Siegburger Köpfe

Roberto Moya rief Siegburger Gitarrenkonzerte ins Leben

Klassische Gitarre und Tango Argentino sind die großen Leidenschaften des Siegburger Musikers und Tänzers. (Foto: Inga Sprünken)

Klassische Gitarre und Tango Argentino sind die großen Leidenschaften des Siegburger Musikers und Tänzers. (Foto: Inga Sprünken)

Siegburg. Der Gitarrist und Tango-Lehrer Roberto Moya ist in Buenos Aires und Siegburg zu Hause. Vor 26 Jahren gab er die Initialzündung für die Gitarrenkonzerte im Stadtmuseum.

Sein Name klingt wie Musik. Seine Finger gleiten geschwind über die Saiten von „La Divina“, „Die Göttliche“, wie seine Konzertgitarre heißt. Die Rede ist von Roberto Moya. Seit 13 Jahren lebt der Gitarrist und Tango-Argentino-Lehrer in der Kreisstadt und fühlt sich hier zu Hause. „Ich habe inzwischen drei Heimaten: die Welt, Buenos Aires und Siegburg“, sagt er sympathisch lächelnd. Überhaupt wirkt der Künstler sehr lebensnah und nicht im geringsten abgehoben.

Er war es, der einst die Initialzündung für die Gitarrenkonzerte im Stadtmuseum gab. Das ist nun 26 Jahre her. Damals lebte Moya noch in Königswinter-Stieldorf. Während eines Keramikmarktes gab er auf dem Siegburger Markt ein kleines Gitarrenkonzert. Das klang so gut, dass man ihn einlud, doch im neu eröffneten Stadtmuseum zu spielen. Das tut er seither jedes Jahr mindestens einmal. Als Solist und mit Begleitung befreundeter Musiker präsentiert er bei seinen Konzerten neben klassischen Gitarrenstücken etwa von Johann Sebastian Bach, Fernando Sor, Heitor Villa-Lobos und Abel Fleury auch eigene Kompositionen.

Auch andere musikalische Projekte etwa mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg hatten ihn immer wieder in die Kreisstadt geführt, in die er 2005 endgültig zog. Hier verwirklichte er seinen Traum: ein eigenes Gitarrenstudio. Zuvor hatte er seit 1984 an der Musikschule in Königswinter klassische Gitarre unterrichtet. Viele Schüler hat er schon auf den Wettbewerb „Jugend musiziert“ oder auf die Aufnahmeprüfung etwa in der Musikhochschule in Düsseldorf vorbereitet.

Zweite Leidenschaft ist Tango tanzen

Die Kunst wurde dem leidenschaftlichen Gitarristen in die Wiege gelegt. Sein Vater, gebürtig aus Valencia, war Journalist und Schriftsteller. Als Antifaschist war er vor dem Franco-Regime nach Buenos Aires geflüchtet, wo er Moyas Mutter, eine heute 94-jährige Malerin und Pianistin kennenlernte. Dort kamen Roberto, seine Schwester und sein Bruder zur Welt. Nachdem er mit neun Jahren angefangen hatte, Gitarre zu spielen, machte der junge Mann zunächst eine Ausbildung als Elektrotechniker. Aber die Liebe zur Musik war stärker. So nahm er Unterricht bei verschiedenen renommierten Gitarristen.

Nach dem Tod des Vaters machte sich Moya im Alter von 23 Jahren auf nach Valencia, um nach seinen spanischen Wurzeln zu suchen. An der Musikhochschule „Oxcar Esplá“ in Alicante perfektionierte der Musiker die Kunst des Gitarrenspiels bei Professor José Tomás und besuchte verschiedene Meisterkurse. „Ich wollte eigentlich nur sechs Monate bleiben“, erzählt Moya. Doch er lernte eine Deutsche kennen, der er 1984 nach Königswinter folgte. Er lernte Deutschland als „kulturelle Hochkultur“ schätzen, was ein wichtiger Grund für ihn war zu bleiben. Spanien sei damit nicht vergleichbar, sagt er. Die Liebe zu Deutschland teilt Moya mit seiner Mutter, die ihn über 17 Jahre regelmäßig besuchte. Heute fährt der 63-Jährige jedes Jahr für einige Wochen nach Buenos Aires, um seine Mutter und seinen Bruder zu besuchen.

Von dort stammt auch Moyas zweite Leidenschaft – Tango tanzen. Damit begann er vor etwa 20 Jahren. Seit zehn Jahren unterrichtet er selbst den Tango Argentino in Sankt Augustin und Bonn. Seine Schüler lernen bei ihm nicht nur den Tanz, sondern auch einiges über dessen Geschichte, über die Kultur und „das Gefühl“, wie Moya sagt.

Gefühle vermittelt er auch mit seinen beiden CD's „Suite Mystica“ mit eher religiösen Stücken und „Bourée“ mit Werken von Johann Sebastian Bach. Während er davon erzählt, nimmt er seine Konzertgitarre zur Hand. „Sie ist aus Fichte“, sagt er. Und sie ist von einem Freund, dem Gitarrenbauer Edmund Blöchinger, im Jahr 2001 nach seinen Wünschen gebaut worden. „Jede Gitarre hat ihre eigene Persönlichkeit“, erklärt der Musiker. Daher komme auch die Tradition, ihr einen Namen zu geben. Aus Siegburg möchte der Musiker nicht mehr weg. Er schätzt besonders das kulturelle Leben in der Kreisstadt und auch die Übersichtlichkeit. „Man kann hier alles zu Fuß erreichen, und durch den ICE hat man eine Verbindung zur Welt“, sagt der Konzertgitarrist, der in seiner Freizeit in einer Siegburger Schule Tai-Chi betreibt, um sich fit zu halten für seine Welt – die Musik.