GA-Serie "Eine Stunde mit..."

Landwirt aus Much verkauft auf dem Siegburger Wochenmarkt

Uwe und Andrea Söntgerath verkaufen selbst produzierte Lebensmittel in Siegburg.

SIEGBURG. "Das macht dann 10,90, danke schön, auf Wiedersehen. Was kann ich für Sie tun"? Ruhig und zuvorkommend bedient Uwe Söntgerath einen Kunden nach dem anderen. Jeden Mittwoch und Samstag bildet sich vom frühen Morgen bis in die Mittagsstunden vor seinem Stand eine lange Schlange.

Zusammen mit Frau Andrea sowie den Töchtern Daniela, Carina und Danie ist er ununterbrochen beschäftigt und hat weder Zeit für eine Pause, noch "zum Quatschen mit den Kollegen" an den Nachbarständen. "Aber mir ist natürlich lieber, es ist was los", sagt er.

 Kaum jemand weiß, wie viel Arbeit in den tagesfrischen Angeboten steckt, wegen der die über 90 Prozent Stammkunden ihm seit Jahren die Treue halten. "Als Erzeuger stellen wir selbstverständlich alle Produkte selber her, damit sind drei Generationen auf unserem Bauernhof in Much ausgelastet", verdeutlicht der Tierwirtschaftsmeister den Aufwand.

Auf dem Hof leben circa 4000 Legehennen, 50 bis 80 Schweine, Puten, Hähnchen und Kaninchen. Jeden Tag müssen zum Beispiel morgens rund 4000 Eier eingesammelt werden, da "haben wir zu viert etwa zwei bis drei Stunden zu tun". Alles ist auf seinem Hof durchorganisiert, selbst Vater Willi, mittlerweile 83 Jahre alt, hilft im Familienbetrieb noch mit, wo er kann.

Es gibt eine genau definierte Arbeitsteilung. "Mit einer 60-Stundenwoche kommt man nicht hin", stellt Söntgerath nüchtern fest, aber für ihn und die Familie ist der Beruf auch Hobby, das allen Spaß macht. Der Verkauf auf dem Markt ist bei weitem nicht die einzige Tätigkeit, "wir sind keine Händler, die auf dem Großmarkt einkaufen", stellt er klar.

Einen Tag zuvor hat er noch Weizen gesetzt, damit war er abends um 23 Uhr fertig. Nudeln werden eigenhändig hergestellt, die Söntgeraths bauen Kartoffeln an, haben Apfel- und Birnbäume. Die eigenen Tiere schlachten sie täglich selber und verwursten das Fleisch. Dabei hilft ihnen ein Metzger aus dem Nachbardorf, was dem Schlachtvieh einen langen Transportweg erspart.

Der "Chef" muss zum Kühlwagen, wo eine Vorbestellung zurückgelegt wurde. Dann geht es weiter, er packt Obst, Eier und Fleisch in eine Tüte, greift noch einmal hinter sich nach den Nudeln und reicht das Ganze über die Theke, kassiert und wünscht einen schönen Tag.

 Heute ist keine Zeit für einen Wortwechsel mit dem Ehepaar, das immer bei ihm einkauft. "Ein persönliches Gespräch kann ich nur führen, wenn der Betrieb nachlässt oder außerhalb der Stoßzeiten. Dann unterhalte ich mich mit Kunden natürlich auch über persönliche Dinge, wie es den Kindern geht oder über den letzten Campingurlaub, alle Themen sind möglich" weiß Söntgerath zu berichten.

Manchmal führt er aber auch Diskussionen über die Ware. So mit einer Dame, die partout nicht verstehen wollte, warum sie keine sehr großen Eier bekommen konnte. "Ich kann Ihnen nur das verkaufen, was wir produzieren", war sein - vergeblicher - Versuch einer Erklärung.

 Manchmal bestehen Kunden ausdrücklich nur auf weiße Eier, "weil die besser zum Design der Küche passen", erzählt der Fachmann und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Ich sag dann nix, denke nur: Bist du ein armer Willi und packe das Gewünschte mit einem freundlichen Lächeln ein".

Nur zweimal in über 30 Jahren blieb sein Platz auf dem Markt leer. Einmal wegen defekter Reifen an seinem Lkw, für die es nur in Hamburg Ersatz gab, das andere Mal, weil eine Achse gebrochen war. Wenn nicht gerade das Beladen für den nächsten Markttag ansteht, die Tiere zu füttern sind, gesät oder geerntet wird, ist noch lange keine Erholung angesagt.

Nach Wartungs- und Reparaturarbeiten "ist der Bürokram dran. Vor allem die von Behörden und Ämtern geforderten Dokumentationen halten auf". Das mache wirklich keinen Spaß. Hygiene- und Putzlisten für die Kühlhäuser, den Anhänger, den Schlachtraum usw. müssen akribisch geführt werden, sonst droht Ärger.

Früher sei alles nicht so streng kontrolliert worden, stellt der leidenschaftliche Bauer mit einem leicht genervten Unterton fest. Er beklagt sich aber nicht, sondern nimmt es gelassen. Zusätzlich beliefert der Hof auch noch Wiederverkäufer, nichts bleibt also übrig, jeden Tag kommen frische Produkte in den Verkauf.

Was macht das Ehepaar Söntgerath, wenn es dann doch einmal "arbeitslos" ist? "Wir lieben es, samstags nach Feierabend in Siegburg einen Kaffee zu trinken und genießen das späte Shoppen in der Stadt. Der Sonntag ist arbeitsfrei, dann müssen "nur" die 4000 Eier gesammelt werden. Aber es geht nicht zum Markt.

GA-Serie "Eine Stunde mit...":
In der GA-Serie "Eine Stunde mit..." begleiten wir Menschen bei der Ausübung ihres Berufs. Ob Bäcker, Model oder Tierpfleger - sie gewähren uns Einblick in ihren Alltag. Für genau eine Stunde.