Margret Sagorski sagt Adieu

Schulleiterin verabschiedet sich vom Gymnasium Alleestraße

Mit Blick auf den Michaelsberg: Die scheidende Schulleiterin Margret Sagorski auf dem Dach des Gymnasiums Alleestraße.

Mit Blick auf den Michaelsberg: Die scheidende Schulleiterin Margret Sagorski auf dem Dach des Gymnasiums Alleestraße.

SIEGBURG. Margret Sagorski geht in den vorzeitigen Ruhestand. Die 61-jährige Schulleiterin vom Gymnasium Alleestraße wurde erst kürzlich verabschiedet, jetzt steht der letzte Arbeitstag an.

Den Liegestuhl hat sie nie aufgeklappt, um auf dem Dach ihrer Schule eine Pause einzulegen. Davon abgesehen sieht Margret Sagorski ihre größten Wünsche und Träume, die sie bei ihrem Amtsantritt hatte, zum Ende ihrer Zeit am Gymnasium Alleestraße erfüllt. „Die Schule ist schön, das Kollegium ist gut aufgestellt, wir kehren zurück zu G9 und erhalten endlich eine neue Turnhalle“, zählt die Schulleiterin wenige Tage vor ihrem letzten Schultag auf. Das lasse sie beruhigt gehen.

Ein wenig wehmütig blickt die 61-Jährige dann doch auf den heutigen Mittwoch (31. Januar). Dann endet offiziell ihr Amt als Schulleiterin, am Freitag, 19. Januar, gab es bereits eine große Abschiedsfeier. Siebeneinhalb Jahre hat Margret Sagorski die Geschicke des Siegburger Gymnasiums geleitet. Eine arbeitsreiche Zeit, in der sie viel erreicht und ihre Schule neu gestaltet hat. Von Anfang an sei die Beziehung zum ehemaligen Mädchengymnasium eine besondere gewesen, sagt Sagorski, die nach ihrer Realschulzeit selbst auf einem Jungen-Gymnasium in Koblenz als eines von zwei Mädchen das Abitur gemacht hat.

„Wenn ich mit meiner Familie von Eitorf nach Siegburg gefahren bin, haben wir neben der Schule geparkt, dort, wo heute die Mensa steht“, erinnert sich die Eitorferin. Das Gebäude habe sie immer fasziniert. Lange habe sie aber nicht gewusst, dass es ein Gymnasium ist. „Es gab kein Schild“, so Sagorski, die in Bonn die Fächer Erdkunde, Mathe und katholische Religion auf Lehramt studiert hat. Daher sei bei ihrem Amtseintritt 2010 einer ihrer ersten Gedanken gewesen: „Die Schule braucht eine Beschriftung, man muss wissen, was sich in diesem tollen Gebäude befindet.“

Schilder und Gravuren weisen die Schule heute als das aus, was sie ist. Die Liebe zum 1954 errichteten Gebäude spricht nach wie vor aus allen Worten der scheidenden Schulleiterin. „Das war eine der modernsten Schulen Europas“, weiß Sagorski zu berichten. Vom Schuldach aus – einem ihrer Lieblingsorte – erschließt sich der in die Architektur eingeflossene Gedanke einer modernen Pädagogik. „Es ist ein wunderbares Haus mit so vielen liebevollen Details“, schwärmt sie. Die habe sie in den vergangenen Jahren versucht, wieder mehr sichtbar zu machen.

Bewerbung in der Jugendherberge geschrieben

Dass sie Lehrerin oder gar Schulleiterin wurde, habe sich einfach so ergeben, sagt Sagorski rückblickend. Nach ihrem Referendariat in Mönchengladbach kam sie 1982 ans Siegtal-Gymnasium in Eitorf, wo sie 1999 stellvertretende Schulleiterin wurde. „Ich habe in aller Ruhe sehr viel gelernt in dieser Zeit“, so Sagorski. Ein Wechsel an eine andere Schule sei lange kein Gedanke gewesen. Bis sie dann bei einer Bezirkskonferenz der Schulleiter erfuhr, dass die Stelle in Siegburg an „ihrer“ Schule vakant war. Die Bewerbung habe sie nach Rücksprache mit ihrer Familie noch in der Nacht in der Jugendherberge geschrieben, die Frist endete am nächsten Tag.

„Es war eine aufregende Zeit“, erinnert sie sich an ihre Jahre am Gymnasium Alleestraße zurück: Schuljubiläum, Doppeljahrgang im Abitur, Mensa-Anbau, Einführung der Musikklasse: „Ich bin heilfroh, dass den Schülern ab dem neuen Schuljahr wieder neun Jahre Zeit bis zum Abitur bleiben“, sagt die 61-Jährige. „Dafür haben die Eltern und ich all die Jahre gekämpft.“ Kinder bräuchten mehr Zeit. Menschlichkeit ist für Sagorski ein wesentliches Kriterium für einen guten Schulalltag. „Man muss Kinder und Erwachsene wertschätzen, sie wahrnehmen, wie sie sind, dann läuft Schule“, sagt die Mutter von drei Kindern, die alle auch Lehrer sind.

Margret Sagorski sieht sich am Ziel, auch wenn kleinere Wünsche noch unerfüllt sind, wie etwa ein neuer Boden. Ihr bleiben Erinnerungen an sehr bewegende Momente mit „ihren“ Kindern. Und ab sofort sehr viel Zeit zum Reisen, Sport machen, Saxofon spielen und Enkelkinder verwöhnen. Und so ganz ist sie nicht weg: „Ich werde meine Schule immer wieder gerne besuchen, dann aber in den hinteren Reihen.“