Gebühr für Trichinenbeschau abgeschafft

Rhein-Sieg-Kreis will Frischlingen an den Kragen

Frischlinge im Visier: Die neue Maßnahe soll es für Jäger lukrativer machen, auch die jüngeren, leichteren Tiere zu erlegen.

Frischlinge im Visier: Die neue Maßnahe soll es für Jäger lukrativer machen, auch die jüngeren, leichteren Tiere zu erlegen.

Rhein-Sieg-Kreis. Mit einer neuen Maßnahme will der Rhein-Sieg-Kreis die Abschusszahl der Frischlinge erhöhen und so der wachsenden Zahl an Wildschweinen Herr werden.

Auf Antrag der Fraktionen von CDU und Grünen hat der Kreistag daher die Gebühr für die sogenannte Trichinenbeschau bei Frischlingen mit einem Gewicht bis 20 Kilogramm abgeschafft. Dabei handelt es sich um eine Untersuchung, bei der das Fleisch der Tiere auf Trichinen, also Fadenwürmer, analysiert wird. Die Parasiten können durch Verzehr auf den Menschen übergehen. Die Maßnahme soll mindestens für die Dauer der nächsten drei Jahre gelten. Laut CDU und Grüne sei der Beschluss ein „wichtiger Schritt für Tierwohl, Landwirtschaft und Naturschutz“.

„Wir begrüßen die Maßnahme“, sagte Thomas Deckert, Vorstandsmitglied in der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg. Indem so bereits der Abschuss jüngerer Tiere für den Jäger attraktiv werde, könne frühzeitig eine weitere Vermehrung verhindert werden. Frischlinge mit geringerem Gewicht bringen dem Jäger vergleichsweise wenig Ertrag, vor allem, wenn wie bisher noch eine Gebühr für die Trichinenbeschau fällig werde.

Dem Kreis entgehen durch den Wegfall der Gebühr 18 500 Euro jährlich. Hinzu kommen Ausgaben für Personal in Höhe von rund 30 000 Euro. SPD und Linke kritisierten die Maßnahme in der Kreistagsitzung zunächst als Subventionierung von Jägern.

Die CDU wies allerdings darauf hin, dass es dringend notwendig sei, den Wildschweinbestand zu verringern, um Krankheiten, vor allem der afrikanischen Schweinepest, entgegenzuwirken. "Die Krankheit ist aus Afrika bereits in östliche und südöstliche Länder Europas vorgedrungen“, erklärte Deckert. „Ein Ausbruch bei uns oder in Deutschland wäre der Supergau in der Wildbahn.“ Im Endeffekt wäre der Bestand der Wildschweine massiv gefährdet, sogar ein Aussterben möglich. Zudem könne die Krankheit auch auf Tiere in der Landwirtschaft übergreifen. Da die Schwarzkittel in den zunehmend milden Wintern seltener auf natürlichem Wege reduziert würden und sie zudem auf dem Gebiet des Kreises Nahrung im Überfluss fänden, sei der Bestand rasant angewachsen, sagte Deckert. Bisherige Maßnahmen wie die Aufhebung der Schonzeit für „Überläufer“, also Schwarzwild im zweiten Lebensjahr, hätten bisher nicht gegriffen.

Das bekommen vor allem Landwirte und Anwohner in ländlicheren Regionen des Kreises zu spüren. Immer wieder kommt es vor, dass sich die Wildschweine auf Nahrungssuche über Felder und Gärten im Rhein-Sieg-Kreis hermachen. Auch die „Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis“ habe bereits Alarm geschlagen, hieß es im Antrag der CDU und Grünen. Mittlerweile seien Lebensräume geschützter Tierarten sowie seltene Pflanzenbestände bedroht.