Siegburg

Letzte Fahrt auf der alten Bahnlinie "Luhmer Grietche"

Siegburg. 1882 kam die Genehmigung, seit Oktober 1884 tuckerte sie unter anderem viermal täglich zwischen Siegburg, Lohmar und Overath hin und her: Die Aggertalbahn.

Am Deichhaus nahmen alte Lokomotiven Kohle und Wasser auf, vom Siegburger Nordbahnhof aus startete der Personennahverkehr bis 1954 in Richtung Bergisches Land - mitten durch die Stadt, über ein Schienennetz, das inzwischen entfernt ist, um einem Radweg Platz zu machen.

Bis auf 535 Meter auf dem Brückweg. Am Samstag fiel die allerletzte Klappe für eine Fahrt auf dem Restgleisstück des "Luhmer Grietche". Ein allerletztes Mal konnte, wer der Kälte trotzte, in einem umgerüsteten Kübelwagen auf dem Teilstück fahren und eine Tour mitten durch Siegburg genießen. Nach Karneval werden die Schienen entfernt und dort, zwischen Waldstraße und Steinbahn, eine Lücke im Radwegenetz geschlossen.

"Mit der Bahn sind wir früher ständig gefahren, vor allem zur Karnevalszeit", erinnerte sich Arnold Bierther. Regelmäßig hätten sich die Blau-Weißen Funken aus Siegburg am Nordbahnhof getroffen, um mit der Aggertalbahn nach Lohmar zu fahren. "Da haben wir dann ein paar Bierchen getrunken und sind wieder heimgefahren.

Die Verbindung war schon ganz schön praktisch." Ende der 80er Jahre war der heute 75-Jährige zuletzt in das "Luhmer Grietche" eingestiegen. Seit März 1988 ist der offizielle Betrieb der Strecke eingestellt. Seitdem sorgten der dort geplante, zum größten Teil mittlerweile gebaute, Radweg und die Stilllegung der Bahnstrecke für Diskussionen unter den Siegburgern.

Der Kreistag des Rhein-Sieg-Kreises lehnte die Stilllegung des "Luhmer Grietche" 1989 ab, wie der Eisenbahnclub Rhein-Sieg ausführlich dokumentierte. Vor einem Jahr noch stritten Bürgerinitiativen darüber, ob ein Radweg auf oder neben der alten Trasse die bessere Lösung sei. Es ist entschieden: Nach Karneval verschwinden die Gleise aus ihrem Bett.

Dass die Siegburger am Samstag noch einmal in den Genuss der alten Ansicht vom Gleis aus kamen, war der Draisinenverein "Railroad-Patrol" zu verdanken. Thomas Schmittkamp fungierte auf Bitte von Christian Appelt aus Gummersbach als Fahrer des Kübels aus dem Jahr 1974, der nicht auf Gummireifen, sondern auf Eisenbahnrädern fuhr, die Schmittkamp aus Remscheid mitgebracht hatte.

Er schiente das Gefährt vor Ort auf. "Eine schöne Idee", befand eine alteingesessene Siegburgerin und wartete geduldig, bis der Kübel startklar war und insgesamt noch gut 25 Mal - allerdings nur mit je drei Fahrgästen besetzt - auf der Trasse des "Luhmer Grietche" durch die Stadt fuhr.