Nach Großfeuer

Hilfsbereitschaft in Siegburg nimmt kein Ende

Siegburg. Die Stadt Siegburg hat in der ehemaligen Schule am Haufeld eine Sammelstelle für die Brandopfer geöffnet. Der Andrang dort war aber geringer als erwartet.

Beim Großbrand auf dem Brückberg am Dienstagnachmittag wurden sieben Häuser so stark beschädigt, dass sie nicht mehr bewohnbar sind, 20 Menschen haben ihr Zuhause verloren. Ein extra eingerichtetes Bürgertelefon bei der Stadt stand seitdem nicht mehr still, jeder wollte helfen.

Daher entschloss sich die Verwaltung, am Samstag unter Leitung von Co-Dezernentin Ursula Thiel für einen Tag eine Sammelstelle in der ehemaligen Schule am Haufeld einzurichten und in den sozialen Netzwerken über das Ereignis zu informieren.

„Es war kein Spendenaufruf. Aber wir haben bis Freitagabend über 400 Anrufe von Leuten bekommen, die etwas spenden wollten, sodass wir uns dazu entschlossen haben, diese Aktion zu organisieren", erklärte Jan Gerull, Pressesprecher der Stadt Siegburg. Man war auf einen riesigen Ansturm eingerichtet, alles war bestens organisiert.

Rund 100 Helfer, die zu je einem Drittel von der Stadt, dem Verein „Lohmar hilft“ und einer Siegburger Flüchtlingsunterkunft kamen, waren zum Erfassen der angelieferten Gegenstände und ihre Einlagerung eingeteilt. „Man tut, was man kann", sagte Katharina Benthe, die eine der ersten Spenderinnen war und in der Facebook-Gruppe „Brandopfer Siegburg und Umgebung“ von der Aktion erfahren hatte.

„Ich habe Kleidung, Kaffeegeschirr und einen Reiseföhn mitgebracht. Wir brauchen das alles nicht mehr, aber die Sachen sind noch in einem sehr guten Zustand", betonte Olf Jännsch, der 800 Meter von der Brandstelle entfernt lebt und sich gleich dazu entschlossen hatte, den Betroffenen beizustehen. „Wir schleppen die Sachen in verschiedene Räume und sortieren sie nach Kleidung, Kleingeräten und Möbeln", berichtete Tobias Schmitz, der sich über dieselbe Facebook-Gruppe wie Benthe als Helfer angeboten hatte.

Er ist Jugendleiter und hat den Kindern, die vom Brand betroffen waren, angeboten, das Zeltlager seiner Jugendgruppe zu besuchen. Laut Gerull gibt es noch weitere Hilfsangebote wie zum Beispiel kostenlose Zirkusbesuche für die Betroffenen, handwerkliche Hilfe sowie rund 50 Wohnungsangebote, die von Privatleuten eingegangen seien.

Bürgermeister Franz Huhn war von der Hilfsbereitschaft überwältigt: „Es ist durch die sozialen Medien eine große Dynamik entstanden, weshalb wir uns zu dieser Aktion entschlossen haben." Er hoffe, sich in den nächsten Wochen mit den betroffenen Familien zusammensetzen und sich alle Spenden in Ruhe ansehen zu können.

„Und ich setze auch auf die Spendengelder, die wir dann hoffentlich in Absprache mit den Familien gut einsetzen werden." Nach Angaben des Stadtsprechers sind bis Freitagabend 520000 Euro zusammengekommen, wovon die DB allein 500000 zur Verfügung gestellt hat. Weitere Gelder stammen beispielsweise von der jesidischen Gemeinde, die schon früh am Samstagmorgen mit einer großen Geldspende im Haufeld vorbeikam.

Die kurdische Gemeinschaft Siegburg hat seit der Katastrophe Sach- und Geldspenden gesammelt und sich auch an der Großaktion im Haufeld beteiligt. „Von uns sind fünf Helfer hier. Zwei Flüchtlinge haben sich dazu entschlossen, weil sie selber in einer Notsituation Hilfe bekommen haben und jetzt etwas zurückgeben wollen", sagte Musa Ataman, Vorsitzender des Vereins.

Die riesige Menge an Sachspenden solle auch für die Flüchtlingshilfe eingesetzt werden, sobald die Brandopfer versorgt sind, erklärte Huhn, der im Vorfeld der Aktion ausdrücklich gemahnt hatte, „keinen Schrott“ vorbeizubringen. Über den hatte sich Manu Gardeweg, Vorsitzende von „Lohmar hilft“ bereits geärgert. Denn unter den Gegenständen, die ihr Verein im Laufe der Woche an eigenen Sammelstellen abgeholt hatte, befanden sich unter anderem Karnevalskostüme und Weihnachtsdeko, was sie als „respektlos und unverschämt“ bezeichnete.

Mit Spannung erwartet wurde ein 40-Tonner aus Westfalen, der unter anderem Möbel und Kleidung an Bord haben sollte. Als LKW und Anhänger geöffnet wurden, stellten die zahlreichen Helfer, die beim Abladen mit anpackten, fest, dass beide nicht einmal zu einem Drittel beladen waren. Unter den angelieferten Sachspenden befanden sich auch Säcke mit Grillkohle, was sicher „nicht ganz so dringend benötigt wird“, wie ein Helfer ein wenig spöttisch meinte. Beim Entladen gingen auch einige Angehörige der vom Brand betroffenen Familien mit zur Hand. Sie hatten aber ausdrücklich darum gebeten, nicht befragt zu werden.

„Wir werden im nächsten Schritt zusehen, dass wir Wohnungen zuweisen“, teilte der Bürgermeister abschließend mit. Zunächst werden Mitarbeiter der Stadt zusammen mit „Lohmar hilft“ nächste Woche alle Spenden sichten, ordnen und „Müll aussortieren“, bevor die Brand-Geschädigten aussuchen sollen, was sie gebrauchen können, so Gardeweg. Das, was an Spenden übrig bleibt, geht in einem großen Lagerbestand für Notfälle und Krisensituationen auf.

Dabei hat der Verein „Lohmar hilft“, der in Troisdorf eine Lagerhalle mit 220 Tonnen Hilfsgütern betreibt, eine Schlüsselfunktion. Er ist national und international vernetzt. „So eine Lage, wie wir sie jetzt in Siegburg hatten, kann jederzeit überall passieren“, stellte  Manu Gardeweg fest. Zusammen mit Thiel lobte sie das Engagement der freiwilligen Helfer am Samstag, von denen sich nach ihrer Meinung die Flüchtlinge aus der Unterkunft am Siegdamm besonders ins Zeug gelegt hätten.