Holzgasse in Siegburg

Gunter Demnig verlegt Gedenksteine für jüdische Familie

Gedenksteine für Rosa und Albert Bock verlegt Gunter Demnig an der Holzgasse 43.

SIEGBURG. Ein Besuch im Jüdischen Museum in Berlin war die Initialzündung. Er brachte die Erinnerung an Rosa Bock zurück. An die früh verwitwete Metzgersfrau, in deren Haus an der Holzgasse Erich Hilbich aufgewachsen ist.

Das Schicksal der Jüdin, deren Spuren sich 1942 im Ghetto von Riga verlieren, nimmt den 88-Jährigen noch heute sichtlich mit. "Sehr erleichtert" ist er, dass seit gestern zwei "Stolpersteine" im Pflaster vor dem Haus mit der Nummer 43 liegen und glänzend die Erinnerung an Rosa Bock und ihren Sohn Albert wach halten.

Eine große Runde ist dabei, als der Kölner Künstler Gunter Demnig den nunmehr 76. und 77. Gedenkstein der Kreisstadt in den Gehweg einlässt. Darunter Christa Jabcke, ehemalige Lehrerin und Initiatorin der Siegburger Stolpersteine. Sie hat Demnigs Projekt 2003 in die Kreisstadt geholt. Inzwischen unterstützen die Gedenkstätte Landjuden an der Sieg, deren Förderverein sowie Privatpersonen die Siegburgerin in ihrem Kampf gegen das Vergessen.

Jabcke lenkt den Blick auf das Haus auf der gegenüberliegenden Seite. Auf dessen Fassade hat ein Künstler Siegburger Szenen eingelassen. "Es zeigt die brennende Synagoge und deportierte Juden", erklärt Christa Jabcke. In der Holzgasse hätten besonders viele jüdische Siegburger gelebt. Das dokumentieren bereits mehrere Stolpersteine, die teils verwittert, teils auch blank geputzt an eben jene Menschen erinnern.

Mit dem Wunsch, einen Stein für Rosa Bock legen zu lassen, ist Erich Hilbich vor ein paar Monaten an Christa Jabcke herangetreten. Ruth Kühn, Vorsitzende des Kreiskatholikenrates, übernahm die Patenschaft über einen Stein für Rosas Sohn Albert. Der ist, so hat es Kreisarchivarin Claudia Arndt recherchiert, 1915 zwei Monate nach dem Tod seines Vaters Abraham in einem Kriegslazarett geboren, 1936 zu einem Onkel nach Rio de Janeiro emigriert und im August 1950 "in Amerika" gestorben.

"Man muss immer wieder daran erinnern, was geschehen ist, damit so etwas nie wieder geschieht", erläutert Ruth Kühn ihr Engagement. Das betont auch Bürgermeister Franz Huhn und spricht besonders die Schüler der Alexander-von-Humboldt-Realschule an, die die Stein-Verlegung verfolgen.

"Sie war eine liebenswürdige Frau." Erich Hilbich blickt auf das Haus, in dessen zweiter Etage er aufgewachsen ist. Die Fassade sei unverändert. Blitzlichter der Erinnerung ereilen den 88-Jährigen, der seit 1953 in Neuss lebt. Etwa an jenen Tag, als er Rosa Bock und eine Freundin im Hinterzimmer der zum Tante Emma-Laden avancierten Metzgerei antraf. Vor ihnen eine Zeitung, in der über Hitlers Machtergreifung berichtet wurde. "Mach Dir nicht so viele Gedanken", habe Rosa Bock beschwichtigt. "Es sind schon so viele gekommen und wieder gegangen, die sind auch bald wieder weg."