Schulentwicklung in Siegburg

Schülerzahlen steigen kontinuierlich

Real- und Gesamtschule sind im Schulzentrum Neunhof untergebracht

Real- und Gesamtschule sind im Schulzentrum Neunhof untergebracht

Siegburg. Gutachter bescheinigt der Kreisstadt gute Perspektiven. Rund 90 Prozent aller Siegburger Grundschüler gehen auf weiterführende Schulen innerhalb der Stadt. Ausschuss berät Konsequenzen für die Schullandschaft.

Eine Sorge dürften die Siegburger in den kommenden Jahren nicht haben: dass es zu wenige Kinder gibt. Der jetzt aktualisierte Schulentwicklungsplan kommt zu dem Schluss, dass sich die Schülerzahlen insgesamt stabilisieren und ansteigen. Was daraus folgt, muss jetzt die Politik beraten. Grundlage ist das umfangreiche Zahlenwerk des Bonner Fachbüros Biregio.

Die Kreisstadt profitiert von verschiedenen Faktoren. Es werden mehr Kinder geboren als vor wenigen Jahren; die Geburtenzahl liegt stabil bei mehr als 400 pro Jahr. Und auch bei der jungen, kommenden Elterngeneration ist Siegburg gut aufgestellt. Die Gruppe der Einwohner von Mitte 20 ist nach der sogenannten Babyboomer-Generation – das sind die heute 50- bis 55-Jährigen – zahlenmäßig die zweitstärkste in der Stadt.

„Das sind insgesamt gute Perspektiven, der Trend ist mit Städten wie Köln oder Bonn vergleichbar“, sagt Schulexperte Wolf Krämer-Mandeau von Biregio. In anderen Gegenden, die ländlicher strukturiert sind – im östlichen Rhein-Sieg-Kreis etwa –, sieht es anders aus. Dort sind Abwanderung und Überalterung ein Problem. Siegburg sieht Krämer-Mandeau langfristig bis etwa 2040 bei etwa 45 000 Einwohnern.

Vor diesem Hintergrund prognostiziert er einen Anstieg der Grundschülerzahlen in den 2020er Jahren: Pro Schuljahr sollen es dann auf die ganze Stadt bezogen mehr als 1700 Grundschüler sein, in manchen Jahren weit mehr als 1800. Dieser Trend fällt je nach Grundschule mal kräftiger und mal moderater aus. In der Tendenz zeigt die Kurve im kommenden Jahrzehnt überall nach oben, was teilweise zu einem erhöhten Raumbedarf führt, besonders an der Hans-Alfred-Keller-Schule. Die Zahl der Grundschüler bewegte sich in den vergangenen zehn Jahren zwischen 1500 und 1600.

Die Entwicklung hat Auswirkungen auf die weiterführenden Schulen. Bereits heute werden fast 50 Prozent der Grundschüler auf das Gymnasium geschickt; dieser Anteil steigt tendenziell seit Jahren. Die 2013 gegründete vierzügige Gesamtschule nimmt in Klasse 5 knapp 40 Prozent der Grundschüler auf, die nur noch zweizügige Realschule gut zehn Prozent. Die Hauptschule läuft bis 2018 aus.

Rund 90 Prozent aller Siegburger Grundschüler gehen auf weiterführende Schulen innerhalb der Stadt, der Rest pendelt aus. Umgekehrt pendeln aber wesentlich mehr Schüler aus der Umgebung ein: Mit 25 bis 31 Prozent war der Anteil auswärtiger Schüler, die an den weiterführenden Schulen aufgenommen werden, in den vergangenen Jahren etwa gleich hoch. „Sie müssen schauen, wie Sie in Zukunft mit den Einpendlern umgehen“, riet Krämer-Mandeau den Mitgliedern des Schulausschusses. Ihre Zahl könne reguliert werden – ein Instrument, um beispielsweise Raumnot vorzubeugen.

Doch es gibt noch andere Entwicklungen, die die Schullandschaft beeinflussen wird: Neben der Entscheidung, ob an Gymnasien neben dem Turbo-Abi G 8 wieder G 9 eingeführt wird, ist das vor allem der Wandel der Realschule. Sie soll an Standorten, wo es keine Hauptschule mehr gibt (das trifft künftig auf Siegburg zu), auch Schüler mit Hauptschul-Eignung aufnehmen. Das neue Modell sieht gemeinsamen Unterricht vor, teilweise findet eine Differenzierung statt. Dabei, so Krämer-Mandeau, werde die Realschule der Gesamtschule ähnlich. Die beiden Schulformen sind im Schulzentrum Neuenhof vertreten. Ob diese Unterteilung in Zukunft noch sinnvoll ist, stellte der Gutachter in Frage. Der Stadtrat hatte sich 2012 für eine sechszügige Gesamtschule ausgesprochen, Haupt- und Realschule sollten auslaufen. Doch die Bezirksregierung Köln genehmigte nur eine vierzügige Gesamtschule, während die Realschule mit zwei Zügen fortbestehen sollte. „Ein historischer Fehler“, so Krämer-Mandeau. Er plädierte dafür, dass Um- oder Neubauten des Schulzentrums eine mögliche Fusion berücksichtigen.

Bürgermeister Franz Huhn begrüßte die positive Entwicklung der Schülerzahlen. „Wenn wir in Kitas und Schulen investieren müssen, ist das gut angelegtes Geld.“ Konkrete Schlüsse müsse nun die Politik ziehen. „Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion, ohne Schau vor Kontroversen“, so Huhn. Der Schulausschuss beschäftigt sich bereits am 28. November mit dem Thema.

Unabhängig davon hat die Stadt im Haushaltsentwurf 600 000 Euro für das kommende Jahr für vier zusätzliche Klassenzimmer am Schulzentrum Neuenhof vorgesehen.