Rhein-Sieg-Kreis

Kampagne gegen sexualisierte Gewalt im Karneval

Funkenmariechen im Karneval: Vereine aus der Region beteiligen sich an der Kampagne „Nein heißt Nein“.

Funkenmariechen im Karneval: Vereine aus der Region beteiligen sich an der Kampagne „Nein heißt Nein“.

Rhein-Sieg-Kreis. Vereine und Veranstalter aus dem Rhein-Sieg-Kreis unterstützen eine Kampagne der Frauenberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt. Der Festausschuss Troisdorfer Karneval und das Siegburger Karnevalskomitee wollen entsprechende Plakate verteilen.

Wenn in ein paar Wochen der Straßenkarneval beginnt, wird wieder ausgelassen gefeiert. Damit die jecke Zeit fröhlich und ungetrübt bleibt, ohne Übergriffe, sexualisierte Gewalt und Belästigung gegenüber Mädchen und Frauen, haben die Frauenberatungsstellen im Rhein-Sieg-Kreis und die Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Bonn die Kampagne „Nein heißt Nein!“ ins Leben gerufen. Die gibt es zwar schon seit einem Jahr, doch jetzt soll sie wirksam verstärkt werden: Damit auch Veranstalter nach außen eine klare Haltung gegen Grenzüberschreitungen zeigen können, gibt es jetzt ein Plakat in leuchtendem Pink.

„Es geht um ein öffentliches Statement gegen sexualisierte Gewalt. Wir haben uns die Frage gestellt: Was brauchen Veranstalter, um Haltung zu zeigen und Sicherheit zu garantieren“, erklärt Christina Münk vom Frauenzentrum Bad Honnef, das im gesamten Kreis tätig ist. „Wo Haltung gezeigt wird, passieren auch weniger Übergriffe“, weiß Münk aus Erfahrung. Der Festausschuss Troisdorfer Karneval und das Siegburger Karnevalskomitee nahmen am Mittwoch einen Stapel Poster entgegen.

Festausschuss-Präsident Hans Dahl sieht die Problematik vor allem in „geballten Menschenmassen, in denen man sich verstecken kann“. In Troisdorf habe man überwiegend Familienveranstaltungen. Auch da werde das Plakat unter anderem zum Einsatz kommen. In Siegburg soll beim Rosenmontagszug plakatiert werden. Außerdem werde der Aufruf im Internet für jeden sichtbar hochgeladen, so Jörg Sola-Schröder, Präsident des Karnevalskomitees.

„Im Karneval haben wir das große Problem, dass sich durch Alkohol und Freizügigkeit die Hemmschwelle nach unten verschiebt“, meint er. Grenzüberschreitungen oder sexuelle Übergriffe auf Frauen habe er persönlich aber noch nicht erlebt. Dahl sieht auch die andere Seite: Nicht nur Übergriffe auf Frauen müssten thematisiert werden, auch Männer seien betroffen. Sola-Schröder und Dahl wollen das Plakat an andere Veranstalter weiterleiten. „Wir machen das zum Thema. Ich denke, das sensible Hingucken ist schon ganz stark in der Gesellschaft verbreitet. Da sind wir schon einen weiten Schritt in die richtige Richtung unterwegs“, findet Sola-Schröder.

Schon seit dem vergangenen Jahr gibt es einen Handlungsleitfaden, der vor der heißen Phase des Karnevals ebenfalls verteilt wird. Wenn etwa eine Frau bei einer Veranstaltung um Hilfe bittet, sollen vorbereitete Fragen helfen, die Situation richtig einzuschätzen. Ist die Frau allein oder in Begleitung? Möchte sie die Veranstaltung verlassen? Will sie die Polizei verständigen? Dabei soll nicht über den Kopf der Frau hinweg gehandelt werden, sondern nur in Absprache mit ihr.

Das Thema ist allerdings nicht karnevalsspezifisch. „Wir wollen die Kampagne sukzessive immer weiter verbreiten“, so Münk. Etwa in Schwimmbädern oder auf Partys. 41 Fälle von Vergewaltigung oder sexueller Nötigung im öffentlichen Raum verzeichnete die Polizeibehörde des Rhein-Sieg-Kreises in der Kriminalstatistik für das Jahr 2017. Die Dunkelziffer liege aber viel höher, so Ulla Hoefeler vom Frauenzentrum in Troisdorf. Allein ihre Einrichtung habe im selben Jahr 154 Beratungsgespräche wegen sexualisierter Gewalt geführt. „Es geht uns nicht darum, als Spaßbremse aufzutreten“, betont sie. „Bützchen und Flirten im Karneval, ja. Aber Grenzen müssen eingehalten werden.“