Podiumsdiskussion zum Ärztemangel

Seelscheid diskutiert über Gesundheitsversorgung

Nach einem Implusvortrag von Alexander Wilhelm (links) diskutierten (von links) Klaus Rösing, Nicole Sander und Hermann Allroggen unter Moderation von Ralf Rohrmoser-von Glasow (Mitte).

Nach einem Implusvortrag von Alexander Wilhelm (links) diskutierten (von links) Klaus Rösing, Nicole Sander und Hermann Allroggen unter Moderation von Ralf Rohrmoser-von Glasow (Mitte).

Siegburg. Der generelle Ärztemangel auf dem Land war Gegenstand einer Podiumsdiskussion in Neunkirchen-Seelscheid, zu der die SPD-Kreistagsfraktion geladen hatte. Bürgermeisterin Sander bewertet die Situation aktuell als noch nicht so schlecht.

Etwas mehr als die Hälfte der im Land NRW tätigen Hausärzte ist älter als 55 Jahre und wird aus Altersgründen voraussichtlich in den kommenden zehn bis 15 Jahren ihre Praxis aufgeben, wie das NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales mitteilt. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann will dieser Entwicklung mit dem Hausärzteprogramm entgegensteuern, mit dem neben der Niederlassung von Hausärzten auch die Übernahme von Zweigpraxen finanziell gefördert werden soll. Das gilt insbesondere für ländliche Regionen. Kommunen mit einer Einwohnerzahl zwischen 25.001 und 40.000 sollen davon profitieren.

Das trifft für Neunkirchen-Seelscheid mit seinen rund 20.000 Einwohnern zwar nicht zu, aber dort sei die Situation auch nicht so schlecht, wie Bürgermeisterin Nicole Sander in einer Podiumsdiskussion sagte. Zu dieser hatte die SPD-Kreistagsfraktion in das Gasthaus „Pütz Jupp“ in Wolperath eingeladen. Der Titel: „Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum – Lebensqualität im Rhein-Sieg-Kreis“ . Neben der Bürgermeisterin diskutierten der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Gesundheit im Rhein-Sieg-Kreis (Kivi), Hermann Allroggen, und der Vorsitzende des Ärztenetzes Eitorf, Klaus Rösing, unter Moderation von Ralf Rohrmoser-von Glasow mit Alexander Wilhelm.

Jeder dritte Arzt in Rheinland-Pfalz über 60

Der Staatssekretär im rheinlandpfälzischen Gesundheits-Ministerium beleuchtete die Situation in seinem Bundesland in einem Impuls-Vortrag. „Die Gesundheitspolitik in Rheinland-Pfalz ist nicht länderspezifisch“, suchte er einen Vergleich zu NRW. Deutschlandweit gälten 20 von 52 Planungsregionen noch als hausärztlich überversorgt. Angesichts des demografischen Wandels werde sich dies jedoch bald ändern. „Ein Drittel der Ärzte in Rheinland-Pfalz ist über 60“, sagte er in Bezug auf den hohen Nachfolgebedarf bei Hausärzten. Trotzdem entschieden sich immer weniger Studierende für ein Studium als Hausarzt, sondern würden eine Facharztausbildung vorziehen.

„Auch ein Hausarzt hat eine Facharztausbildung“, sagte Rösing. In seiner Praxis bilde er seit 20 Jahren Hausärzte aus, habe aber in den vergangenen zwei Jahren keine einzige Bewerbung erhalten, so der 60-Jährige, der ebenfalls ein Nachfolgeproblem auf sich zukommen sieht. „Alleinübernahmen findet man heute nicht mehr“, sagte er mit Blick auf junge Ärzte, von denen 70 Prozent weiblich seien. „Die haben eine andere Lebensplanung als ich in meiner Jugend“, so Rösing. Ein Problem sah er auch in dem „engen Korsett durch die Zwänge der kassenärztlichen Vereinigung“. „So etwas macht den jungen Leuten Angst“, sagte er.

Rheinland-Pfalz habe wie NRW einen Masterplan zur Steigerung der Landarztquote bis 2020 entwickelt, so der Staatssekretär. „Zehn Prozent der Studierenden müssten sich bereiterklären, nach Beendigung der Ausbildung in eine unterbesetzte ländliche Region zu gehen“, sagte Wilhelm und wies auf die Zuschüsse hin, die Landärzte bei ihrer Niederlassung, bei Praxisübernahmen oder der Einrichtung von Zweigpraxen erhalten.