Werkstattlesung mit der Autorin Hanna Jansen

Hanna Jansen widmet dem Siegburger Lottchen einen Roman

Den literarischen Weg hat Hanna Jansen eingeschlagen, um sich dem Lottchen zu nähern.

Den literarischen Weg hat Hanna Jansen eingeschlagen, um sich dem Lottchen zu nähern.

Siegburg. Hanna Jansen nähert sich dem Siegburger Original "Lottchen" auf dem literarischen Weg. Ausgehend vom Leben der Charlotte Bertram und eingebettet in die Siegburger Geschichte, hat sie die Figur des Friedchens erfunden. In einer Werkstattlesung gewährt sie am Freitag in der Buchhandlung R² Einblick in den Schaffensprozess.

Die Idee, dem Lottchen ein Buch zu widmen, hat Hanna Jansen schon lange. „Ursprünglich wollte ich mit einer Freundin ein Erinnerungsbuch schreiben und habe viele Siegburger befragt“, sagt die Autorin. Dabei sei sie immer wieder auf dieselben Geschichten gestoßen, dem Menschen aber nicht auf die Spur gekommen. Daher hat sie nun den literarischen Weg eingeschlagen. Ausgehend vom Leben der Charlotte Bertram und eingebettet in die Siegburger Geschichte, hat sie die Figur des Friedchens erfunden. In einer Werkstattlesung gewährt sie am Freitag in der Buchhandlung R² Einblick in den Schaffensprozess.

Die Lottchen-Figur im Stadtmuseum hat Hanna Jansen, die bis 2010 in Siegburg lebte, herausgefordert. „Sie hat eine ungeheure Ausstrahlung“, sagt sie. Zugleich ist die 1946 Geborene aber hin- und hergerissen, ob es ihr gefällt, das „Lottchen so ausgestellt zu sehen“. Mit ihrem Roman möchte sie daher ganz bewusst einen besonderen Menschen zeigen, der viel Würde und Kraft hat. „Was ich schreibe, ist Literatur und keine Biografie“, betont die Frau, deren Roman „Über tausend Hügel wandere ich mit Dir“ 2002 als bestes Jugendbuch mit dem Buxtehuder Bullen ausgezeichnet wurde.

Jansen hat die Figur der Elfriede Wolf, das Friedchen, neu erfunden. Gleichwohl gibt es Parallelen zum Lottchen. Beide sind 1912 geboren, beide sind kleinwüchsig und Hermaphroditen, beide ziehen mit dem Fuhrwerk durch die Straßen und beide leben in Siegburg. Auch wenn die Stadt im Roman namentlich nicht genannt wird, sind sie und ihre Geschichte zu erkennen. Ihrem Friedchen stellt Jansen zwei fiktive Freunde, Hella und Paul, als Wegbegleiter zur Seite. Die Eltern – ein Meister der Königlich Preußischen Geschossfabrik und eine gebildete Frau – hat sie nach dem Vorbild ihrer eigenen Großeltern entworfen.

„Ich habe sehr viel recherchiert“, sagt Jansen. Über die Siegburger Geschichte wie über die Zeitgeschichte. Denn ihr Roman soll stimmig sein. Charlotte Bertram lebte von 1912 bis 1971. „Das ist ein spannender Zeitraum mit einer sehr bewegten deutschen Geschichte“, so Jansen. Während der erste Teil ihres Roman die frühe Kindheit und den Ersten Weltkrieg behandelt, steht im zweiten Teil Friedchens Jugend in den Zwanziger Jahren und der Übergang zum Dritten Reich im Mittelpunkt. „Es geht dabei viel um Sexualität und die Frage der Geschlechtlichkeit“, sagt Jansen. Auch vor dem Hintergrund des beginnenden Nationalsozialismus. Darum geht es auch in ihrer Werkstattlesung, bei der sie das Gespräch mit den Siegburgern sucht und auf Impulse hofft.

Aktuell schreibt die Frau, die mit ihrem Mann 13 Kindern aus aller Welt ein neues Zuhause gegeben hat, am dritten und letzten Teil ihres Romans. Ende des Jahres soll er im Siegburger Bernsteinverlag erscheinen. „Je tiefer ich in das Thema eintauche, umso mehr Fragen stellen sich“, sagt sie. So habe sie sich lange mit der Frage beschäftigt, wie Charlotte Bertram das Dritte Reich überlebt hat. Sie starb Anfang der 1970er Jahre, die Umstände ihres Todes blieben ungeklärt. Ebenso will es Jansen mit dem Friedchen halten – zum Lebensende nähern sich die reale und die fiktive Figur einander wieder an.

„Im Roman gibt es viele sagenhafte, märchenhafte Motive“, sagt Jansen. So identifiziert sich das Friedchen als Heranwachsende etwa sehr mit Siegfried aus der Nibelungensage. Und spannend wird es auch, verrät die Autorin über „ihr“ Projekt, mit dem sie neue Wege geht. „Ich habe alles selbst in der Hand und lasse erstmals den Schreibprozess begleiten“, so Jansen. Nach ihrer Lektorin liest ihr Sohn, der auch das Cover gestaltet, ihre Worte. Und der, so verrät Jansen, sei ihr kritischster Leser.

Hanna Jansens Werkstattlesung beginnt am Freitag, 7. Juli, um 20 Uhr in der Buchhandlung R², Holzgasse 45. Karten für zehn Euro gibt es unter 0 22 41/ 8 66 71 70.