Förster und Landwirte in Alarmbereitschaft

Hitze und Wind bergen große Gefahr im Rhein-Sieg-Kreis

Rhein-Sieg-Kreis. Förster und Landwirte blicken bei Trockenheit und Hitze sorgenvoll auf das Wetter und warten auf ergiebigen Regen. Die Waldbrandgefahr steigt, und die Landwirte beklagen schon jetzt Schäden. So zeigen die Maispflanzen Kummerwuchs.

Was dem einen seine Freude, ist dem anderen sein Leid: Während das prächtige Sommerwetter Schwimmbäder und Biergärten füllt, schauen Wald- und Ackerbauern sorgenvoll auf die Wetterkarte, ob denn wohl bald ausgiebiger Regen kommt.

Seit gestern gilt nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes Waldbrandgefahrstufe 2 für Nordrhein-Westfalen. Die Warnstufe ist noch niedrig, und auch Florian Zieseniß, Leiter des Bundesforstamtes Wahner Heide, zeigt sich noch nicht sehr beunruhigt. In der Wahner Heide sei der Waldboden noch genügend mit grünen Pflanzen bewachsen, die Heide verfüge über einen hohen Vorrat an Laubhölzern, und etwa Birken und Traubenkirschen bildeten gewissermaßen einen natürlichen Brandschutz.

Das ändere sich aber, wenn das Birkenlaub welk werde, weil Wasser fehle. Anders sehe es aber in den offenen Heideflächen aus. Dort könnten schon Gräser und Heidekraut abtrocknen und so zum Zunder für größere Brände werden. Zum Glück sei auch der Adlerfarn nach nicht braun und vertrocknet, sondern grün und saftig – sprich, er brennt nicht. Dennoch weist Zieseniß darauf hin, dass im Wald jegliches Rauchen, Feuermachen oder Grillen verboten ist.

Waldbrandbereitschaft aufgestellt

Daran erinnert auch sein Kollege Uwe Schölmerich, der Leiter des Landesforstamtes Rhein-Sieg-Erft. Und: „Wer erwischt wird, ist mit 80 Euro Bußgeld dabei.“ Und wenn aus der Fahrlässigkeit ein richtiger Waldbrand entstehe, kämen zivilrechtliche Forderungen, nämlich Schadensersatz, auf den Verursacher zu. Wer vorsätzlich einen Brand lege, werde zudem noch strafrechtlich belangt.

Besondere Gefahrenstellen sieht der Forstmann in den Flächen, auf denen sogenannter Schlagabraum liegt. Das sind Reste vom Holzeinschlag, die etwa nach den Frühjahrsstürmen im Siebengebirge oder im Kottenforst angefallen sind. Zum Glück aber sei das Gras unter den Bäumen noch grün und zehre vom Bodenwasser. Wenn aber Hitze und föhnartiger Wind zusammenkämen, könne sich das auch schnell ändern und das Gras vertrocknen.

Vorsorglich sei seit dem vergangenen Wochenende eine Waldbrandbereitschaft aufgestellt worden, die über die Leitstellen erreichbar ist. Auch werde immer wieder mit den Feuerwehren geübt, um die Wehren mit Waldwegen und Wasserstellen vertraut zu machen. Die Forstleute rechnen indes immer mit kleineren Bränden, zwischen vier und sechs Feuern im Jahr bewege sich das. Ein Schlaglicht auf den Klimawandel werfe allerdings das Jahr 2003, sagt Schölmerich.

Verlust von 30 Prozent

Da habe es gleich 47 Mal in seinem Dienstbezirk gebrannt. Unter der Trockenheit leidet aber nicht nur der Wald. Schlimm trifft es auch die heimischen Landwirte. Der Troisdorfer Landwirt Christian Lohmar schildert die Situation bei Zuckerrüben so: „Die Blätter werden schlaff und legen sich flach, auch die Rübe selbst wächst nicht mehr.“ Seine Kartoffeln kann er auf seinen Äckern um Sieglar herum bewässern, so dass er dort noch keine größeren Schäden befürchtet.

Die sind aber schon im Getreide entstanden, sagt Theo Brauweiler, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Bonn/Rhein-Sieg. „Bei der Trockenheit im Mai hat das Getreide den ersten Knacks bekommen“, sagt Brauweiler. Nur bei der Gerste seien die Bauern mit einem blauen Auge davongekommen, obgleich er schon bei einigen Kollegen mit Verlusten von rund 30 Prozent rechne. Beim Weizen sieht Brauweiler ziemlichen Schaden auf die Bauern zukommen.

Durch zu schnelle Abreife könnten sich die Körner nicht richtig entwickeln und das gebe bei der Vermarktung Preisabschläge. Auch der Mais, der jetzt in der Hauptwachstumsphase sei, zeige sogenannten Kummerwuchs. Er bleibe kleinwüchsig, könne sich aber unter Umständen erholen. Falls es ergiebig regnet.