Interview über die Arbeit des Siegburger Integrationsrats

Fatih Köylüoglu: „Wir wollen nachhaltige Projekte“

Fatih Köylüoglu ist stellvertretender Vorsitzender des Siegburger Integrationsrats.

Fatih Köylüoglu ist stellvertretender Vorsitzender des Siegburger Integrationsrats.

Siegburg. Ein Integrationsrat vertritt die Interessen der ausländischen Einwohner einer Kommune. Damit haben in Deutschland lebende Ausländer einen Anteil an kommunalen Entscheidungsprozessen. Fatih Köylüoglu ist stellvertretender Vorsitzender des Siegburger Integrationsrats. Mit ihm sprach Sofia Grillo.

Herr Köylüoglu, welche Aufgaben hat der Integrationsrat?

Fatih Köylüoglu: Wir vertreten die Belange der Migranten oder Personen mit Migrationshintergrund hier in Siegburg. Diese besprechen wir erst im Integrationsrat, die darauffolgenden Anträge werden dann an die jeweiligen Zuständigkeitsbereiche im Rathaus weitergeleitet. Aber wir machen auch individuelle Beratung.

Mit welchen Belangen kommen die Menschen zu Ihnen?

Köylüoglu: Viele brauchen Hilfe bei Formularen oder allgemeinen Fragen zu bürokratischen Vorgängen.

Wie wichtig ist es, dass auch die Mitglieder Ihres Rats überwiegend Migrationshintergrund haben?

Köylüoglu: Wir kommen ja auch aus verschiedenen Milieus und kennen da die Probleme.Wir haben den Zugang zu diesen Menschen und Communitys. Dadurch sind wir glaubwürdiger.

Welche Probleme meinen Sie?

Köylüoglu: Ich habe beispielsweise türkische Eltern. Ich wurde damals nach der Grundschule „nur vielleicht“ für die Realschule eingestuft, obwohl ich die gleichen Noten wie meine deutschen Mitschüler hatte, die ins Gymnasium sollten. Das Problem gibt es oft bei türkischen Familien aus nicht privilegierten Verhältnissen. Da helfen wir als Rat dann individuell und reden mit den Schulen.

Nimmt die individuelle Hilfe viel Zeit in Anspruch?

Köylüoglu: Auf jeden Fall: Das stellt ein kleines Problemfeld dar. Wir arbeiten im Rat alle ehrenamtlich. Ich studiere und arbeite noch nebenbei. Der Arbeitsaufwand für die Beratung ist enorm. Wir wollen gerne eine Halbtagskraft einstellen, die sich nur um die Beratung kümmert.

Wie realistisch ist diese Idee?

Köylüoglu: Die Umsetzung wird noch einige Zeit dauern. Das Budget des Integrationsrats ist sehr gering, wir bekommen von der Stadt nur circa 2500 Euro im Jahr. Vorher waren das rund 5000 Euro. Da ist es natürlich schwierig, nachhaltige Projekte zu schaffen.

Wird der Integrationsrat Ihrer Meinung nach an Relevanz zunehmen, sodass ein höheres Budget noch notwendiger wird?

Köylüoglu: Definitiv. Das sieht man allein schon an den Zahlen. Von den über 40 000 Einwohnern in Siegburg sind rund 6000 ausländische Bürger. Dann kommen noch die mit Migrationshintergrund, also mit ausländischen Eltern aber deutschem Pass, dazu. Bei der letzten Wahl des Integrationsrats, haben sich 19,9 Prozent der Bürger beteiligt. Das ist die höchste Beteiligung für den Kreis. Das zeigt schon ein besonderes Interesse der Bevölkerung an uns.

Sie hatten vorhin nachhaltige Projekte erwähnt, welche sind das?

Köylüoglu: Gerade stellen wir einen Antrag für ein „Fußballmitternachtsturnier“ im nächsten Jahr. Das soll die jungen Menschen, hauptsächlich mit Migrationshintergrund, von den Straßen holen. Stattdessen wollen wir mit ihnen Sport machen.

Gilt das Angebot auch für Flüchtlinge?

Köylüoglu: Ja, jeder kann mitmachen. Aber Flüchtlinge sind nicht unsere bestimmte Zielgruppe. Wir sind nicht seitens der Flüchtlinge gewählt worden, sondern von den hier wohnenden Migranten. Deren Interessen müssen vor dem Hintergrund der akuten Flüchtlingssituation auch vertreten werden, das darf man nicht vergessen. Nichtsdestotrotz helfen unsere Projekte auch den Flüchtlingen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Köylüoglu: Nachdem NRW 2014 das Bestattungsgesetz geändert hat und mehr Handlungsfreiraum für Andersgläubige eingeräumt hat, haben wir durchgesetzt, dass auch die Friedhofssatzungen in Siegburg für die Bestattungsriten anderer Religionen angepasst werden.