Abtei Michaelsberg

Neue Mönche vom Orden der "Unbeschuhten Karmeliten" stellen sich vor

SIEGBURG. Sie haben sich vor ihrem Einzug auf den Michelsberg der Öffentlichkeit vorgestellt - mit Schuhen und offenen Ohren. Im September werden die Patres offiziell in ihre Ämter eingeführt.

Die Frage, die allen Anwesenden auf der Zunge brennt, die sich aber niemand zu stellen wagt, beantwortet Pater Austin frei heraus direkt selbst: "Doch, doch, wir tragen Schuhe - in Deutschland wäre es sonst auf Dauer zu kalt", sagt der indische Mönch vom Orden der "Unbeschuhten Karmeliten", der künftig als Prior auf dem Michaelsberg wirken wird. Gestern stellte er sich und drei seiner fünf Mitbrüder der Öffentlichkeit vor, im September werden die Patres offiziell in ihre Ämter eingeführt.

Dass die "Unbeschuhten Karmeliten", anders, als der Name vermuten lässt, sehr wohl Schuhwerk tragen, war also schnell geklärt. Pater Austin (45) und seine Mitbrüder, die knapp ein Jahr nach dem Weggang des letzten Benediktiners auf den Michaelsberg ziehen, erwiesen sich auch ansonsten als aufgeschlossen: "Wir sind gespannt und sehr aufgeregt, aber wir sind bereit für diese Aufgabe", sagte Pater Austin.

Mit fünf weiteren Mönchen des Karmeliten-Ordens zieht er in das frisch renovierte Jugendgästehaus der alten Abtei, es wird zum "Karmel" der Gemeinschaft. Während der Prior selbst als Rector ecclesiae St. Michael ganz dem Konvent verhaftet sein wird, üben seine Mitbrüder Aufgaben in Gemeinden des Erzbistums aus. So wird etwa der 38 Jahre alte Pater Rockson an der Realschule St. Josef in Bad Honnef tätig sein, Pater Wilson wird Seelsorger an St. Servatius in Siegburg. "Die Einsätze der Patres in den Gemeinden sollen mit ihrem Leben im Konvent so gut wie möglich verzahnt werden", erklärte Diakon Patrick Oetterer, Personalreferent des Erzbistums Köln.

Sein "Chef", Joachim Kardinal Meisner, war dem Ersuchen der indischen Karmeliten nachgekommen, eine Gemeinschaft in Deutschland zu gründen. Fünf von ihnen hatten bereits seit längerer Zeit in unterschiedlichen deutschen Gemeinden gewirkt. "Doch wir Karmeliten sind grundsätzlich zur Gemeinschaft berufen", erläuterte Pater Austin. Deshalb seien sie froh, dass diese nun in Siegburg zustande komme. "Wir sind hier bisher sehr herzlich aufgenommen worden", berichtete Pater Rockson, der zuvor in einem deutschen Orden der Karmeliten in Würzburg gelebt hatte.

[kein Linktext vorhanden]"Die Mentalität hier im Rheinland ist schon eine andere als in Unterfranken", sagte er mit einem Augenzwinkern und der Andeutung eines fränkischen Dialekts. Buchstäblich rund um die Uhr wollen die Mönche des Konvents ein offenes Ohr für die Gläubigen haben. "Die Menschen können 24 Stunden am Tag zu uns kommen, ohne Anmeldung", betonte Pater Austin.

Monsignore Axel Werner, Pfarrer an St. Servatius und Kreisdechant, zeigte sich "froh, dass der Michaelsberg ein Leuchtturm des Glaubens bleiben wird, der über die Stadt, den Kreis und das Bistum hinausstrahlt". Besonders freue er sich darüber, dass Patres aus dem Ausland kommen. Er selbst arbeitete sieben Jahre in Südamerika. "Das betont das Weltumspannende, das die katholische Kirche auch ausmacht."

Auch die Mönche wollen ihre Heimat in ihr neues Zuhause tragen - unter anderem mit indischem Essen. Das gibt es beim Tag des offenen Klosters am 15. September auf dem Michaelsberg. "Sehr scharf und sehr lecker", versprach Pater Austin.

Einführung des Ordens

Am Donnerstag, 12. September, um 19 Uhr wird das "Karmel" auf dem Michaelsberg nach einer feierlichen Messe offiziell von Kardinal Meisner eingeweiht. Zuvor findet um 18 Uhr eine Statio in St. Servatius mit anschließender Prozession auf den Berg statt. Am Sonntag, 15. September, um 12 Uhr feiern die Mönche ihre erste festliche Konventsmesse in St. Michael. Anschließend findet bis 17 Uhr ein Tag des offenen Klosters statt.