Umzug mit 320 Paletten

Flüchtlingsnetzwerk Lohmar zieht in neue Halle ein

Mit mehr als 320 Paletten an Hilfsgütern ziehen Manu Gardeweg und ihre Mitstreiter um.

Mit mehr als 320 Paletten an Hilfsgütern ziehen Manu Gardeweg und ihre Mitstreiter um.

Rhein-Sieg-Kreis. Das Flüchtlingsnetzwerk Lohmar hat innerhalb von Troisdorf eine neue Lagerfläche gefunden. Die Vereinsgründung "Lohmar hilft" soll die Zukunft der Initiative sichern.

Hinter Manu Gardeweg und ihren Mitstreitern liegen arbeitsreiche Wochen. Bis in die Nacht haben sie teilweise in ihrer Halle in Troisdorf-Spich Hilfsgüter aller Art inventarisiert und für den großen Umzug vorbereitet. Doch bei aller Anstrengung überwiegt an diesem Donnerstag vor allem die Erleichterung. Darüber, dass das Flüchtlingsnetzwerk Lohmar seine Arbeit wie gewohnt fortsetzen kann. „Wir haben ein neues Lager gefunden“, freut sich Gardeweg. Am Donnerstag sind die ersten Paletten von Spich aus in die neue Halle im Industriepark Troisdorf, dem ehemaligen Gelände der Dynamit Nobel, umgezogen.

Vor gut einem Monat sah es noch ganz anders aus. Wie berichtet, hatte Gardeweg Mitte April erfahren, dass sie ihr Lager in Spich binnen zwei Wochen räumen und bis zum 1. Mai einen neuen Platz für mehr als 320 Paletten vollgepackt mit Sachspenden aller Art finden musste. Der Waschmittelhersteller Thurn aus Neunkirchen-Seelscheid hatte der Initiative 2015 kostenlos einen Lagerplatz in seiner Halle in Spich zur Verfügung gestellt. Inzwischen hat die Firma aber Insolvenz angemeldet, die Abwicklung läuft und die Lagerfläche bekommt in der Folge einen neuen Mieter.

Gardeweg, die sich seit 2015 intensiv in der Flüchtlingshilfe engagiert, startete direkt einen Hilferuf über soziale Netzwerke, bei Politikern, Bürgermeistern umliegender Kommunen und beim Insolvenzverwalter. Zunächst einmal gewann sie dadurch Zeit. „Der Räumungstermin hat sich um einen Monat nach hinten verschoben“, sagt die 53-Jährige. Einige Hilfsgüter verteilte sie an umliegende Kleiderkammern. „Wenn wir keine neue Halle finden, müssen wir das komplette Lager zu Hilfsorganisationen in Hamburg auslagern“, sagte sie im April. Das wollte sie aber in jedem Fall verhindern, denn dann wären drei Jahre Arbeit und Mengen von Hilfsgütern unwiederbringlich für die Region verloren gewesen.

Gardeweg gründet "Lohmar hilft"

Entscheidende Unterstützung erhielt Gardeweg schließlich über die CDU-Bundestagsabgeordnete Lisa Winkelmeier-Becker, Mitglieder der Lohmarer und Troisdorfer Grünen und die Troisdorfer Wirtschaftsförderung. Sie fand einen neuen Vermieter, der die 550 Quadratmeter große Halle bis Ende Juli kostenlos zur Verfügung stellt. „Ab dem 1. August müssen wir dann aber rund 1500 Euro Miete zahlen“, sagt Gardeweg. Um die finanzieren zu können, gründet sie gerade den Verein „Lohmar hilft“. „So bekommen wir die für Spenden und Fördergelder nötige Gemeinnützigkeit“, blickt die Lohmarerin zuversichtlich in die Zukunft.

Vor wenigen Wochen stapelten sich in den Hochregalen im Spicher Lager noch Kisten mit Kleiderspenden, Schulmaterialien, Spielzeug und vieles mehr bis unters Dach. Damit versorgt das Flüchtlingsnetzwerk – das 900 Mitglieder zählt und dem sich 80 soziale Organisationen aus dem Rhein-Sieg-Kreis, Bonn und Köln angeschlossen haben – nicht nur Flüchtlinge, Obdachlose, Brandopfer und andere Bedürftige in der Region, sondern in der ganzen Welt. Vor ein paar Tagen erst hat es medizinische Hilfsgüter für die Ukraine auf den Weg gebracht.

Jetzt sind die Hochregale fast leer. Paletten stehen in der großen Halle bereit für den Transport, an anderen Stellen wird derweil noch fleißig gepackt. „Das Technische Hilfswerk Bonn hilft uns beim Umzug“, freut sich Gardeweg. Die ersten hundert Paletten haben Spich gestern verlassen. Der Rest folgt am kommenden Dienstag. Manu Gardeweg blickt sich ein wenig wehmütig in der zunehmend leerer werdenden Halle um: „Es waren drei schöne Jahre mit netten Menschen hier.“ Nun heißt es Abschied nehmen. Aber: „Wir machen weiter.“

Wer den Verein „Lohmar hilft“ unterstützen möchte, kann sich unter 0162/6918384 oder per E-Mail bei ManuGNexus@t-online.de melden.