Siegburger Geschichte

Kreuz aus der Abtei im Internet versteigert

SIEGBURG. Der Verein der Freunde und Förderer des Michaelsberg holt die Bronze zurück in die Kreisstadt.

Die historische Aufnahme zeigt das Kreuz in der Krypta der Abteikirche. Das war 1949. Dieser Tage entdeckte GA-Fotograf Holger Arndt eben diese Bronze „Jesus am Kreuz“ bei einer Online-Auktion. Für den Preis von 1880 Euro. „Ich kenne das Kreuz“, zeigte sich Stadtarchivarin Andrea Korte-Böger beim Anblick begeistert. In ihrem Fotoarchiv wie auch in der Inventarliste, die die Abtei vor ihrer Auflösung erstellt hat, fand sie schließlich den Beweis: Das im Internet offerierte Objekt stammt aus dem 2012 aufgelösten Konvent. Und kehrt nun nach vier Jahren nach Siegburg zurück. Denn der Verein der Freunde und Förderer des Michaelsberges, dessen Vorsitzende Korte-Böger ist, hat das gute Stück gekauft.

Das Foto im Internet weckt unweigerlich Erinnerungen. An jenen Sonntag im April vor fast vier Jahren, an dem Frater Linus, der seinerzeit als Liquidator des Vereins der Benediktiner die Abwicklung der Abtei geregelt hat, die Abtei für einen Flohmarkt mit Devotionalien öffnete. Er wollte vor allem Siegburgern die Gelegenheit bieten, sich ein Andenken an die Abtei mit nach Hause zu nehmen – umsonst oder gegen eine Spende. Allesamt sakrale Stücke mit einem geringen materiellen, aber hohem ideellem Wert. Zuvor hatten die Mönche viel Inventar an andere Klöster, Altenheime oder ein Kinderhospiz weitergegeben, dem Erzbistum Köln und auch der Stadt Siegburg überlassen oder auch über Auktionshäuser zugunsten der Kurie in Rom verkauft.

Der Flohmarkt war eine vielleicht naive, aber gut gemeinte Geste, die schamlos ausgenutzt wurde. Es entbrannte ein Hauen und Stechen unter Flohmarktverkäufern und anderen Händlern teils von weit her um einen der 700 Gegenstände. Schon vor der eigentlichen Flohmarktseröffnung stürmten Besucher im Laufschritt und ohne Rücksicht auf andere in die Abtei, schleppten teils kistenweise Kreuze, Andachtsbildchen, Heiligenfiguren oder Ikonen aus dem Kloster. Nahmen Gemälde von den Wänden, öffneten Schränke, stritten lauthals um Ikonen und Bilder. Als die Siegburger, für die der Flohmarkt eigentlich gedacht war, auf den Michaelsberg kamen, waren die Pforten verschlossen – und nichts mehr übrig.

Auch Stadtarchivarin Andrea Korte-Böger kann die tumultartigen Szenen nicht vergessen. „Es war einfach nur unglaublich, welche Gier und welcher Hass die Menschen antrieb“, sagt sie. Das habe sie auch selbst zu spüren bekommen, als sie mit drei Ikonen, Erinnerungsstücke für eine Ordensschwester, aus der Klosterpforte trat. „Ich wurde angegriffen und verfolgt, man wollte sie mir aus den Armen reißen“, erinnert sie sich. Das Kreuz, das nun den Weg zurück nach Siegburg findet, war an jenem Sonntag nicht unter den Flohmarkt-Gegenständen. „So wertvolle Stücke waren nicht dabei“, sagt Korte-Böger. Die seien über Antiquitätenhändler und Auktionshäuser verkauft worden.

Umso mehr freut die Vorsitzende der Freunde und Förderer des Michaelsberges, dass sie das Bronze-Kreuz zurück nach Siegburg holen konnte. „Wenigstens ein Stück konnten wir retten“, sagt sie. Auf diesem Wege sei der Verein bislang noch nicht an ein Relikt der aufgelösten Benediktinerabtei gekommen. Zuletzt hatte jemand den Freunden und Förderern einen Priesterkelch aus der Abtei überlassen. Der Verein schenkte das Zeitdokument der Katholischen Kirchengemeinde Sankt Servatius. Was mit dem Kreuz geschieht, vermochte Andrea Korte-Böger am Freitag noch nicht zu sagen.