Bundesweiter Vorlesetag

Häftlinge der JVA Siegburg kamen in den Genuss großer Literatur

Literatur im Gefängnis: Die Insassen der Siegburger Justizvollzugsanstalt hören Ralf Siepmann und Ingrid Smolarz (vorne) zu. Die beiden tragen am bundesweiten Vorlesetag Texte von Goethe, Walser und Loriot vor.

SIEGBURG. In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Siegburg wurde am Freitagabend vorgelesen. 19 Inhaftierte waren in die Kapelle des Gefängnisses gekommen, um Sylvia Loehken, Ingrid Smolarz und Ralf Siepmann zuzuhören. Walser, Loriot und Goethe standen auf dem Programm, und für einen Abend wurde das Gefängnis zur Bühne großer Literatur.

Der Berater und Journalist Siepmann hatte die Idee gehabt, eine Lesung in der JVA Siegburg zu halten. "Wir wollten an einen Ort gehen, der ungewöhnlich ist, der uns fordert", sagte Siepmann. Zum Anlass genommen hatte er sich dafür den bundesweiten Vorlesetag, der gestern laut Siepmann mit deutschlandweit 16.000 Leseaktionen einen neuen Rekord aufgestellt hat.

Siepmann war mit seiner Idee an die Gefängnisleitung getreten. Darüber freute sich vor allem Tassilo Niklaus, Freizeitkoordinator und Leiter der Bücherei der JVA. "Ich möchte damit bei mir im Gefängnis das Interesse am Lesen wecken", sagte er. Rund 3000 Bücher und über 600 CDs und DVDs stehen den Häftlingen zur Verfügung, von denen sie sich bis zu sieben Medien gleichzeitig ausleihen dürfen. Das Interesse daran scheint groß zu sein. Etwa 80 Prozent der Häftlinge würden das Angebot regelmäßig nutzen, erzählt Niklaus.

So auch Björn M., der wegen gefährlicher Brandstiftung einsitzen muss. Im Schnitt liest er vier Bücher im Monat. "Ich lese vor allem politische Bücher und Bücher über Technik", sagt er.

Er freut sich darüber, dass die Veranstaltung Abwechslung in den Gefängnisalltag bringt. Da wundert es nicht, dass besonders die Bücher beliebt bei den Häftlingen sind, die eine Flucht aus dem Alltag der JVA ermöglichen, wie etwa Fantasybücher oder Comics. Krimis sind in der JVA hingegen nicht so beliebt. "Krimis haben die Jungs hier drin schon genug erlebt und veranstaltet, das brauchen die hier nicht mehr", erklärt Niklaus.