Nichts für schwache Nerven

Interview mit Siegburger Sven Heuchert über seinen neuen Roman

Seinen Debütroman hat der Siegburger Autor Sven Heuchert veröffentlicht.

Seinen Debütroman hat der Siegburger Autor Sven Heuchert veröffentlicht.

Siegburg. Sven Heucherts Debütroman spielt in dunkler Provinz - schnörkellos, hart und düster. Im Interview spricht der in Siegburg geborene Autor über sein Buch, sympathische Verlierer und seine Geburtsstadt.

Solange er zurückdenken kann, gehört das Schreiben zu seinem Leben. Doch eine „handwerkliche solide Ausbildung“ stand nach der Mittleren Reife für ihn außer Frage. Seiner Selbstfindung als Autor kleinerer Erzählungen, Veröffentlichungen in Zeitschriften und Magazinen bis zu seinem ersten Buch, dem Kurzgeschichten-Band „Asche“, stand dennoch nichts im Wege. Seit zwei Wochen ist nun auch Sven Heucherts erster Roman „Dunkels Gesetz“ auf dem Markt. Über seinen Weg dorthin, seinen eigenwilligen Stil und seine Heimat Siegburg sprach der Autor und Handwerksmeister mit .

Wie würden Sie sich selbst beruflich bezeichnen?

Sven Heuchert: Beides gehört zu meinem Leben. Mein Handwerksberuf ermöglicht mir, das Schreiben nicht aus wirtschaftlichen Zwängen heraus betreiben zu müssen. Das entspannt ungemein.

Man muss schon schmunzeln, wenn man die enttarnende Ehrlichkeit in Ihrer Kurzbiografie liest, mit der Sie bekennen, „keine Preise und keine Auszeichnungen“ zu besitzen....

Heuchert: Ich habe nicht den Anspruch, Preise zu gewinnen. Das ist für mich nicht die Motivation. Mein Zugang zum Literaturbetrieb kommt aus dem Underground, da ich ans Schreiben gehe, ohne irgendwelche Seilschaften zu besitzen. Ich habe meinen eigenen Stil und suche mir eigene Themen, die nicht preisverdächtig sind. Wer seine Themen auf einen Preis ausrichtet, ist für mich unglaubwürdig.

In Ihrer Familie sind Sie der erste Buchautor. Wie haben Sie ohne familiäre Prägung Ihren Weg zum Buch gefunden?

Heuchert: Über die Musik. Als Rockgitarrist habe ich Songs mit eigenen Texten komponiert. Deshalb habe ich mich zunächst einmal mit amerikanischer Lyrik beschäftigt. Der prägende Mentor dieser Zeit war Wolfgang Pracht, selbst Musiker und damals Sozialarbeiter im Siegburger Kulturcafé. Den kleinen Formen folgten erste Erzählungen und Kurzgeschichten in der Tradition des Dirty Realism, und nun die Vergrößerung bis zum Roman.

Sie schreiben sehr klar, deutlich und schnörkellos und verzichten auf den Blick in die Gedankenwelt Ihrer Figuren. Das ist ein poetischer Realismus mit einer bisweilen brutalen Härte in den Schilderungen der äußeren Handlung.

Heuchert: Ganz genau. Der Minimalismus ist ein bewusstes Stilmittel, das auch von meinen Lesern oft kontrovers diskutiert wird. Die Reduktion ist mein Ziel, die Verknappung auf das Wesentliche fasziniert mich, weil der Leser zwischen den Zeilen erkennen muss. Ich gebe keinen moralischen Kompass zu den Gedanken der Akteure. Deshalb ist eine Transferleistung erforderlich. Auch in meinem für 2018 bereits geplanten, nächsten Erzählband werde ich das weiter auf die Spitze treiben.

In Ihrem Noir Roman wird nichts beschönigt. Drogen, Suff, Hass und Gewalt – Sie nehmen sich nicht gerade leichte Themen vor. Woher kommt Ihre Faszination für das Düstere?

Heuchert: Es ist keine Faszination. Ich würde das Düstere nie plakativ verwenden. Es ist nur ein inneres Mittel zum Zweck.

Niederlagen sind ja auch so ein Thema...muss man sie erlebt haben, um darüber schreiben zu können?

Heuchert: Wer liest schon gerne Geschichten über Gewinner? Ich habe etwas übrig für sympathische Verlierer, solche, die immer wieder aufstehen, um weiterzumachen.

Nun sind Sie gerade 40 geworden und haben Ihren ersten Roman auf dem Markt. Wie fühlt es sich an, als Autor besprochen zu werden und auf Lesebühnen eingeladen zu sein?

Heuchert: Auf Lesebühnen war ich auch vorher schon häufig zu Gast, das ist keine neue Erfahrung. Dennoch: einen ersten Roman zu haben, fühlt sich gut an.

Ihre Heimat „Siegburg“ umschreiben Sie in Ihrer Biografie als „rheinische Provinz“ – was ist denn provinziell an Siegburg?

Heuchert: Mit Anfang 20 bin ich für zehn Jahre nach Köln gezogen, habe Reisen gemacht nach Australien, Neuseeland, Japan, in die USA und Kuba. Dagegen ist hier alles fürchterlich klein. Mit 40 setzt man sich wieder neu mit dem Nest, aus dem man kommt, auseinander und schätzt das soziale Gefüge.

Was denken Sie über Heimat-Krimis? Macht Lokalkolorit im Krimi Sinn?

Heuchert: Grundsätzlich ja! Ich bin ein glühender Rheinländer. Doch dieser Krimi ist kein Regionalkrimi im eigentlichen Sinne, die Gegend steht nicht im Vordergrund. Die Handlung ist einfach klar verortet, und auch über die Landschaft und ihre Beschreibung kann man etwas erzählen, die passende Atmosphäre schaffen.

Sie schreiben seit Schülertagen an der Realschule Neuenhof Siegburg. Wie war Ihr Deutschunterricht?

Heuchert: Er hatte leider nichts mit unserer damaligen Lebensart zu tun. Jack London und Ernest Hemingway kamen jedenfalls nicht vor. Das habe ich alles erst nach dem Unterricht gelesen.

Es ist Urlaubszeit. Schreiben Sie Postkarten aus der Ferne oder läuft die Kommunikation bei Ihnen über soziale Netzwerke?

Heuchert: Da bin ich mir mit vielen Autoren-Freunden einig. Wir schreiben Briefe und Postkarten. Wer interessiert sich später schon für den Chatverlauf bei Facebook oder Whatsapp?

Sven Heuchert, „Dunkels Gesetz“ (Kriminalroman), Ullstein, 187 Seiten, 14,99 Euro.