Gymnasium Alleestraße

Schüler gestalteten Kammermusik-Abend mit modernem Anspruch

Der Kammermusik-Abend in der Musikwerkstatt besticht durch seine stilistische Offenheit.

16.02.2014 SIEGBURG. Unter "Kammermusikwerken" versteht man ursprünglich die Kompositionen, die nicht in der Kirche sondern in der höfischen Kammer aufgeführt wurden. So etwa wäre ein Streicherquartett-Abend der Klassiker unter den Kammermusik-Abenden. Wer das jetzt allerdings beim Kammermusik-Abend des Gymnasiums Alleestraße erwartete, lag falsch.

Der Begriff wurde hier wesentlich weiter gefasst, und er ließ nicht nur bei den Instrumenten sondern auch stilistisch Offenheit in alle Richtungen zu.

Mit Filmmusik, Eigenkompositionen und sogar einem Schlagzeug-Solo erweiterten die Schüler ihren Abend und stellten damit gleichsam einen modernen Anspruch an die Kammermusik. Den gut 80 Zuhörern in der prall gefüllten "höfischen Kammer" - der Musikwerkstatt an der Zeughausstraße - machte dieser hörbare Anspruch, den Fachbereichsleiterin Ulrike Ubber mit zehn Schülern der Klassen 6 bis 11 in Form eines Kammerkonzerts zusammengestellt hatte, große Freude.

Schulleiterin Margret Sagorski lobte die großartigen Leistungen ihrer Schüler und ihrer Musikfachschaft, die es "trotz G 8" vermocht hatte, wieder ein so anspruchsvolles Programm zusammenzustellen. Als Solist am Schlagzeug brachte Johannes Kreft (7 a) eine furiose eigene Improvisation über "Bossa nova und Cha-Cha" nach David Weckel - vor vier Wochen erst hatte er damit einen ersten Platz beim Wettbewerb "Jugend Musiziert" erreicht und wird im nächsten Monat mit seinem Solo beim Landeswettbewerb antreten.

Dass er auch Barock kann, zeigte Kreft als Klavierbegleiter seines Klassenkameraden Benjamin Bienert, der mit der Posaune eine melodieschöne "Passacaille" von Händel zum Besten gab. Mit zartem Anschlag und sensibler Intonation hatte Rina Bienzeisler den Abend mit einem Chopin-Walzer (a-Moll) eröffnet. Wie ihre Mitschüler der Musikklasse 6 a, Giulia Borchardt, Lisa Eder, Anisch Yladir und Seohyung Yi, ließ die junge Musikerin ihren künstlerischen Anspruch erkennen. Der bewegt sich auch bei Mozarts Konzert-Sonate B-Dur auf hohem Niveau.

Annelie Krengel (8 d) meisterte den ersten Satz am Flügel bereits erstaunlich sicher. Großes Einfühlungsvermögen zeigte auch Lina Schramm (8 c), die neben ihrem barocken Cello-Vortrag auch mit Pop-Songs singend und sich dabei selbst am Klavier begleitend auf der Bühne zu erleben war.

In ihrem Leistungskurs Musik (Jahrgangsstufe 11) schreibt Julia Schmitz derzeit eine Facharbeit über die Filmmusik zum Streifen "Jenseits der Stille". Dass sie nicht nur den theoretischen, sondern auch den praktischen Zugang zur Musik besitzt, bewies die Klarinettistin in ihrem Vortrag der berühmten Filmmusik von Niki Reiser. Der stand mit seinem Bekenntnis zur Welt der Musik symbolhaft über dem gesamten Kammermusik-Abend. (Susanne Haase-Mühlbauer)