Wegen Räumungspflicht

Flüchtlingsnetzwerk in Lohmar sucht Lagerhalle für Sachspenden

Spenden bis unter das Dach: Manu Gardeweg und ihre Mitstreiter müssen ihr Lager in Troisdorf-Spich räumen.

Spenden bis unter das Dach: Manu Gardeweg und ihre Mitstreiter müssen ihr Lager in Troisdorf-Spich räumen.

Lohmar. Auf das Flüchtlingsnetzwerk Lohmar kommen große Probleme zu: Die Initiative muss binnen zwei Wochen das Troisdorfer Lager räumen, in dem sie 320 Paletten mit Sachspenden gestapelt hat. Ein Alternativstandort ist nicht in Sicht.

Noch lässt sich Manu Gardeweg nicht aus der Ruhe bringen. Auch wenn seit Freitag Gewissheit ist, was sie seit ein paar Wochen befürchtet hat. Sie und ihre Mitstreiter vom Flüchtlingsnetzwerk Lohmar müssen ihre Lager in Troisdorf-Spich räumen. Das heißt, sie brauchen einen neuen Platz für 320 Paletten vollgepackt mit Sachspenden aller Art. Und das binnen zwei Wochen: „Wir wurden aufgefordert, die Halle zum 1. Mai leer und besenrein zu übergeben“, sagt Gardeweg. Das sei nicht zu schaffen. Auch wenn die 53-Jährige direkt einen Hilferuf über soziale Netzwerke, bei Politikern und Bürgermeistern umliegender Kommunen gestartet hat.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Flüchtlingsnetzwerk nach einer Halle suchen muss. Seit 2015 engagiert sich Manu Gardeweg intensiv in der Flüchtlingshilfe. Zunächst nahmen sie und ihre Mitstreiter in einem leer stehenden Ladenlokal am Nogenter Platz in Siegburg Sachspenden entgegen, lagerten sie zwischen und verteilten sie von dort an die Flüchtlingsunterkünfte. Wie berichtet, mussten sie ihr Lager nach nur fünf Wochen räumen, da der Eigentümer es neu vermietet hatte.

Nicht der erste Umzug

„Wir standen damals mit 8000 Kartons an Spendenmitteln auf der Straße“, erinnert sich Gardeweg. Eine Lösung war indes schneller gefunden als man zu hoffen gewagt hatte: Der Waschmittelhersteller Thurn aus Neunkirchen-Seelscheid hörte von der Misere der Initiative und stellte kostenlos einen Lagerplatz in seiner Halle im Industriegebiet in Spich zur Verfügung. Dort stapeln sich heute in Hochregalen Kisten mit Kleiderspenden, Schulmaterialien, Spielzeug und vieles mehr bis unter das Dach. Das Flüchtlingsnetzwerk Lohmar zählt inzwischen 900 Mitglieder, 80 soziale Organisationen aus dem Rhein-Sieg-Kreis, Bonn und Köln haben sich angeschlossen. Die Sachspenden aus dem Lager kommen nicht nur Flüchtlingen, Obdachlosen, Brandopfern und anderen Bedürftigen in der Region, sondern in der ganzen Welt zugute.

Die Firma Thurn hat zwischenzeitlich Insolvenz angemeldet. Die Abwicklung läuft. Die Halle in Spich bekommt in der Folge einen neuen Mieter. Am Freitagmorgen nun erhielt Gardeweg die schriftliche Mitteilung, dass sie die Halle innerhalb von zwei Wochen räumen muss. „Ich den Insolvenzverwalter angeschrieben und ihm unsere Probleme geschildert“, so Gardeweg.

Mitstreiter suchen nach Alternativen

Parallel bemühen sie und ihre Mitstreiter sich um Alternativen. „Ich könnte das komplette Lager nach Hamburg zu Hanseatic Help, oder Hamburger Hilfsstern auslagern“, sagt die 53-Jährige. Damit wären dann allerdings drei Jahre Arbeit und Mengen von Hilfsgütern unwiederbringlich für die Region verloren. „Das wollen wir verhindern“, so Gardeweg. Zumal auch die Zukunft des Zentrallagers in Bonn ungewiss sei. Daher arbeiten sie und ihre Mitstreiter nun auf verschiedenen Ebenen.

„Wir schrumpfen unseren Bestand auf etwa 250 Paletten“, sagt Gardeweg. Ein Teil gehe nach Norddeutschland, zudem habe sie umliegende Kleiderstuben angeschrieben. Ab Mai hat die Initiative ein kleines Lager in Lohmar-Agger in Aussicht, das sie aber zunächst herrichten muss. „Bis August brauchen wir eine Fläche, an der wir 250 Paletten trocken zwischenlagern können.“ Da die Initiative sich über Spenden finanziert, kann sie keine Miete zahlen. Gardeweg gibt sich zuversichtlich: „Nach den Erfahrungen der letzten Jahre bringt mich nichts mehr so schnell aus der Ruhe.“

Wer ein Lager hat, kann sich unter 0162/6918384 oder per E-Mail an ManuGNeexus@t-online.de melden.