Kriminalitätsstatistik für 2018

Polizei zählt weniger Einbrüche im Rhein-Sieg-Kreis

Gestellte Szene: Ein Einbrecher hebelt mit einem Brecheisen eine Tür im Keller eines Wohnhauses auf.

Symbolbild.

Rhein-Sieg-Kreis. Die Zahl der Einbrüche im Rhein-Sieg-Kreis ist im vergangenen Jahr zurückgegangen. Das zeigt die Kriminalstatistik 2018. Dafür wächst die Gefahr durch Telefonbetrüger.

Der Kampf gegen den Wohnungseinbruch hat seit einigen Jahren oberste Priorität bei der Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg. Entsprechend erfreut zeigten sich Landrat Sebastian Schuster als Behördenchef, Ralf Dittrich, Leiter der Direktion Kriminalität, und der leitende Polizeidirektor Günter Brodeßer am Mittwoch über den deutlichen Rückgang der Einbruchszahlen im vergangenen Jahr.

Gab es 2017 noch 901 Einbrüche im Rechtsrheinischen ohne Königswinter und Bad Honnef, sank die Zahl 2018 auf 592 Fälle. Davon scheiterten die Einbrecher 266 Mal. 106 Fälle wurden aufgeklärt. „Wir sind sehr stolz darauf, weil wir uns in der gesamten Behörde verstärkt um dieses Thema bemüht haben“, sagte Dittrich bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik für 2018. „Und die Zahlen geben uns recht.“

Insgesamt ist die Anzahl der Straftaten im vergangenen Jahr um 2016 auf 20 265 registrierte Delikte gestiegen. Laut Brodeßer ist das aber immer noch der zweitniedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre. 11 599 Fälle konnten die Beamten aufklären. Das ergibt eine Aufklärungsquote von 57,24 Prozent – ein Anstieg um 2,41 Prozent. „Das ist die höchste, die ich in den vergangenen zwölf Jahren hier erlebt habe“, so Brodeßer. Sie sei aber nicht zuletzt bedingt durch ein Sammelverfahren zu Online-Fakeshops, an dem etliche Straftaten hingen.

Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, ist statistisch leicht gestiegen: 2018 gab es pro 100.000 Einwohner im Bereich der Kreispolizei 5477 Straftaten (2017: 5428). Zum Vergleich: Im Regierungsbezirk Köln sind es 7558 Taten, im Landesdurchschnitt 7160. Zurückgegangen sind im Vergleich zu 2017 vor allem Diebstähle und Sachbeschädigungen. Einen Anstieg verzeichneten die Polizisten hingegen bei Rauschgiftdelikten, Betrug, Körperverletzung, Gewalt gegen Polizeibeamte und Gewaltkriminalität. Letzterer sind laut Polizei 649 aller registrierten Delikte zuzuordnen und damit 25 mehr als 2017.

Mit sieben Tötungsdelikten mussten sich Beamten befassen (2017: 6), sechs wurden aufgeklärt. Unter den Kommunen im Zuständigkeitsbereich der Kreispolizei entfallen die meisten Straftaten auf Troisdorf (27,80 Prozent), Siegburg (20,50 Prozent) und Sankt Augustin (14,36 Prozent). Umgerechnet auf die Einwohnerzahl führe jedoch Siegburg diese Statistik an, so Dittrich.

Zunehmend Sorge bereiten Behördenchef Schuster die Betrüger am Telefon, die Senioren teilweise um ihr gesamtes Vermögen bringen. Den „Straftaten zum Nachteil älterer Menschen durch überregional agierende Täter“ widmete die Kreispolizei deshalb besondere Aufmerksamkeit bei der Vorstellung. „Aufgrund der demografischen Entwicklung werden diese Delikte zunehmen“, sagte Dittrich. Dazu zählen Maschen wie der Enkeltrick, falsche Gewinnversprechen sowie falsche Polizisten. Betrüger, die sich als Amtsträger ausgeben, seien dabei vor allem im vergangenen Jahr aufgetreten. Die Opfer verlieren dabei häufig nicht nur ihr Vermögen, es gebe auch eine erhebliche psychische Belastung, so Dittrich.

Welchen Druck die Täter aufbauen, verdeutlichte ein Beispiel aus Sankt Augustin. Über fünf Wochen riefen die falschen Polizisten wieder und wieder bei der älteren Frau an. Sie nutzten eine klassischen Masche und erzählten der Frau, dass ihre Adresse bei zwei Rumänen gefunden worden sei und sie ihr Vermögen zum Schutz in Gewahrsam nehmen wollten. Mit privaten Fragen nach der Gesundheit bauten die Täter Vertrauen auf, erkundigten sich aber auch immer wieder, ob das Opfer die Polizei eingeschaltet hatte. Offenkundige Drohungen gehörten ebenso dazu. Bis sich ein Täter am Telefon sogar zu erkennen gab, aber dennoch weitere Forderungen stellte. „Sie schätzen ihre Opfer ein: Wer ist manipulierbar und gutgläubig?“, sagte Polizeisprecher Burkhard Rick. „Das machen sie in Hunderten Fällen. Die müssen regelrechte Akten führen.“ Laut Kreispolizei sitzen die Haupttäter häufig in Callcentern im Ausland, überwiegend aus der Türkei.