Altkleider-Sammlungen

Kreis rät zum kritischen Blick bei Altkleiderspenden

Patricia Charlet vom Amt für Technischen Umweltschutz des Rhein-Sieg-Kreises.

Patricia Charlet vom Amt für Technischen Umweltschutz des Rhein-Sieg-Kreises.

29.09.2014 RHEIN-SIEG-KREIS. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Zettel an der Haustür klebt, der um Altkleiderspenden bittet. Die Spendenbereitschaft ist bei vielen vorhanden. Doch die Vielzahl der Sammlungen nährt unweigerlich Zweifel an ihrer Seriosität.

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Zettel an der Haustür klebt, der um Altkleiderspenden bittet. Manche sind gleich mit passendem Kleidersack versehen, andere liegen in Wäschekörben oder Eimern. Die Spendenbereitschaft ist bei vielen vorhanden. Doch die Vielzahl der Sammlungen nährt unweigerlich Zweifel an ihrer Seriosität.

Ein kritischer Blick ist durchaus angebracht, sagt Patricia Charlet vom Amt für Technischen Umweltschutz des Rhein-Sieg-Kreises. Julia Oberdörster, Umweltberaterin der Verbraucherzentrale in Siegburg rät, ausgediente Kleider an örtliche Kammern oder karitative Einrichtungen zu spenden.

Seit zwei Jahren müssen Sammlungen - gemeinnützige wie gewerbliche - dem Kreis angezeigt werden. "Wer ohne Anzeige sammelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit", sagt Patricia Charlet. Und das könne teuer werden. Das Gesetz gibt die Kriterien vor, nach denen sie Sammler prüft. Neben Daten zum Unternehmen sind das Art, Ausmaß und Dauer der Sammlung und besonders die Verwertungswege.

110 Sammler hat Charlet in ihrer Kartei. Einige entpuppten sich als schwarze Schafe. "Manchmal stellt sich erst während der Sammlung heraus, dass die Organisation unseriös ist", erklärt die Fachfrau. Etwa durch Container, die illegal, also ohne Genehmigung der Kommune aufgestellt werden, häufige Wechsel der Firmennamen oder dubiose Subfirmen, die Container leeren. Erhärtet sich ein Verdacht, wird die Sammlung verboten.

"Für Bürger ist es kaum möglich, eine unseriöse Sammlung zu erkennen", sagt Patricia Charlet. Daher rät sie bei Zweifeln zu einem Anruf in ihrem Amt oder bei der jeweiligen Kommune, welche die Aufstellung von Containern genehmigen muss. "Ich telefoniere beinahe täglich mit Kommunen, die illegal aufgestellte Container gefunden haben", sagt Charlet.

Den Anstieg der Sammlungen erklärt sie sich damit, dass mit Altkleidern viel Geld zu machen sei. "Wir haben derzeit in den Beratungen vermehrt Fragen nach seriösen Sammlungen", berichtet auch Julia Oberdörster von der Siegburger Verbraucherzentrale. Sie verweist auf eine Broschüre der Verbraucherzentrale NRW, die neben Tipps rund um Altkleidersammlungen auch die Siegel seriöser Anbieter aufzeigt. Grundsätzlich rät Oberdörster, Kleidung möglichst lange zu tragen.

Wer mit seinen Hosen, Pullovern oder Jacken, die nicht mehr gefallen oder passen, anderen helfen möchte, sollte laut Oberdörster genau hinsehen: "Die Verbraucher sollten skeptisch sein, wenn bei Sammlungen nicht ganz klar ist, wer eigentlich sammelt und was mit den Altkleidern geschieht." Manche Container seien mit Namen von Organisationen bedruckt, die denen seriöser Sammler ganz ähnlich sind. Sicherheit bieten, so die Umweltberaterin, die Kleiderkammern, Geschäfte und Sammlungen karitativer Organisationen vor Ort. "Dort werden die Kleider gesichtet, sortiert und entweder direkt an Bedürftige weitergegeben oder die Erlöse aus dem Kleiderverkauf kommen den sozialen Einrichtungen zugute."

Ein deutliches Zeichen gegen das "wilde Containern" hat die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) in Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt und anderen Wohlfahrtsverbänden gesetzt. Sie hat in 14 der 19 Kreiskommunen 200 grüne Altkleidercontainer aufgestellt, die die jeweiligen Wohlfahrtsverbände leeren. Der Erlös fließt in Teilen den Sozialverbänden zu sowie auch in den Haushalt der Abfallgebühren. Für die RSAG sind die Container auch ein Weg, Altkleider aus dem Abfall rauszuhalten. Dem stimmt Julia Oberdörster zu: "Die Mülltonne ist definitiv der falsche Ort für die guten Stoffe."

Weitere Informationen

Fragen zu Altkleidersammlungen beantwortet Patricia Charlet vom Technischen Umweltamt des Rhein-Sieg-Kreises unter der Telefonnummer 02241/133003. Weitere Informationen sowie eine Broschüre gibt es bei Umweltberaterin Julia Oberdörster von der Verbraucherzentrale Siegburg unter der Rufnummer 02241/1496805 oder per E-Mail an siegburg.umwelt@vz-nrw.de. (Nadine Quadt)