Rat diskutiert über Sanierung oder Neubau

Investor will neues Rathaus in Siegburg bauen

Die Siegburger Innenstadt: Hinter der Marktpassage liegt der Parkplatz, der bebaut werden könnte. Insgesamt stehen bei der Diskussion um den künftigen Rathaus-Standort mehrere Optionen zur Diskussion.

Die Siegburger Innenstadt: Hinter der Marktpassage liegt der Parkplatz, der bebaut werden könnte. Insgesamt stehen bei der Diskussion um den künftigen Rathaus-Standort mehrere Optionen zur Diskussion.

Siegburg. Neue Option in der Diskussion um die Zukunft des Siegburger Verwaltungssitzes. Experten sollen die Kosten und die Wirtschaftlichkeit ermitteln.

Die Frage nach der Zukunft des Siegburger Rathauses hat eine neue Facette gewonnen. Ein Investor mit Interesse am Allianz-Parkplatz ist neu im Spiel – und schlägt der Stadt vor, dort ein Rathaus als Investorenmodell zu realisieren. Das teilte Bürgermeister Franz Huhn am Mittwochabend auf Nachfrage der Grünen im Bau- und Sanierungsausschuss Rathaus mit. Eine Option, mit der sich die Politik nun in den Fraktionen auseinandersetzen will – wie auch mit neuen Erkenntnissen zu einer Sanierung des bestehenden Gebäudes sowie zur Wirtschaftlichkeit aller verbliebenen Varianten.

Sanierung, Neubau an gleicher Stelle, auf dem Allianz-Parkplatz oder auf dem Parkplatz am Facharztzentrum – das sind bekanntlich die vier Optionen, auf die die Politik ihre Diskussion begrenzt hat. Auch wenn Wirtschaftsprüfer Klaus Schmitz-Thoenneßen bei der Frage nach der Wirtschaftlichkeit der einzelnen Varianten mehr ins Detail gegangen ist, es bleibt weiter eine Rechnung mit einigen Unbekannten.

Für verschiedene Kostenpunkte, etwa für Umzug, Anschaffung von Mobiliar und Ausstattung oder ein neues Rechenzentrum, liegen mittlerweile konkretere Zahlen vor. Aber allein die An- und Verkaufspreise der Grundstücke seien schwer zu kalkulieren. Das verdeutlichte der Fachmann am Beispiel Allianz-Parkplatz, für das er, ausgehend von den im Umkreis vorliegenden Bodenrichtwerten vier Kaufszenarien entwarf. „Wie es sich am Ende darstellt, hängt sehr stark vom Verhandlungsgeschick ab“, so Schmitz-Thoenneßen.

 

Sanierung könnte Gesamtkosten um 1,1 Millionen Euro senken

Auch die in der Machbarkeitsstudie grob ermittelten Baukosten können sich ändern, wenn die Planung mehr ins Detail geht. Wie sehr, zeigte Architekt Klaus H. Petersen vom Büro Petersen, Pörksen und Partner, der sich eingehend mit der Sanierung des 1968 eingeweihten und seither nie grundlegend erneuerten Rathauses befasst hat. Er hat die Baukosten neu berechnet und die Gesamtsumme so um 1,1 Millionen Euro auf rund 16,39 Millionen Euro reduzieren können.

Bei allen Unwägbarkeiten bestätigten Schmitz-Thoenneßens Berechnungen noch einmal, was sich schon im Sommer abgezeichnet hat: Ein Rathausneubau an Ort und Stelle wäre wohl am teuersten. Die anderen Varianten lägen eng beieinander. „Am Ende werden städtebauliche Aspekte, örtliche Lage und Nachhaltigkeit maßgeblich sein für die politische Entscheidung“, so Schmitz-Thoenneßen.

Für eine Sanierung warb Petersen. Das Rathaus habe eine „ziemlich schlaue Konstruktion“, ein modernes Tragwerk, das auch bei Aufstockung um ein Geschoss noch tragfähig sei. Gute Voraussetzungen für eine Sanierung, attestierte der Experte und skizzierte einen möglichen Sanierungsablauf. Sie sollte in drei Abschnitten erfolgen, Beginn im Untergeschoss. Über die Auslagerung von Fraktionsräumen und Sitzungssälen, interne Verlagerungen und Umzüge in die Jugendamtsräume an der Ringstraße und Container könnte der Betrieb während der Sanierung gesichert werden.

Entscheidung noch in diesem Jahr gefordert

Die Grünen sahen sich in ihrer Festlegung auf eine Sanierung bestätigt. „Wir sollten noch dieses Jahr eine Entscheidung treffen“, so Hans-Werner Müller. Eine Entscheidung so bald wie möglich, wünschte auch CDU-Fraktionschef Jürgen Becker. Dazu sei aber eine Visualisierung der Alternativen unabdingbar. Ein entsprechender CDU/FDP-Antrag wurde gegen die Stimme der Linken beschlossen. Spätestens zur Sitzung am 13. Dezember sollen Ansichten vorliegen und danach in einer Bürgerwerkstatt vorgestellt werden. Dann soll auch der zeitliche Aspekt einbezogen werden.

Die Frage nach dem Allianz-Parkplatz, der bislang in einem Gesamtpaket mit 18 weiteren Grundstücken auf dem Markt war, ist obligatorisch. Erstmals hatte der Bürgermeister indes Neues zu berichten. Der Verkauf als Gesamtpaket sei geplatzt. „Es gibt einen soliden Investor, der Allianz-Parkplatz und Marktpassage erwerben möchte und sich an uns gewandt hat“, so Huhn. Er habe angeboten, ein Rathaus als Investorenmodell zu errichten und Interesse am Rathausgrundstück signalisiert. Alles weitere müsse die Politik entscheiden.