Breitbandausbau im Rhein-Sieg-Kreis

Schnelles Internet für 25.000 Haushalte

Rhein-Sieg-Kreis. Noch klaffen große digitale Lücken im Rhein-Sieg-Kreis. Die möchte der Kreis schließen. Projektleiterin Ines Barczewski von der Wirtschaftsförderung möchte das bis Ende 2020 erreichen.

Ines Barczewski ist für viele Menschen im Rhein-Sieg-Kreis eine Art Heilsbringerin. Allerdings unbekannterweise. Denn sie ist keineswegs besonders prominent. Aber sie sitzt an einer wichtigen Schaltstelle: Bei der Kreiswirtschaftsförderung mit Sitz in Siegburg ist sie Projektleiterin für den Ausbau des schnellen Internets. Barczewski schließt die digitalen Lücken im Kreisgebiet.

Das Ganze läuft unter dem Dach des Bundesförderprogramms zum Breitbandausbau. Davon bekommt der Rhein-Sieg-Kreis 20 Millionen Euro. Es geht darum, die infrastrukturschwachen Gebiete auch über die Datenautobahn zu erschließen. Überall sollen mindestens 30 Megabit pro Sekunde fließen, die Ausbaugebiete bekommen sogar 50 Mbit/s. Die Zukunft klopft an bei 25000 Haushalten, 2000 Gewerbebetrieben und 185 Schulen. Manche sagen: ein längst überfälliger Schritt. Andere sagen: Gut, dass es jetzt so weit ist. 2015 ermittelte der Kreis, an welcher Stelle das Internet wie schnell ist. 2016 wurde das Infrastrukturprojekt ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielten Telekom, Innogy und Eifelnet. Im August 2018 war erster Spatenstich in Much.

430 Kilometer Glasfaser

Ende 2020 soll alles fertig sein. Dann sind auch bislang unversorgte Ecken wie Much, Eitorf, Hennef, Königswinter, Lohmar, Neunkirchen-Seelscheid, Teile von Ruppichteroth und Windeck sowie punktuell unterversorgte Gebiete im Linksrheinischen angeschlossen. 430 Kilometer Glasfaser sind dann neu verlegt.

Die Ausbaulose teilen sich die Deutsche Telekom (Hauptlos Mitte), die Firma Innogy (Hauptlos Ost), die mit Netcologne zusammen arbeitet und das Eifelnet (Sonderlos Much). Aktuell laufen die Tiefbauarbeiten von Innogy in Much-Bövingen. Die Firma verlegt eine Hauptleitung von Nord nach Süd und baut Nebentrassen nach Ost und West. Die Telekom ist noch in der Vorbereitungsphase und wird in Clustern arbeiten. Das heißt: Sie arbeitet von mehreren Knotenpunkten jeweils nach außen. Am Ende werden die Netzwerke miteinander verbunden. Unabhängig davon, wer die Leitungen verlegt, können am Ende auch die anderen Anbieter Kunden akquirieren. Sie müssen dann der Leitungsbesitzerin eine vereinbarte Miete zahlen. Die Fachleute nennen das „Open-Access-Netz“. Der Miethöhe muss die Bundesnetzagentur zustimmen. Schließlich sind für den Bau staatliche Fördergelder geflossen.

„Am Ende sollen alle Kunden über das Internet ruckelfrei Filme aus der Mediathek ansehen können, das ist momentan noch nicht überall möglich“, sagt Barczewski. Es gebe Gebiete wo nur 2Mbit/s anliegen. Da ist natürlich nicht viel zu wollen. Aber es geht in der Hauptsache nicht um die privaten Konsumgewohnheiten der Bürger, sondern vor allem um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Digitalisierung ist ein Querschnittsthema geworden, das alle angeht.

Besonderer Blick auf Gewerbegebiete und Schulen

Der Steuerberater braucht ebenso dringend einen schnellen Internetanschluss wie der Architekt oder der Landwirt, der aktuelle Preise und Angebote einholen will. Eine besondere Aufmerksamkeit widmet das Förderprogramm den Gewerbegebieten, die in besonderer Weise auf einen fluffigen Internetanschluss angewiesen sind. Und auch die Schulen werden auch jenseits der definierten Fördergebiete mit gesonderten leistungsfähigen Anschlüssen bedacht.

Projektleiterin Ines Barczeweski hat den Job im Juni 2018 angetreten, und sie ist begeistert. „Das ist so eine abwechslungsreiche Aufgabe, man hat viele Themen und viele Kontakte, das macht einfach Spaß.“ Ihr steht die Freude ins Gesicht geschrieben. Dabei ist ihr das Thema Digitalisierung eher zugelaufen. Als Geografin hatte sie nach dem Studium in Bonn beim Rhein-Sieg-Kreis angeheuert. Das Wissen um Bits und Bytes musste sie sich per Literatur und Kongressen erst aneignen. Inzwischen ist sie eine geschätzte Ansprechpartnerin mit Experten-Know-How. Und weil ihr Rat gefragt ist bei den beauftragten Firmen, aber auch bei den Bürgern, ist auch schon mal Überstunden schieben angesagt. Sie fängt morgens früh an und bleibt dafür etwas länger. Hinter ihrem Schreibtisch hängt die Übersichtskarte vom Rhein-Sieg-Kreis und den Ausbaugebieten sowie der Projektplaner-Kalender 2019.

In Much sind die Bagger schon los, nach und nach wird bald auch in den anderen Gebieten viel Erde bewegt. Aktuell arbeitet die Projektleiterin an den Förderunterlagen für das Land Nordrhein-Westfalen. Und immer häufiger klingelt bei ihr das Telefon.