Klassenkamerad auf vier Pfoten

Siegburger Grundschule hat seit April einen Schulhund

Siegburg. Schulleiterin Birgit Schäfer bringt ihren Hund jeden Dienstag und Freitag mit in die Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Nord in Siegburg. Dann dürfen die Schüler in ihrem Büro vorbeikommen, ihn streicheln, kuscheln oder von ihrem Tag erzählen.

Dienstagmorgen 8 Uhr in der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Nord in Siegburg: Hunderte Kinderfüße laufen über die Gänge. Und vier Pfoten. Joschi tapst aufgeregt ins Büro von seinem Frauchen, Schulleiterin Birgit Schäfer. Dort hat der sechs Monate alte Collie sein Plätzchen. Aber er geht auch mit in den Unterricht. Denn Joschi ist seit April offizieller Schulhund an der Nordschule – und einer von 70 landesweit.

Birgit Schäfer bringt ihn jeden Dienstag und Freitag mit in die Schule. Dann dürfen die Schüler in ihrem Büro vorbeikommen, ihn streicheln, mit ihm spielen, kuscheln oder von ihrem Tag erzählen. „Die Kinder sind durchweg begeistert“, erzählt Schäfer. „Es ist toll zu sehen, wie einfühlsam die Schüler mit ihm umgehen.“ In einem Brief an die Schüler und Eltern ließ die Schulleiterin Joschi sprechen. Neben seinen Begrüßungsworten war ein Zettel mit Verhaltensregeln angehängt. Eine Regel lautet: „Ich spreche leise und schreie nicht“. Die Schüler hielten sich vorbildlich an alle Regeln: „Wenn die Kinder in ihren Klassen mal so leise wären“, sagt Schäfer und lacht.

Schulpflegschaft stimmte zu

Normalerweise ist es, um einen Schulhund zu bekommen, nur nötig das Einverständnis der Schulleitung einzuholen. Da Joschi aber bereits der Hund von Birgit Schäfer ist, hat sich die Schulleiterin mehrfach abgesichert. Nicht nur die Lehrer und die Stadt Siegburg wurden um die Erlaubnis gefragt, auch die Schulpflegschaft stimmte zu. Im Großen und Ganzen waren alle von der Idee begeistert, da Joschi nicht nur den Unterricht bereichert, sondern auch Angst und Stress reduzieren und Hilfe beim Abbau der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leisten kann. Der Hund strahle eine Ruhe aus, die sich auf die Schüler übertrage.

Es ist geplant, dass Joschi zukünftig bei Klassenarbeiten neben Schülern mit Konzentrationsstörungen sitzt, um sie zu beruhigen. Eine Begegnung mit einem Schüler hat Birgit Schäfer besonders berührt. Ein Kind, das des Öfteren Schwierigkeiten mit seinen Mitschülern hat, ist zu Joschi gegangen, um ihn zu streicheln, als der Hund unvermittelt seine Pfote auf sein Bein gelegt hat. Der Schüler hat daraufhin gesagt: „Mich mag ja doch jemand“ und verließ das Büro glücklich.

Die einzigen Voraussetzungen, die ein Schulhund mitbringen muss, ist eine Haftpflichtversicherung und ein gewisses Maß an Gehorsamkeit und Ausbildung. So steht es auch in dem Brief, der in Joschis Namen verteilt wurde: „Ich kann schon: Sitz, Platz, Pfötchen geben und Spielzeug bringen, [...] ich muss aber noch ganz viel lernen“. Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Besitzer den Hund den ganzen Tag begleitet. Im Fall von Joschi hat dies einen ganz besonderen Vorteil. Da Birgit Schäfer keinen Unterricht gibt, kann Joschi von den Lehrern in verschiedene Fächer eingebunden werden. Sie ist dann immer mit dabei. Würde zum Beispiel ein Sachkundelehrer Schulhund-Besitzer sein, müsste der Hund ihn den ganzen Tag in den Sachunterricht begleiten.

„Kinder verspüren den Drang, einen Hund zu streicheln"

„Joschi hat außerdem eine interkulturelle Note“, erzählt Schäfer. An der GGS Nord sind 30 Nationen vertreten, unter anderem einige muslimische Kinder. Im Islam gelten Hunde als unrein und dürfen nicht ins Haus. Zu Beginn hatte Schäfer Bedenken, dass dies ein Hindernis werden könnte. Doch der Schulpflegschaftsvorsitzende, der selbst Moslem ist, hat ihr diese Bedenken genommen. „Kinder verspüren den Drang, einen Hund zu streicheln. Dem können sie in der Schule nachkommen“, sagt Hicham Boutouil. Gestreichelt wird Joschi oft. Wenn es nach den Schülern gehen würde, würden sie damit gar nicht mehr aufhören. „Wir geben ihm Leckerli, wir spielen mit ihm und kommen zum Kuscheln“, erzählen die Viertklässler der GGS. Sie sind froh, Joschi an der Schule zu haben. „Ich kenne keine andere Schule, die einen Schulhund hat“, erzählen die Kinder stolz.

Nachdem die Schüler Gelegenheit hatten, den Hund kennenzulernen, ging er jetzt erstmals mit in den Unterricht. Auf dem Stundenplan: Englisch. Die Kinder stellen sich Joschi vor. Der erweist sich als geduldiger Lernpartner. Denn er weiß, dass sein Einsatz honoriert wird – mit einigen Leckerli.