Bäume hängen am Seil

Forstarbeiten am Michaelsberg mit schonender Technik

Siegburg. Seit Montagnachmittag holen Fachleute Bäume aus dem unwegsamen Gelände am Michaelsberg in Siegburg und setzen dabei auf eine besondere Technik: An einem zwischen zwei Bäumen gespannten Seil transportieren sie die gefällten Stämme und Äste ab.

Regen, Wind, Hagel, und zwischendurch tatsächlich Sonnenschein: Das Wetter zeigte sich am Dienstag von nahezu allen seinen Seiten. Für Olaf Florin und seine Kollegen und ihren Einsatz am Michaelsberg grundsätzlich kein Problem. Sie setzten ihre Arbeit im Felsengarten unterhalb des Johannistürmchens unbeirrt fort – auch wenn es dabei mitunter ganz schön rutschig war. Seit Montagnachmittag holen die Fachleute Bäume aus dem unwegsamen Gelände und setzen dabei auf eine besondere Technik: An einem zwischen zwei Bäumen gespannten Seil transportieren sie gefällte Stämme und Äste aus dem unwegsamen Gelände.

Florin hat seine Kollegen vom Weg oberhalb des Mühlentorplatzes aus fest im Blick. Auf ihr Zeichen hin bringt er Spannung auf das blaue Seil, das momentan noch arbeitslos auf dem Boden liegt. Gleich unterhalb der Mauer, die die Abtei umgibt, ist es an einem großen Baum befestigt, unten am Weg ebenso. „Wir arbeiten mit den Bäumen“, erklärt Florin die Seiltechnik. Bis zu 250 Kilogramm könne die Seilbahn tragen, an die Stämme und größere Äste gehängt werden. Seile, Rollen, Karabinerhaken und Motorsägen sind die Materialien, mit denen die Baumpfleger am Michaelsberg arbeiten.

Ursprünglich sollte ein bedeutend größeres Gerät zum Einsatz kommen. Wie berichtet, hatte die Stadt für ihre Forstarbeiten an dieser Stelle eigentlich auf einen Hubschrauber gesetzt. Bereits im Oktober sollte der die rund 60 Bäume aus dem Hang holen. Der Plan war aber kurzfristig an einer fehlenden Genehmigung durch die für die Luftaufsicht zuständigen Bezirksregierung Düsseldorf gescheitert. Die Verwaltung musste neu überlegen – und die Wahl fiel auf die Seilklettertechnik, die die beauftragte Arbeitsgemeinschaft Helikopter-Fällung ebenfalls anbietet.

„Das ist die schwierigste Stelle am Berg“, weiß Ralf Beyer, Leiter des Grünflächenamtes, zu berichten. In der Vergangenheit hatten sich im sogenannten Felsengarten immer wieder Steine gelöst. Davon zeugen an verschiedenen Stellen errichtete Steinfangzäune. Daher fürchtete die Verwaltung auch, dass sich bei einer herkömmlichen Fällung der Pioniergehölze im Hang, an dem bis Ende des 19. Jahrhunderts Wein angebaut wurde, Geröll lösen könnte. Zu Boden fallende Bäume könnten zudem die Stabilität einer nahen Stützmauer gefährden. „Und hier wächst die Efeu-Sommerwurz“, so Beyer. Die Pflanze steht auf der Roten Liste und soll geschützt werden. Alles zusammen seien Gründe, warum die Stadt auf eine spezielle Form der Forstarbeiten setzt.

Zehn bis elf Bäume liegen am Nachmittag bereits auf dem Weg, der während der Arbeiten aus Sicherheitsgründen gesperrt ist. Insgesamt sollen 50 kleinere Bäume mit einem Stammumfang zwischen zehn und 25 Zentimetern sowie ein Dutzend abgestorbene Bäume mit einem Umfang von maximal einem halben Meter aus dem Hang geholt werden, überwiegend Akazien und Ahornbäume.

Oben klettert Christian Faust gerade in einem Baum, gesichert von einem Kollegen. „Die Bäume werden Stück für Stück von oben nach unten abgesetzt“, erklärt Olaf Florin unten am Hang. Kurz knackt und kracht es und ein großer Ast fällt durch die Baumkrone nach unten, erreicht den Boden aber nicht. Das verhindert das Seil, an dem der Ast hängt. Genau darum geht es bei der schonenden Technik. Regen stört die Experten nicht, das Wetter spielt bei ihrem Einsatz aber durchaus eine Rolle: „Wenn es richtig stürmt, müssen wir den Einsatz unterbrechen“, so Florin. Für Donnerstag sagen die Meteorologen orkanartige Böen voraus. Sollte die Prognose eintreffen, müssen die Fachleute am Michaelsberg pausieren. Etwa eine Woche haben sie für ihren Einsatz eingeplant. „Vermutlich dauern die Arbeiten inklusive Sperrung bis kommende Woche“, sagt Ralf Beyer. Die gefällten Bäume würden auf dem Weg zerkleinert und dann abtransportiert. Auf den darunter gelegenen Parkplatz habe das keine Auswirkungen.

Die Arbeiten unterhalb des Johannistürmchens sind Teil des 2013 zusammen mit Bürgern erarbeiteten Michaelsbergkonzepts, das den Berg bekanntlich schöner und vor allem sicherer machen soll. Rund sieben Millionen Euro stehen dafür im Etat. In einem ersten Schritt war im vergangenen Jahr der Hang oberhalb der Seufzerallee aufgeforstet worden. Weitere Fällungen stehen an. „Aber dort können wir auf die herkömmliche Technik setzen“, so Beyer. Wenn Olaf Florin und seine Kollegen abgerückt sind, stehen im Felsgarten zunächst Felssicherung, Sanierung der Mauer sowie der Wegebau auf der Agenda. Danach beginnt die Aufforstung: mit Buchen, Eichen, Obstbäumen und in Anlehnung an vergangene Zeiten vielleicht auch ein paar Weinstöcken.