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Netzwerk Attac ist seit 2011 im Rhein-Sieg-Kreis aktiv

Sind im Rhein-Sieg-Kreis beim Netzwerk Attac aktiv (v.l.): Claudia Liebers, Hubert Damm, Arno Behlau und Ralf Liebers.

Sind im Rhein-Sieg-Kreis beim Netzwerk Attac aktiv (v.l.): Claudia Liebers, Hubert Damm, Arno Behlau und Ralf Liebers.

Rhein-Sieg-Kreis. Die Themen reichen vom Freihandel bis zum Naturschutz: Attac Rhein-Sieg setzt sich für eine solidarische und friedliche Weltwirtschaftsordnung ein.

Unterschiedlichste Fragen und Sorgen haben sie zusammengebracht – und eine gleiche Motivation hervorgebracht: So, wie Vieles in der Welt läuft, kann es nicht weitergehen. Die Mitglieder des deutschlandweiten Netzwerkes Attac setzen sich für eine ökologische, solidarische und friedliche Weltwirtschaftsordnung ein. Seit 2011 ist auch im Rhein-Sieg-Kreis eine regionale Attac-Gruppe aktiv.

Die machte jüngst im Kreishaus auf sich aufmerksam: In einem offenen Brief appellierten ihre Mitglieder zusammen mit Partnern wie Greenpeace Köln an die kommunalen Anteilseigner von RWE, ihre Aktien abzustoßen (der GA berichtete). Ein öffentlicher Protest dagegen, dass Unternehmen wie RWE, die heute noch Kohlekraftwerke bauen wollen, mit öffentlichen Geldern unterstützt werden. „Man muss eben auf regionaler Ebene anfangen, um etwas bewegen zu können“, sagt Ralf Liebers. Der 65-Jährige ist seit 2011 mit seiner Frau Claudia Attac-Mitglied. Er habe früher als technischer Offizier bei der Luftwaffe gearbeitet. Und als jemand der dem Staat diene, habe er immer geglaubt, der Staat mache alles richtig, erzählt Liebers. 2006 wurde er pensioniert.

„Durch die Unternehmenssteuerreform 2008 mussten Unternehmen weniger Steuern an Kommunen zahlen und das hieß, dass für Bildung oder Krankenhäuser weniger Geld da war“, erklärt Liebers die Entwicklungen, die nach seiner Pensionierung den Wunsch wachsen ließen, sich politisch zu engagieren. „Das hieß, dass kommunale Aufgaben wie Krankenhäuser privatisiert werden mussten.“ Er begann sich zu informieren. Er habe auch angefangen, sich in Ausschüssen der CDU Sankt Augustin zu engagieren, um sich am Gelingen eines guten Gemeinwesens einzubringen, so Liebers. Als er am Infostand von Attac auf dem Siegburger Marktplatz vorbeikam, habe er sich sofort angesprochen gefühlt. Es sei die richtige Plattform, um weitere Veränderungen herbeizuführen.

"Der Mensch muss immer zuerst kommen"

Arno Behlau kam 2013 zu Attac Rhein-Sieg, weil ihm das Thema Freihandel auf dem Herzen lag. „Freihandel gibt nur den großen Unternehmen Freiheit. Den kleinen Leuten bringt er nichts“, so der 65-Jährige, der vor seiner Rente an PR-Projekten im Naturschutz arbeitete. „Bei Freihandel geht es nur um den Wettbewerb der Großen, die dem Wachstum hinterher rennen und dabei kleine Unternehmen kaputt machen.“ Er wünsche sich einen Handel, der regionale und auch kleine Unternehmen stärkt. Da ginge es dann eben nicht um das große Geld, aber jeder könne davon leben. Auch bei diesem Thema ist die regionale Gruppe von Attac aktiv. 2016 gingen zahlreiche Menschen in Köln gegen die Freihandelsabkommen TTIP und Ceta auf die Straße und demonstrierten. Die Attac-Aktivisten aus dem Kreis waren mit dabei.

Die Mitglieder betonen, dass sie sich in ihrer Kritik an der Globalisierung stark von der Kritik der AfD oder anderer populistischer Stimmen unterscheiden. „Die AfD sagt, Deutschland müsse zuerst kommen. Attac sagt aber, dass der Mensch zuerst kommen muss, gleich welcher Nation er angehört“, sagt Behlau.

Ende Mai haben sich die Attac-Mitglieder aus dem Rhein-Sieg-Kreis dem Protest von Berufs- und Hobbyimkern sowie Naturschützern vor dem Bonner WCCB angeschlossen. Hier hielt der Leverkusener Pharma- und Agrochemiekonzern Bayer seine Jahreshauptversammlung ab, in der die Übernahme des US-Konzerns Monsanto verhandelt wurde. Im Protest ging es auch den Attac-Mitgliedern um den Naturschutz: „Durch die Neoinsektizide im Pflanzenschutzmittel Glyphosat sterben uns die Insekten weg“, sagt der 75-jährige Hubert Damm, der seit 2011 bei Attac ist.

Das sind einige der Themen, die die Aktivisten umtreiben. Ihre Kritik befasst sich mit den unterschiedlichsten Lebensbereichen aus der ganzen Welt. Im Rhein-Sieg-Kreis sind laut den Aktivisten rund 15 Mitglieder aktiv. Hinzu kämen rund 30 Mitglieder die regelmäßig mit Flyern und Newslettern informiert würden sowie 120, die die Aktivisten etwa mit Spenden unterstützen würden.

Aktivisten wollen Bürger sensibilisieren

Doch es sei nicht immer leicht, Bürger für ihre Themen zu sensibilisieren, erzählen die Aktivisten. „Viele weichen zurück und wollen nichts mit unserer Kritik zu tun haben“, sagt die 59-jährige Claudia Liebers. Ihr Ehemann ergänzt: „Wenn man die Menschen fragt, warum sie sich nicht engagieren, dann sagen sie meist, es ginge ihnen doch noch ganz gut.“ Und das sei das Fatale: Solange es den Menschen noch ganz gut ginge und sie ein Problem nicht direkt betreffe, fehle auch die Motivation, sich politisch zu engagieren. Hinzu komme, dass der Protest kriminalisiert würde, so Damm. Viele trauten sich nicht, Kritik an Firmen oder Branchen auszusprechen, weil sie Angst davor hätten, ihren Job zu verlieren.

Die Aktivisten lassen sich dadurch jedoch nicht entmutigen. „Durch das permanente Augenöffnen der zivilgesellschaftlichen Bewegungen bewegt sich auch was“, sagt Damm. Und Claudia Liebers betont: „Wir leben in einer Demokratie und dürfen Kritik äußern, im Gegensatz zu Menschen aus anderen Ländern. So ist es nur solidarisch und richtig, das auch zu tun.“