Kommentar zum Mangel an Baugebieten

Schieflage droht

Baustelle in Siegburg: Am hohen Ufer, am Rande eines neuen Einkaufszentrums, entstehen Mehrparteienhäuser.

Baustelle in Siegburg: Am hohen Ufer, am Rande eines neuen Einkaufszentrums, entstehen Mehrparteienhäuser.

Rhein-Sieg-Kreis. Viele neue Häuser und zahlreiche Baugebiete für viele Bürger braucht der Rhein-Sieg-Kreis. Und das schnell. Damit die Preise nicht noch weiter explodieren und Geringverdiener in strukturschwache Gemeinde verdrängt werden.

Die Städte und Gemeinden sind am Zug, wenn es um die Entwicklung neuen Wohnraums geht. Und sie sollten keine Zeit verlieren. Denn von der ersten Planskizze bis zum Einzug vergehen Jahre. Deshalb muss schnell gehandelt werden. Jetzt. Ansonsten schraubt sich die Preisspirale weiter in die Höhe, und das Wohnen in der Region wird zu einem Luxusgut.

Selbst gut verdienende Akademikerfamilien finden im Bonner Umland heute keine bezahlbare Immobilie mehr, da die Preise so happig sind und die Interessenten Schlange stehen. Wie will man unter diesen Rahmenbedingungen zu Wohneigentum kommen? Von den Menschen mit kleinen Einkommen und Renten ganz zu schweigen: Wie sollen sie sich künftig noch Mieten leisten? Wohnen in den Zentren dann nur noch die Reichen? Werden die Armen dann in strukturschwache Gemeinden wie Windeck verdrängt, wo der Wohnraum noch billig ist?

Da droht der Region auf Dauer eine Schieflage. Das kann nicht im Interesse der Kommunen liegen, trotz aller Widrigkeiten, die es bei der Baulandentwicklung ganz gewiss gibt – vom Mangel an Fachpersonal über den Naturschutz bis hin zu nölenden Anwohnern. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg: Warum beispielsweise werden nicht Planer eingestellt, die für mehrere Kommunen tätig sind? Das würde nebenbei eine abgestimmte Entwicklung ermöglichen.

Auch muss die Kommunalpolitik Standhaftigkeit beweisen. Besonders gegenüber den Verhinderern, die es überall gibt. Bauen? Ja, aber nicht in meiner Nachbarschaft. Und wenn auf der Wiese gegenüber doch etwas geplant wird, werden alle Register vom Kammmolch über die Hydrologie bis hin zum Bodendenkmal gezogen. Natürlich, neue Bauten müssen sich in Stadt- und Ortsbilder einfügen. Aber es kann nicht sein, dass wichtige Entwicklungen wie der Wohnungsbau durch Egoismen Einzelner blockiert werden.