Demonstrationen auf dem Siegburger Markt

Hunderte stellen sich der AfD entgegen

19.02.2016 SIEGBURG. Eisige Temperaturen hielten rund tausend Demonstranten am Donnerstagabend nicht davon ab, in der Siegburger Innenstadt friedlich ein unübersehbares Zeichen gegen Rassismus und Rechtspopulismus zu setzen und gemeinsam Menschlichkeit, Vielfalt und Solidarität zu demonstrieren.

Sie waren dem Aufruf des neu gegründeten Bündnisses „Bunter Rhein-Sieg-Kreis“ zur Gegendemonstration gegen den Aufmarsch und Protestzug der AfD Rhein-Sieg gefolgt – und deutlich in der Überzahl. Rund 110 Teilnehmer demonstrierten laut Polizei mit der AfD unter dem Motto: „Asylchaos beenden – Für die Sicherheit unserer Frauen und die Zukunft unserer Kinder“. Laut Polizei verliefen beide Demonstrationen ohne besondere Vorkommnisse.

So bunt wie das Bündnis quer durch alle Parteien, aus Kirche, Organisationen und Kulturschaffenden, waren auch die Teilnehmer, die sich rund um die Bühnen vom Bunten Kreis und den Linken auf dem oberen Markt versammelten, wo mehrere Redner Stellung bezogen. Eine Abordnung aus dem Troisdorfer Frauenhaus mischte sich ebenso unter die Demonstranten wie Ehrenamtliche aus der Notunterkunft am Neuenhof und Flüchtlinge. „Eine Welt, eine Zukunft“ hatten deren Kinder auf ein Banner gemalt. Zwei Damen hatten sich Zettel mit der Aufschrift „Deutschland steht für Menschlichkeit“ an ihre Hüte gesteckt.

Die provokante Kunst des Siegburger Künstlers Hermann Josef Hack, ein Banner mit der Aufschrift „Freiheit macht Arbeit“, fand viel Zustimmung, stieß aber auch auf völliges Unverständnis. Geschlossen zog der Antifaschistische Arbeitskreis des Astas an der Uni Köln auf den Markt. Vertreter aus der Pfarrgemeinde Sankt Servatius, des Kreiskatholikenrates und der Evangelischen Kirche versammelten sich um ein Kreuz und protestierten bewusst still.

Schon zu Beginn hatte Imke Geske für das Orga-Team dazu aufgefordert, ein „friedliches, buntes Zeichen zu setzen, keine Gewalt anzuwenden und sich nicht provozieren zu lassen“. Ähnlich formulierte es später Poetry-Slammer NoLimit: „Seid laut, aber friedlich“. Laut waren vor allem Vertreter der Antifa, die mit Zwischenrufen versuchten, die Redner der AfD-Demo zu stören.

Es blieb bei dem Versuch, denn die Polizei hatte beide Gruppen durch Absperrgitter und einen breiten Korridor von einander getrennt. Entsprechend gut abgeschirmt hielt die AfD ihre Kundgebung vor dem Stadtmuseum ab. Laut Partei offenbar zu gut, denn Thomas Matzke, Sprecher des Kreisverbands Rhein-Sieg, wies darauf hin, dass die Absperrungen der Polizei wohl einige potenzielle Protestler abgeschreckt hätten. Dennoch sprach er zu Beginn von rund 400 Teilnehmern. „Das ist für den ersten Versuch schon ganz gut“, sagte er.

 

Unterstützung hatte sich der Kreisverband bei auswärtigen Verbänden geholt. So traten Christian Blex (Warendorf), Christine Anderson (Limburg-Weilburg), Gerhard Fischer (Bonn) und André Poggenburg vom Bundesvorstand auf. Sie richteten sich in ihren Reden gegen die Politik der etablierten Parteien und die Masseneinwanderung, die nicht nur den Sozialstaat, sondern mit Blick auf die Übergriffe in Köln auch die innere Sicherheit gefährde.

„Das Politikversagen der Regierung Merkel bringt unser Volk und unser Land in Gefahr. Damit wollen wir Schluss machen“, rief Matzke. Niemand verwehre Asyl, machte Fischer deutlich. Aber nur etwa ein Prozent der Einwanderer habe tatsächlich einen Asylanspruch. Und Poggenburg behauptete: Die AfD stehe mitte-rechts im politischen Spektrum und nirgendwo anders. Die Partei stelle sich aber gegen unkontrollierte Einwanderung und „Multikulti-Experimente“.

An die Demonstranten, unter denen auch ein paar Kinder waren, hatten die Mitglieder vor dem Start Plakate mit Sprüchen wie „Merkel muss weg“ und „Wir sind das Volk“ sowie Fahnen verteilt. Mit diesen Rufen quittierten die Teilnehmer auch die Reden wieder und wieder. Lautstark machten sie auch während des Protestzugs, der vom Marktplatz etwa einen Kilometer durch die Stadt führte, auf sich aufmerksam. Nach der Abschlusskundgebung und der gesungenen Nationalhymne beendeten sie die Demo mit dem Ruf: „Wir kommen wieder.“ Schon vorher hatte Volker Beck (Grüne) auf der Gegendemo angekündigt: „Wenn ihr wieder kommt, kommen wir auch wieder.“

Nach Angaben der Polizei, die starke Präsenz zeigte, blieb es insgesamt ruhig. Sprecher Burkhard Rick berichtete von einem Platzverweis für einen polizeibekannten 35-Jährigen sowie einer Anzeige von einem 23-jährigen Bonner: Dieser habe behauptet, von Linksextremisten geschlagen worden zu sein. Dieses sei noch nicht näher untersucht worden, so Rick am Abend.

(Matthias Hendorf, Paul Kieras, Dominik Pieper, Nadine Quadt und Hannah Schmitt)