Nach dem Großbrand in Brückberg

Siegburger Brandopfer kämpfen mit den Folgen des Feuers

Siegburg. Mehr als zwei Wochen nach dem verheerenden Böschungsfeuer, bei dem sieben Häuser zerstört wurden, wissen Brandopfer in Siegburg-Brückberg noch immer nicht, wie es mit ihnen weitergehen soll. Die Ermittlungen zur Brandursache dauern an.

Die Strapazen der vergangenen zwei Wochen sind Lydia und Peter Bergen ins Gesicht geschrieben. Die andauernden Aufräumarbeiten, die zahlreichen Gespräche mit dem Versicherer, mit Gutachtern und Unternehmen und die Ungewissheit über ihre Zukunft – das alles hat Spuren hinterlassen.

„Ich würde mir so wünschen, dass ich aufwache und alles wäre wieder so, wie es war“, sagt Lydia Bergen. Die Familie zählt zu den Opfern, die von dem Großbrand an der ICE-Strecke in Siegburg-Brückberg besonders schwer getroffen wurden. Das völlig verbrannte Dach ihres Hauses Im Urnenfeld ist inzwischen mit einer Plane abgedeckt. Statiker haben das Gebäude begutachtet und das untere Geschoss zum Betreten freigegeben.

Während Statiker für die meisten beschädigten Gebäude grünes Licht zum Wiederaufbau gegeben haben, sei im Fall von Bergens Haus noch unklar, ob nur das Dach oder eventuell doch das ganze Haus abgerissen und neu gebaut werden muss. „Zunächst muss das Dach abgetragen werden, erst danach kann man weiterschauen“, erklärt Peter Bergen.

Vor 20 Jahren hat er das Haus auf dem Brückberg direkt neben dem Grundstück seines Bruders mit eigenen Händen aufgebaut. Am Dienstag vor 17 Tagen hat Bergen, die Flammen auf seinem Grundstück mit Wasser aus einem Eimer bekämpft. „Ich habe hier gelöscht und plötzlich brannte es an einer ganz anderen Stelle“, berichtet Bergen, der in seinem zerstörten Garten steht. Noch immer sind die Narben der Verbrennungen auf seiner Haut zu sehen. „Ich hab das Wasser aus dem Pool geschöpft und mich immer wieder selbst reingelegt, um mich abzukühlen“, so Bergen.

Freunde haben bei Entrümpelung geholfen

Das Gartenhäuschen der Familie ist komplett abgebrannt. An die Hecke, die an der Grenze des Grundstücks stand, erinnern nur noch schwarzverkohlte Stämme. Auf welche Höhe sich der Gesamtschaden beziffert lasse sich noch nicht abschätzen. „Bei uns gibt es ein Sprichwort: Die Küken werden im Herbst gezählt“, sagt Peter Bergen und ringt sich ein Lächeln ab. Einige Reste ihres Eigentums konnte das Ehepaar aus den Trümmern retten. In Umzugskartons verpackt passen sie etwa brusthoch gestapelt auf die Fläche eines Pavillonzeltes. Freunde, Verwandte und Bekannte haben der Familie bei der Entrümpelung geholfen.

Zurzeit ist das Ehepaar in einer Anliegerwohnung im Haus von Peter Bergens Bruder untergekommen. „Ich möchte mich bei allen bedanken, die geholfen haben, bei der Stadt und der Polizei, die noch jeden Abend nach dem rechten schauen“, sagt Bergen. Über die große Hilfsbereitschaft freut sich auch Norbert Bärhausen, der ebenfalls in der Straße Im Urnenfeld wohnt. „Es ist toll zu sehen, wie hier alle Nachbarn an einem Strang ziehen“, so Bärhausen. Auch an seinem Haus hat das Feuer Schäden verursacht. Im Vergleich zur Familie Bergen kam er aber noch glimpflich davon.

Seit dem Feuer Einschlafprobleme

Gemeinsam mit seiner Frau und seinem Sohn wohnt er bereits wieder in seinem Haus. Seit dem Brand hat er seinen Jahresurlaub dafür verwendet, die Schäden an Haus und Grund zu beseitigen. „Meine Frau hat seit dem Feuer Einschlafprobleme. Auch ich merke die Strapazen der vergangenen Tage“, sagt Bärhausen. Die Böschung, in der das Feuer Nahrung fand, ist komplett gerodet. „Ich hoffe nicht, dass der Abhang bei starkem Regen weggespült wird“, so Bärhausen.

Zudem haben er und andere Betroffene den Wunsch geäußert, dass die Deutsche Bahn die Anwohner mit einer Mauer davor schützt, dass sich so ein Ereignis wie am 7. August wiederholt. „Wir haben die Stadt bereits in Kenntnis gesetzt“, so Bärhausen. Vorerst hat der 53-Jährige an der Grenze seines Gartens einen Sichtschutzzaun aufgestellt. Noch am vergangenen Wochenende seien seine Familie und er von der Fußgängerbrücke über der Bahntrasse von Gaffern zum Teil mit Kameras und Ferngläsern ins Visier genommen worden.

Derweil dauern die Ermittlungen der Polizei zur Brandursache an. „Es stehen noch Gutachten des Landeskriminalamtes aus“, sagte Burkhard Rick, Sprecher der Kreispolizeibehörde. Wie berichtet, war aus Polizeikreisen zu hören, dass die Brandursache möglicherweise nie aufgeklärt wird. Für Peter Bergen ist das allerdings noch Nebensache: „Wie auch immer der Brand entstanden ist, es ist passiert. Jetzt muss es irgendwie weitergehen.“