Prozess vor Bonner Landgericht

Handtaschenräuber verletzt Seniorin in Siegburg schwer

Bonn/Siegburg. Elf Jahre nach dem verschuldeten Tod einer 88-Jährigen steht ein Drogenabhängiger erneut wegen Raubes vor Gericht. Der 37-Jährige soll erneut eine Seniorin bei einem Überfall angegriffen und schwer verletzt haben.

Als der Handtaschenräuber im Jahr 2007 vor dem Bonner Schwurgericht wegen fahrlässiger Tötung zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war, weinte er vor Glück. Denn der damals 25-jährige Drogenabhängige und ein drei Jahre jüngerer Kumpel hatten den Tod einer 88-Jährigen auf dem Gewissen und mussten sich ursprünglich wegen schweren Raubes mit Todesfolge – Mindeststrafe zehn Jahre Haft – verantworten.

Das Duo hatte der Seniorin, die auf dem Heimweg vom Bäcker gewesen war, am 12. Oktober 2006 in Troisdorf-Sieglar die Handtasche, die sie über die Schulter trug, entreißen wollen. Beim Kampf um ihre Tasche verlor die 88-Jährige das Gleichgewicht, stürzte und schlug mit der Schulter an einen Eisenzaun. Sieben Stunden später starb sie an den Folgen der Verletzungen. Die Beute damals: 35 Euro.

Keine elf Jahre später soll der Junkie – trotz Tränen und viel Reue im ersten Verfahren – erneut versucht haben, einer Seniorin die Handtasche zu entreißen. Am Mittwoch sollte vor dem Bonner Landgericht der Prozess wegen besonders schweren Raubes gegen den mittlerweile 37-jährigen Räuber starten. Weil sein Verteidiger jedoch erkrankt ist, platzte das Verfahren und ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Diesmal ist das Opfer eine 82-jährige Frau, die am 5. Februar 2017 gegen 13.30 Uhr in der Siegburger Innenstadt unterwegs gewesen war.

Die Bonner Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, wieder einmal leichtfertig ein schwaches und gebrechliches Opfer hinterrücks angegangen zu haben. Aber auch dieses Opfer ließ nicht los, sondern kämpfte um ihre Handtasche, bis der Junkie sie laut Anklage umstieß, sodass die 82-Jährige stürzte, die Tasche verlor und mehrere Beckenbrüche, eine Kreuzbein-Fraktur sowie eine Prellung der Wirbelsäule erlitt. Der Räuber flüchtete mit ihrer Handtasche, in der sich 20 Euro, Sonnenbrille, ein Knirps sowie ihr Schlüsselbund befanden. Bei dem Raub soll er ein Mehrzweckmesser bei sich getragen haben. Deswegen, so Gerichtssprecher Tobias Gülich, landete der Fall, der zunächst nur beim Amtsgericht Siegburg angeklagt war, erneut vor dem Landgericht – Mindeststrafe fünf Jahre Haft.

Als Wiederholungstäter muss der 37-Jährige geahnt haben, dass er nicht mehr so glimpflich davon kommt: Denn als die Ermittler fünf Wochen nach der Tat am 16. März 2017 ihn über eine Öffentlichkeitsfahndung ausfindig machen können und an seiner Wohnungstür im Troisdorfer Stadtteil Friedrich-Wilhelms-Hütte klingeln, will er sich der Festnahme entziehen: Der Junkie springt vom Balkon aus der dritten Etage eines Hochhauses zehn Meter in die Tiefe in eine Böschung und verletzt sich schwer. Er kam ins Krankenhaus. Eine Lebensgefahr bestand indes nicht.