Kommentar zu den Frauenhäusern

Mehr Geld für Frauenhäuser

Für Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt sind, gibt es immer noch zu wenig Betreuungsplätze im Rhein-Sieg-Kreis.

Für Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt sind, gibt es immer noch zu wenig Betreuungsplätze im Rhein-Sieg-Kreis.

Rhein-Sieg-Kreis. Der Bedarf an Betreuungsplätzen für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen wird weiter steigen. Deshalb müssen die Frauenhäuser personell und räumlich besser ausgestattet werden, meint Dylan Cem Akalin.

Der Ausbau der beiden Frauenhäuser in Troisdorf und Sankt Augustin ist überfällig. Die Gebäude sind nicht nur alt und bieten zu wenig Platz, sie sind für eine adäquate Betreuung der betroffenen Frauen und Kinder auch nicht mehr geeignet. So erfreulich es ist, dass es für beide Standorte eine zukunftsfähige Sicherung gibt: Zwei Frauenhäuser im gesamten Rhein-Sieg-Kreis sind viel zu wenig. Im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis gibt es überhaupt kein Angebot. Betroffene müssen nach Euskirchen oder Bonn ausweichen. Ein Blick auf die Karte von frauen-info-netz.de genügt, um zu sehen, dass die Ampeln überall auf Rot stehen. Das zuständige Landesministerium für Gleichstellung hat zwar aktuell eine Studie zur Bedarfsanalyse in Auftrag gegeben, aber das Ergebnis steht ja schon fest, meinen Frauen aus der Szene.

Der Bedarf wird weiter steigen. Schon aus einem einfachen Grund, den die Frauenhäuser jetzt schon beobachten. Frauen mit Flüchtlingserfahrung lernen in ihrer neuen Umgebung, dass sie Rechte haben, dass sie regelmäßige Gewalt durch ihre Partner nicht dulden müssen. Jetzt, zeitversetzt, trauen sich diese Frauen, sich von ihren Männern zu lösen und mit ihren Kindern Schutz zu suchen – in Frauenhäusern.

Dass diese Frauen mit unterschiedlichen Problemlagen sehr spezielle Beratung und Betreuung brauchen, zudem viel Fachwissen und ein hohes Maß an interkultureller Kompetenz nötig ist, dürfte völlig klar sein. Bei der Betrachtung der neuen Frauenhäuser ist im Kreissozialausschuss noch gar nicht über Personalkosten gesprochen worden. In Sankt Augustin beispielsweise, so ist zu hören, fehlt mindestens eine halbe Fachkraft. Und eine personelle Ausstattung der Frauenhäuser ist mindestens so wichtig wie die räumliche. Die Frage des Geldes ist also noch lange nicht geklärt.