Landwirt zeigt sich uneinsichtig

Rhein-Sieg-Kreis beschlagnahmt 69 Rinder wegen Tierquälerei

Unterernährt und krank: Ein Bulle, den Mitarbeiter des Veterinäramtes in dem Betrieb fanden, musste geschlachtet werden. FOTO: RHEIN-SIEG-KREIS

Unterernährt und krank: Ein Bulle, den Mitarbeiter des Veterinäramtes in dem Betrieb fanden, musste geschlachtet werden. FOTO: RHEIN-SIEG-KREIS

Rhein-Sieg-Kreis. Weil die Tiere unterernährt und krank sind, beschlagnahmt der Rhein-Sieg-Kreis 69 Rinder. Der Landwirt zeigt sich der Behörde gegenüber uneinsichtig und muss mit juristischen Konsequenzen rechnen.

So einen Fall dürften die Mitarbeiter des Kreisveterinär- und Lebensmittelüberwachungsamts noch nicht erlebt haben. Die Behörde hat einem Landwirt im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis seinen gesamten Bestand an Rindern entzogen, insgesamt 69 Tiere. Die Beamten hätten die Rinder bei einer Überprüfung am 7. September in einem vernachlässigten Zustand aufgefunden, erklärte Dezernent Christoph Schwarz, auf GA-Anfrage.

Offenbar war der Landwirt schon seit längerer Zeit nicht mehr in der Lage, die Rinder zu versorgen. Das Veterinäramt hatte sich bereits zuvor in Gesprächen mit dem Besitzer befunden. Grund seien dessen finanzielle Schwierigkeiten gewesen, sagte Schwarz. Wo genau sich der Betrieb befindet, teilte der Rhein-Sieg-Kreis aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mit.

Existenzgrundlage entzogen

„Die Tiere waren bereits stark abgemagert“, berichtete der Leiter des Veterinäramtes, Hanns von den Driesch, im Umweltausschuss am Dienstag. Kälber hätten in Stallboxen tief in ihrem eigenem Mist gestanden, einige seien wegen der Unterbringungsart bereits erkrankt. „Ein Bulle, dem wir erst einmal Wasser gaben, kam beinahe in Atemnot, weil er nicht gleichzeitig trinken und atmen konnte“, sagte von den Driesch. Weil bei dem Bullen eine Lungenentzündung festgestellt worden war, musste er wenig später, ebenso wie weitere Tiere, geschlachtet werden. Zwar sei es in der Vergangenheit schon vorgekommen, dass die Behörde einzelne Tiere aus einem Betrieb retten musste, „dass einem Landwirt aber die gesamte Existenzgrundlage entzogen werden muss, ist soweit ich weiß noch nicht passiert“, sagte von den Driesch.

Das Veterinäramt hat die Tiere derzeit in einem Stall im Oberbergischen Kreis untergebracht. Die Tiere werden jetzt mit Hilfe des Kreisveterinäramts verkauft, teilte der Kreis mit. Laut van den Driesch zeigte sich der Landwirt allerdings nicht einsichtig. „Wir rechnen mit einem juristischen Nachspiel“, ergänzte der Leiter der Behörde.