Interview mit "Blötschkopp" Marc Metzger

Marc Metzger und „Ihm seine Gesellen“ in Siegburg

Marc Metzger in seiner Paraderolle als „Dä Blötschkopp“: Beim Konzert in Siegburg zieht er sein Kostüm aus und singt humorvolle und ernste kölsche Krätzchen.

Marc Metzger in seiner Paraderolle als „Dä Blötschkopp“: Beim Konzert in Siegburg zieht er sein Kostüm aus und singt humorvolle und ernste kölsche Krätzchen.

SIEGBURG. Wer den „Blötschkopp“ einmal im Karneval erlebt hat, der weiß, dass es sich in der ersten Reihe bei ihm gefährlich lebt. Mit frechem Witz und messerscharfem Beobachtungssinn sorgt Marc Metzger mit seinem Alter Ego immer wieder für Punktlandungen. A

Seit zweieinhalb Jahren ist der Komödiant außerhalb der Karnevalssession als Sänger und Gitarrist auf Tour. Mit seiner Band „Ihm seine Gesellen“ unterhält er sein Publikum dann etwas anders. Vor seinem Siegburger Auftritt am Samstag, 20. Mai, stand Marc Metzger Rede und Antwort über das Was, Warum und Wie seiner Show.

Seit mehr als 25 Jahren stehen Sie im kölschen Karneval als „Dä Blötschkopp“ auf den Bühnen des Rheinlandes. Und nun erlebt man Sie in Siegburg als Sänger Marc Metzger, unter eigenem Namen und außerhalb der fünften Jahreszeit. Heißt das, Sie werden jetzt ernst?

Marc Metzger: Das Programm machen wir schon seit zweieinhalb Jahren, und es ist von beidem etwas drin. Humorvolles und Ernstes, gemischt mit Anekdoten aus dem Leben und Liedern. Es sind ein paar Cover-Versionen bekannter Lieder, Kölsche Krätzchen und hauptsächlich Eigenkompositionen, die wir mit neuer Musik präsentieren – mit Rock, Reggae und Blues.

Ihre Fans erwarten natürlich trotzdem, dass es etwas zu lachen gibt.

Metzger: Das ist auch so. Es darf viel gelacht werden. Ich habe mich ja auch nicht neu erfunden. Der Humor bleibt natürlich. Aber es gehören auch ernstere Geschichten dazu.

Ihr Programm heißt „Erstaunlich“. Was ist gemeint?

Metzger: Das ist der Titel eines eigenen Songs im Programm. Er handelt von Gerüchten und dem, was ich selber schon damit erlebt habe. Manchmal ist es schon erstaunlich, wer alles etwas über mich zu wissen behauptet, mit dem ich noch nie im Leben was zu tun gehabt habe.

Offensiver Umgang mit Erkrankung

Sie leben seit 18 Jahren mit Multipler Sklerose und mussten auch nach einem Burn-out kürzer treten. Die Öffentlichkeit haben sie damals aber selber informiert.

Metzger: Das ging in diesem Falle gar nicht anders, da ich ausgerechnet am Tag der Prinzenproklamation in Köln zusammengebrochen bin. Bevor die Gerüchteküche da losgegangen wäre, bin ich lieber direkt mit der Wahrheit raus.

Hat Ihnen der offensive Umgang damit geholfen?

Metzger: Unbedingt. Ich bekomme viele Zuschriften von Menschen, die etwas Ähnliches haben und denke, dass es auch Mut macht, wenn man zeigt, dass man sein Leben trotzdem weiterlebt. Ich kann ja gut damit umgehen.

Haben Sie durch die Erkrankungen eine andere Einstellung gewonnen?

Metzger: In acht Jahren Ehe waren wir bis zu meinem Burn-out nur einmal für fünf Tage gemeinsam in Urlaub. Jetzt versuchen wir uns mehr Zeit füreinander zu nehmen. Kürzlich waren wir im Wellnes-Urlaub. Da gab es nichts, außer einem Wald und einem Schwimmbad.

Und wann haben Sie entdeckt, dass Sie auch singen und komponieren können?

Metzger: Eigentlich schon seit Schülertagen. Erst habe ich Schlagzeug gespielt und hatte auch Musik-Leistungskurs an meiner Schule auf der Insel Nonnenwerth. Dann hatte ich auf Anraten meiner Lehrerin sogar Gesangsunterricht und habe dazu autodidaktisch mit Gitarre angefangen. Alles schon ewig her.

Im Karneval ohne Musikpause unterwegs

Ihre Band heißt „Ihm seine Gesellen“. Wer verbirgt sich dahinter?

Metzger: Die sind mir sozusagen zugelaufen. Das sind acht Supermusiker – sieben Mann und eine Frau. Alle spielen auch in anderen Bands. Wir passen einfach gut zusammen. Und wir planen auch bereits ein nächstes Programm gemeinsam.

Der „Blötschkopp“ ist ja eine Rampensau, die das Publikum gnadenlos vorführt. Müssen wir am Samstag auch in Deckung gehen oder kann man sich entspannt zurücklehnen?

Metzger: Sie können sich bei mir immer entspannt zurücklehnen. Ich nehme mir auch im Karneval niemanden vor, dem ich nicht anmerke, dass er nicht gerne mitmachen würde. Aber in diesem Programm erst recht nicht.

Als Redner feiern Sie ja Bühnenerfolge. Warum erlebt man Sie im Karneval nie als Musiker?

Metzger: Das ist etwas ganz anderes. Reine Redner im Karneval gibt es immer weniger. 25 Minuten reden heißt 25 Minuten harte Arbeit. Und die mache ich dann auch gerne, da brauche ich keine Musikpause.

Ist Humor auch erlernbar? Oder waren Sie immer schon der Klassenclown?

Metzger: Das wollte ich immer sein, aber der Clown war eigentlich immer ein anderer.

Haben Sie ihren Klassenclown von damals heute noch mal getroffen?

Metzger: Ja, tatsächlich. Er war letztens auch in einer meiner Shows. Das war für mich schon komisch, dass er heute Geld bezahlt, dafür, dass ich jetzt ihn zum Lachen bringe.

Marc Metzger und „Ihm seine Gesellen“ stehen am Samstag, 20. Mai, ab 20 Uhr auf der Bühne der Rhein-Sieg-Halle in Siegburg.