Krankenschwester aus Litauen, lobte die freie Wahl von Wohnsitz und Arbeitsplatz und die Religionsfreiheit in Europa.

Die Runde fand aber auch kritische Töne. So äußerte beispielsweise Moritz auf die Frage eines Schülers nach den Gefahren und Problemen der EU, dass man vieles „überverwalte“, sich um unwichtige Dinge kümmere, wesentliche dagegen vergesse. Die fünf bekennenden Europäer ermutigten die Kinder und Jugendlichen, sich an Jugendaustauschprojekten zu beteiligen, um „Grenzen und Barrieren abzubauen“, wie Becher-Lemaire es formulierte. Parduzzi forderte die Schüler auf, für ihre Rechte zu kämpfen.

Kreisjugendseelsorger und Co-Moderator Thomas Taxacher regte an, Wünsche an Europa auf Karten zu notieren, die dann dem EU-Ratspräsidenten übergeben werden sollen. Einige las der Pfarrer vor. Ein Schüler forderte, weitere Länder von der EU zu überzeugen, ein anderer, keine Rechtspopulisten zu wählen. Weitere Wünsche thematisierten Klima- und Umweltschutz, den Ausstieg aus der Kohle, die Einhaltung der Klimaziele und auch soziale Unterschiede innerhalb Europas.

Nach der Veranstaltung hatten die Schüler Gelegenheit, zu wählen. Allerdings nur symbolisch, da die meisten von ihnen noch nicht wahlberechtigt sind. Vor dem Brunnen auf dem Markt stand eine Wahlurne zum Einwerfen der Zettel. „Europa nach draußen tragen“ nannte Taxacher die Aktion, zu der die Europa-Hymne, Beethovens „Ode an die Freude“, erklang und die von vielen Passanten verfolgt wurde. Obwohl die Wahl nicht offiziell ist, erfahren die Schüler in den nächsten Tagen, wie sie sich entschieden haben. Ein zunächst geplanter Flashmob mit Orchester kam aus organisatorischen Gründen nicht mehr zustande.