Landleben in der Region

Gülleausbringung im Rhein-Sieg-Kreis wird geruchsneutral

Michael Schmidt, Geschäftsführer des ALWB, erklärt die Technik des „Schlitzschuhverteilers“.

Michael Schmidt, Geschäftsführer des ALWB, erklärt die Technik des „Schlitzschuhverteilers“.

Rhein-Sieg-Kreis. Der Wahnbachtalsperrenverband und der Arbeitskreis Landwirtschaft, Wasser und Boden im Rhein-Sieg-Kreis wollen seit einigen Jahren den Boden- und Gewässerschutz in der Region verbessern. Erste Erfolge sind schon sichtbar.

Wer auf dem Land lebt, kennt die Qual, sobald es Frühling wird: An manchen Tagen müssen alle Fenster und Türen geschlossen bleiben, denn ein beißender Geruch liegt in der Luft – die Zeit der Gülleaustragung beginnt. Doch mit dem sogenannten „Schlitzer“ ist die Ausbringung des Düngers fast geruchsneutral. Vor allem sorgt der moderne Gülleausbringer für einen besseren Schutz der Gewässer.

In Zusammenarbeit mit dem Wahnbachtalsperrenverband (WTV) versucht der Arbeitskreis Landwirtschaft, Wasser und Boden im Rhein-Sieg-Kreis (ALWB) seit einigen Jahren den Boden- und Gewässerschutz in der Region zu verbessern. Deshalb helfen die Mitglieder des ALWB seit rund einem Jahr den Landwirten bei einer klimaschonenden Ausbringung ihrer Gülle. Mit dem „Schlitzschuhverteiler“ kann der Dünger direkt in den Boden eingebracht werden, statt ihn oberflächlich und ungenau zu verteilen.

„Wir haben wenige flache Flächen in der Region. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Gülle bei starkem Niederschlag von den Feldern in die Gewässer abgetragen wird, hoch. Doch wenn die Gülle fein dosiert und dicht am Boden verteilt wird, ist diese Gefahr viel geringer“, erklärt Ralph Krämer, Abteilungsleiter des WTV.

Emissionen sind deutlich reduziert

Außerdem können die Pflanzen durch die wurzelnahe Verteilung der Gülle die Nährstoffe besser aufnehmen, ergänzt Michael Schmidt, Geschäftsführer des ALWB. Der größte Vorteil dieser Ausbringungstechnik sei die geringe Freisetzung von Emissionsgasen. „Bei herkömmlichen Verfahren gelangt Ammoniak in die Atmosphäre und früher oder später unkontrolliert in die Gewässer“, erläutert Schmidt. Zum Schutz der Gewässer sei eine möglichst geringe Verflüchtigung wichtig. Durch die direkte Ausbringung in den Boden seien die Emissionen deutlich reduziert. Und auch der Geruch werde dadurch stark verringert.

Das fast neun Meter breite Gerät schneidet einen Schlitz in den Boden, in dem die Gülle abgelegt und anschließend etwas angedrückt wird. Dabei schneidet die Maschine nicht tiefer als vier bis sechs Zentimeter, denn sonst würden die Wurzeln durchtrennt, was zum Wachstum von Unkraut führen kann. „Leider taucht an den Scheiben schnell Verschleiß auf“, sagte Schmidt. Das Ersetzen der Scheiben hänge mit hohen Kosten zusammen, weshalb nicht alle Landwirte Freunde dieser Technik seien.

Landwirte mit umweltschonender Technik werden gefördert

Die Maschine an sich sei ebenfalls deutlich teurer als die gängigen „Prallteller“, die die Gülle oberflächlich verteilen. Doch der WTV und der ALWB fördern Landwirte, die sich für die umweltschonende Technik entscheiden. Die Bauern zahlen für die Ausbringung durch den ALWB die gleichen Kosten, die auch für die gängigen Techniken anfallen würden.

Im 7000 Hektar großen Einzugsgebiet der Wahnbachtalsperre, von dem rund die Hälfte der Flächen landwirtschaftlich genutzt werden, düngt der ALWB derzeit etwa 1000 Hektar mit dem „Schlitzer“. An guten Tagen kann das Fahrzeug nach Angaben von Schmidt um die 1000 Kubikmeter, also eine Million Liter Gülle verteilen. Das entspricht der dreifachen Menge dessen, was ein Landwirt mit herkömmlichen Geräten ausbringen kann.