Verbindung über Niederkassel nach Köln

Neue rechtsrheinische Stadtbahn soll 2025 Realität werden

Die Bahntrasse in Niederkassel wurde bis 1965 von Personenzügen befahren. Heute pendelt dort eine kleine Industriebahn.

Die Bahntrasse in Niederkassel wurde bis 1965 von Personenzügen befahren. Heute pendelt dort eine kleine Industriebahn.

RHEIN-SIEG-KREIS. Lange galt die rechtsrheinische Stadtbahn von Beuel über Niederkassel nach Köln als Planungs-Phantom. Doch jetzt setzen die Verkehrs- und Planungsausschüsse des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Bonn ein Zeichen.

Die Idee einer rechtsrheinischen Stadtbahnlinie von Beuel über Niederkassel nach Köln findet breite politische Unterstützung. Einstimmig beschlossen die Planungs- und Verkehrsausschüsse des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Bonn eine Resolution mit dem Ziel, die Planung in Schwung zu bringen. Zuvor muss noch eine Kosten-Nutzen-Analyse erarbeitet werden. Dass die Stadtbahn – teilweise auf der Strecke des historischen „Rhabarberschlittens“ – technisch möglich ist, hat eine neue Machbarkeitsstudie festgestellt (der GA berichtete).

In der von CDU, Grünen, SPD und FDP aus dem Rhein-Sieg-Kreis vorgelegten Resolution fordern die Ausschüsse Abstimmungsgespräche mit dem Land, den betroffenen Kommunen und den Verkehrsunternehmen. Es gelte, den Planungsprozess zu beschleunigen. Das Projekt soll im ÖPNV-Bedarfsplan des Landes NRW verankert werden. „Wir wollen 2025 in die Realisierung einsteigen“, sagte Christoph Groneck, einer der Verkehrsexperten in der Kreisverwaltung. Er stellte den Ausschüssen die Ergebnisse der Studie vor.

Demnach muss von der Sankt Augustiner Straße in Beuel, wo die Stadtbahn 66 verläuft, bis Mondorf ein neues Gleis gebaut werden. Dieses würde überwiegend auf der Busspur an der Landesstraße verlaufen, auch auf der bestehenden Siegbrücke bei Bergheim. „Bereits im Jahr 2000 hat eine Untersuchung ergeben, dass der Bahnverkehr dort statisch möglich ist“, so Groneck. Freilich müsse noch untersucht werden, inwieweit sich der bauliche Zustand seither verändert habe. In Mondorf stößt die Trasse auf das historische Gleis des „Rhabarberschlittens“, wo bis Mitte der 60er Jahre die Bahn zwischen Siegburg, Sieglar und Zündorf pendelte. Heute fährt dort nur noch die Industriebahn des Evonik-Werks in Lülsdorf, die in Mondorf nach Troisdorf abbiegt.

Wohin mit den Güterzügen?

Die Frage des Güterverkehrs, der sich mit dem Bau des trimodalen Containerterminals in Lülsdorf etwas verstärken soll, ist noch ungelöst. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder Stadtbahn und Güterzüge rollen über dasselbe Gleis. Oder man verlegt den Güterverkehr auf eine neue Trasse, die nördlich von Niederkassel im Zusammenhang mit der geplanten Rheinbrücke im Gespräch ist.

Apropos Rheinbrücke: Sie spielt bei den Überlegungen bei der Anbindung der Stadtbahn nach Köln und Bonn eine gewichtige Rolle. Über sie könnte die Stadtbahn Köln schneller erreichen – in nur 25 Minuten vom Niederkasseler Norden bis zum Dom. Zugleich wäre die Stadtbahn damit kompatibel mit dem Bonner Stadtbahnsystem der Hochflur-Wagen, die etwa auf der Linie 66 unterwegs sind. Die Alternative ohne Rheinbrücke wäre die Verknüpfung mit der Kölner Niederflur-Linie 7 in Zündorf, mit einem System, das sich nur bedingt ins Bonner Netz integrieren lässt. Groneck machte deutlich, dass das nur die zweitbeste Lösung sei, ganz abgesehen davon, dass dabei der Fahrtzeitgewinn nach Köln nicht so groß ausfällt.

Die Kosten für den Streckenneubau zwischen Beuel und Mondorf beziffert die Machbarkeitsstudie mit knapp 70 Millionen Euro, für die Ertüchtigung der Strecke bis Lülsdorf sollen weitere 58 Millionen Euro anfallen. Für die Verbindung weiter nach Köln lassen sich bislang nur die Kosten für die Verknüpfung in Zündorf schätzen: Die Gutachter gehen von 31,5 Millionen Euro aus.

Der Bonner Ausschussvorsitzende Rolf Beu (Grüne) sprach von einem „absolut interessanten Projekt“. Der Bedarf sei eindeutig. Bislang wird Niederkassel, inzwischen 40 000 Einwohner groß, nur von Bussen bedient. Und die sind oft überfüllt. „Es dürfte landesweit keine andere Stadt in dieser Größenordnung geben, die keinen Bahnanschluss hat“, sagte Dietmar Tendler (SPD). Er appellierte, auch den volkswirtschaftlichen Nutzen der Stadtbahn zu untersuchen: Dieser werde hoch ausfallen, zumal Niederkassel inmitten eines wachsenden Ballungsraums liege, so Tendler.

Der Niederkasseler CDU-Kreistagsabgeordnete Marcus Kitz befürwortete das Projekt: Er hält die Variante mit der Rheinquerung für klar besser. Zumal die über Zündorf fahrende KVB-Linie 7 heute schon stark belastet sei. Er räumte aber auch ein, dass es es in Niederkassel „Stellen gibt, wo die Bürger das Thema nicht gerade mit Halleluja-Rufen begleiten werden“ – vor allem entlang der bestehenden Bahntrasse, die heute nur schwach frequentiert ist. Die Bürger, das war im Ausschuss unstreitig, sollen bei der Planung mitgenommen werden.