Tierschutz im Rhein-Sieg-Kreis

Kommt Kastrationspflicht für Katzen?

Tausende wildlebende Katzen gibt es im Rhein-Sieg-Kreis. Viele sind krank und vor allem nicht kastriert,

Tausende wildlebende Katzen gibt es im Rhein-Sieg-Kreis. Viele sind krank und vor allem nicht kastriert,

RHEIN-SIEG-KREIS. Der Rhein-Sieg-Kreis denkt über über Verordnung für Freigängerkatzen nach. Nicht kastrierte Katzen, die von ihren Besitzern nach draußen gelassen werden, tragen zur Überpopulation bei. Darauf machen die Katzenschutzvereine schon seit Langem aufmerksam.

Aus Sicht des Tierschutzes gilt die Kastration von Freigängerkatzen als sinnvoll: Auf diese Weise können Überpopulation und Katzenelend eingedämmt werden. Das Thema beschäftigt Kreisveterinär Hanns von den Driesch und die Kreispolitik schon seit Längerem, auch weil die ehrenamtlich tätigen Katzenschutzvereine und Initiativen Alarm schlagen. Im Gespräch ist nun eine kreisweite Verordnung, die Katzenhalter zum Chippen, zur Registrierung und vor allem zur Kastration ihrer Tiere verpflichtet – zumindest dann, wenn es sich um Freigängerkatzen handelt.

„Das würde unsere Arbeit sehr unterstützen“, sagt Anita Kirchner, Sprecherin der Katzenschutzvereine im Rhein-Sieg-Kreis. Davon gibt es immerhin zehn. Einige Vertreter kamen jüngst in den Umweltausschuss des Kreises, um auf die Probleme aufmerksam zu machen. Die ehrenamtlichen Tierschützer fangen selbst pro Jahr Hunderte freilebende – also wilde – Katzen ein und lassen sie kastrieren und medizinisch versorgen. Die Kosten werden über Spenden und Mitgliedsbeiträge getragen und teilweise bezuschusst. Der Kreis beispielsweise hat dafür 5000 Euro im Jahr vorgesehen.

Doch so richtig kommen die Tierschützer nicht von der Stelle, wenn es darum geht, die Überpopulation in den Griff zu bekommen. Nach eigener Statistik haben die Katzenschutzvereine seit 2010 mehr als 3700 Tiere eingefangen. Der Großteil war krank, etwa 90 Prozent nicht kastriert – heißt: Sie können sich weitervermehren. Ein großes Problem, so Kirchner, seien die nicht kastrierten Freigängerkatzen, die von ihren Besitzern nach draußen gelassen werden.

Die Halter könnten über Kastrationsverordnungen in die Pflicht genommen werden. Die Frage ist nur, auf welcher Grundlage. Eine Möglichkeit biete das Ordnungsbehördengesetz, sagt von den Driesch. Rund 400 Kommunen haben bundesweit entsprechende Vorschriften erlassen. Darunter sind Bonn und lediglich eine Kreis-Kommune: Die Gemeinde Swisttal setzte ihre Verordnung 2013 in Kraft. „Unsere Erfahrungen über die Jahre sind positiv“, sagt Gemeinde-Sprecher Bernd Kreuer. „Es werden inzwischen weniger verwilderte Katzen gefunden, die versorgt werden müssen.“ Höhere Kosten habe die Gemeinde nicht, auch zusätzliches Personal sei nicht nötig. Doch bleibt Swisttal wohl ein Einzelfall. „Ich habe das Thema mit den anderen Kommunen kontrovers diskutiert, aber letztlich ohne Ergebnis“, so Kreis-Veterinär von den Driesch. Einige sahen keinen Handlungsbedarf. Als Knackpunkt galt laut Bürgermeister-Sprecher Stefan Raetz vor allem die Kontrollierbarkeit: Wer sorgt dafür, dass die Verordnung eingehalten wird? „Personal ist knapp, und die Katzen werden mal nicht so eben dem Außendienst zur Kontrolle auf den Arm springen“, sagt Raetz.

Der Kreis prüft nun weitere rechtliche Möglichkeiten. So erwägt die Verwaltung, in eigener Zuständigkeit auf Grundlage des Tierschutzgesetzes eine flächendeckende Kastrationsverordnung zu erlassen. Diese Option besteht in NRW seit 2015 und kommt in der Praxis noch relativ selten vor. Die Verwaltung soll das Thema für den Kreis-Umweltausschuss aufbereiten, der im vergangenen Jahr die Verantwortung eher bei den Kommunen sah; in der jüngsten Sitzung spielte dieser Aspekt kaum mehr eine Rolle. „Das war eine klare Weichenstellung“, sagt Burkhard Hoffmeister (Grüne), stellvertretender Vorsitzender des Umweltausschusses. Er sei guten Mutes, dass eine Lösung im Sinne des Katzenschutzes gefunden werde.

Die Katzenschützer bieten den Behörden weiter ihre Kooperation an – auch wenn es um die Umsetzung geht. „Wir stellen unsere Arbeit ja nicht ein“, sagt Anita Kirchner, die auf Öffentlichkeits- und Überzeugungsarbeit bei den Haltern setzt. Für den Kreis wünscht sie sich einen Runden Tisch, an dem die Initiativen zusammen mit Politik und Verwaltung die weitere Entwicklung beraten können.