Brandschutzsanierung verzögert sich um fast 2 Jahre

Kreishaus bis Ende 2018 Baustelle

Kreishaus in Siegburg: Der beträchtliche Aufwand der Brandschutzsanierung ist von außen kaum erkennbar. ARCHIVFOTO: HOLGER ARNDT

Kreishaus in Siegburg: Der beträchtliche Aufwand der Brandschutzsanierung ist von außen kaum erkennbar.

RHEIN-SIEG-KREIS. Brandschutzsanierung verzögert sich um fast zwei Jahre. Es hakt an vielen Stellen

Erneut muss der Rhein-Sieg-Kreis eine Verzögerung bei der Brandschutzsanierung des Siegburger Kreishauses vermelden. Letzter Stand war, dass das Projekt Anfang 2017 abgeschlossen werden soll. Nach neuesten Erkenntnissen wird es nun Ende 2018, und voraussichtlich wird auch der Kostenrahmen - bislang auf 33,2 Millionen Euro geschätzt - nicht zu halten sein. Gestern Nachmittag stellte sich das beauftragte Planungsbüro "sic!" den bohrenden Fragen von Mitgliedern des Bauausschusses.

"Es hat sich herausgestellt, dass der Zeitplan zu optimistisch war", sagte der neue Oberprojektleiter Ralf Reichartz, dessen Büro zuletzt im Herbst 2013 eine Prognose über Verlauf und Kosten der Brandschutzsanierung abgegeben hat. Bislang waren 31 Monate kalkuliert, jetzt sind es 53. Mehrere Gründe führen dazu, dass sich die Fertigstellung verzögert. Im Juli 2014 - später als geplant - begannen die Arbeiten, begleitet von einer Vergabebeschwerde einer Firma.

Nach Darstellung von Reichartz klappt auch die Abstimmung zwischen technischen Gewerken und Baugewerken nicht so reibungslos wie gedacht. Das zeigte sich im laufenden ersten Bauabschnitt. Dadurch verlängert sich jeder der neun Bauabschnitte. Allein das macht schon insgesamt 18 Wochen aus.

Dieser zusätzliche Zeitaufwand muss laut Reichartz auch für die Abnahmen von Sachverständigen, Feuerwehr und Bauaufsicht eingerechnet werden. Zusätzliche Auflagen des Brandschutzes während der Arbeiten und böse Überraschungen unter Decken- und Wandverkleidungen sorgen für weitere Verzögerungen.

Zudem gebe es Probleme mit einer Firma, die wochenlang nicht auf der Baustelle erschienen sei. Das Planungsbüro machte all diese Faktoren waren laut Planungsbüro nicht vorhersehbar, trotz des Musterbereichs in der elften Etage, der vor Beginn der Bauarbeiten testweise saniert wurde. "Wir konnten dabei einen Teil der Probleme erkennen, die uns erwarteten", so Kämmerin Svenja Udelhoven. "Aber eben nicht alles."

Inwieweit die Kosten steigen - dazu gibt es noch keine konkreten Zahlen. Die Kreisverwaltung erklärte, dass sie die Auswirkungen überprüfe. Erste Schätzungen hatten sich auf 13 Millionen Euro belaufen, dann 29, zuletzt 33 Millionen Euro. Zumindest für die Ausweichquartiere fallen Mehrkosten an, da diese nun länger angemietet werden müssen als vorgesehen. Etappenweise - je nach Baufortschritt - ziehen die Mitarbeiter nach Sankt Augustin um. Im Technopark sitzen zurzeit das Sozial- und das Straßenverkehrsamt.

Der Bauausschuss lobte zwar die Transparenz des Planungsbüros, nahm die Hiobsbotschaft aber sichtlich verstimmt auf. "Wir tragen eine irre Verantwortung, denn wir müssen für dieses Projekt große Beträge durchwinken", sagte Bettina Bähr-Losse (SPD). "Ich hoffe nicht, dass das so ein Ding wird wie in Berlin", meinte Oliver Roth (CDU) mit Blick auf die Endlos-Baustelle des Flughafens Berlin-Brandenburg.

So weit soll es nicht kommen: Im neuen Zeitplan sind Reichartz zufolge "Puffer" eingeplant. Doch schloss er weitere Verzögerungen nicht aus, insbesondere dann, wenn eine Baufirma Insolvenz anmeldet oder gekündigt werden muss.

Die Kreishaus-Sanierung

Das zwölfstöckige Kreishaus, zwischen 1975 und 1981 errichtet, muss aufgrund von Brandschutzbestimmungen saniert werden. Unter anderem müssen Fluchtwege neu gestaltet, neue Brandschutzbereiche gebildet sowie spezielle Türen und Bodenbeläge angebracht werden. Aber auch die Kabelschächte, ein kilometerlanges System, sind Teil der aufwendigen Sanierung.