Bildung

Montessori als Aushängeschild

Freiarbeit: Sechstklässler Jan Friedrich und Alejna Sejdini mit Schulleiterin Ellen Kaufmann.

Siegburg. Unverhofft kommt oft. Noch vor ein paar Wochen war die Auflösung der Alexander-von-Humboldt-Realschule beschlossene Sache, sie sollte der geplanten Gesamtschule im Schulzentrum Neuenhof weichen. Doch jetzt darf sie nach dem Willen der Bezirksregierung Köln doch weiterbestehen, wenn auch in kleinerer Form als bisher.

Unverhofft kommt oft. Noch vor ein paar Wochen war die Auflösung der Alexander-von-Humboldt-Realschule beschlossene Sache, sie sollte der geplanten Gesamtschule im Schulzentrum Neuenhof weichen. Doch jetzt darf sie nach dem Willen der Bezirksregierung Köln doch weiterbestehen, wenn auch in kleinerer Form als bisher. Die Schule sieht das als Chance: Sie will sich künftig als reine Montessori-Schule ausrichten, deren reformpädagogischer Ansatz noch stärker als bislang in den Vordergrund tritt.

Ein Vormittag in der Realschule, die Klasse M 6-2 hat Englischunterricht. Das heißt: Unterricht im klassischen Sinne ist es nicht. Die Schüler sitzen in Zweiergruppen zusammen und hören sich gegenseitig ab. Lehrerin Kordula André geht durch die Tischreihen und hält sich im Hintergrund.

Freiarbeit heißt diese Lernform, die typisch für den seit 1991 bestehenden Montessori-Zweig an der Schule ist. Vier Stunden in der Woche spielt die Lehrerin bei dieser Klasse bewusst eine Nebenrolle. Sie bereitet die Stunden vor und schafft die Lernatmosphäre. "Hilf mir, es selbst zu tun", lautet das Motto der gut 100 Jahre alten Pädagogik nach Maria Montessori.

"So wird eigenständiges Handeln gefördert, das bedeutet eine willkommene Abwechslung zum klassischen Unterricht", so Kordula André. Das wirke sich positiv auf die Lernmotivation aus, aber auch auf die gewöhnlichen Unterrichtsformen, die auch weiterhin auf dem Stundenplan stehen.

Von den 820 Realschülern besuchen bislang etwa 250 Montessori-Klassen; pro Jahrgang gibt es eine oder zwei davon. Nach der zehnten Klasse erreichen im Schnitt rund 55 Prozent der Montessori-Schüler die Eignung für die gymnasiale Oberstufe. Nicht wenige absolvieren später ein Studium, wie Schulleiterin Ellen Kaufmann immer wieder hört: "Viele ehemalige Schüler sagen, dass sie durch die Montessori-Pädagogik auf diesen Weg gekommen sind."

Seit 1991 an der Schule, hat sie den unter Hermann Becher eingeführten Montessori-Zweig mit aufgebaut. Wer in die reformpädagogischen Klassen aufgenommen wird, entscheidet die Schulleiterin; zur Vorbereitung führt sie unter anderem Elterngespräche.

Beinahe hätten diese Gespräche der Vergangenheit angehört. Der Siegburger Rat beschloss bekanntlich im Herbst das Auslaufen von Haupt- und Realschule zu Gunsten einer neuen Gesamtschule. Aus dem Rat kam schon die Anregung, die bewährte Montessori-Arbeit an der Gesamtschule fortzusetzen.

"Es gab viele besorgte Stimmen von Eltern, die wissen wollten, wie es jetzt mit unserer Realschule weitergeht", so Konrektor Robert Schmidt von Happe. Doch die Bezirksregierung entschied im Dezember überraschend für den Fortbestand einer zweizügigen Realschule, neben einer Gesamtschule mit vier Zügen.

"Wir sind froh, dass es weitergeht und wollen die Montessori-Pädagogik auf alle Klassen ausweiten", so Kaufmann. Weil sie ab Sommer nur noch zwei Eingangsklassen bilden kann, schrumpft die Schule auf Dauer. Das hat auch Folgen für das Kollegium: Von den derzeit 50 Lehrern werden, so schätzt die Schulleiterin, jährlich drei die Schule verlassen.