Bedarf an Plätzen ist hoch

Förderschulen im Rhein-Sieg-Kreis sind stark gefragt

Förderunterricht in der Richard-Schirrmann-Schule in Bröl: Lehrer Jürgen Bördgen und seinen Schülern fehlen Differenzierungsräume.

Förderunterricht in der Richard-Schirrmann-Schule in Bröl: Lehrer Jürgen Bördgen und seinen Schülern fehlen Differenzierungsräume.

Rhein-Sieg-Kreis. Steigende Schülerzahlen stellen Kreiseinrichtungen vor Probleme. Der Bedarf an Plätzen bleibt hoch, das Angebot an Räumen und Kapazitäten ist allerdings begrenzt.

„Steigende Schülerzahlen in einem noch nicht da gewesenen Umfang“ – die Beschreibung, mit der die Kreisverwaltung auf den Ansturm an den Förderschulen hinweist und gleichzeitig Handlungsbedarf zum Ausdruck bringt, könnte nicht deutlicher sein. Der Bedarf an Plätzen in den kreiseigenen Einrichtungen bleibt hoch, das Angebot an Räumen und Kapazitäten allerdings begrenzt.

Für das gerade gestartete Schuljahr sei die Zahl der Erstverfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs um rund 14 Prozent von 702 im Vorjahr auf 798 gestiegen. Zwar konnten alle Anmeldewünsche erfüllt werden, allerdings nur dank der kurzfristigen Erweiterungen vorhandener oder der Hinzunahme zusätzlicher Standorte, wie die Kreisverwaltung dem Ausschuss für Schule und Bildungskoordinierung in seiner Sitzung am Montag mitteilte.

So konnten etwa Schüler der Waldschule in Alfter-Witterschlick (mit Teilstandort in Alfter-Oedekoven) an der ehemaligen Albert-Schweizer-Förderschule in Rheinbach untergebracht werden. Dort mietete der Kreis zwei zusätzliche Klassenräume und ein Besprechungszimmer an. Die Richard-Schirrmann-Schule in Hennef-Bröl, an der zurzeit Sanierungsarbeiten laufen, fand zwei zusätzliche Klassenräume am Berufskolleg des Rhein-Sieg-Kreises.

Die Unterrichtsräume der Schule in ihrer Summe – die Schule hat noch Zweigstellen in Eitorf und Siegburg – seien zwar zurzeit auskömmlich, allerdings fehlten notwendige Differenzierungsräume, so die Kreiserwaltung. Zudem weist sie daraufhin, dass die Maßnahmen nicht auf Dauer ausgelegt sind und weiterer Bedarf besteht. Das gelte nicht nur für Räume, sondern auch für den personellen und finanziellen Aufwand.

Linksrheinisch werden Schulräume benötigt

Die Suche nach weiteren Räumen gestalte sich allerdings schwierig, wie die Kreisverwaltung bereits im Juni mitteilte. Insbesondere im linksrheinischen Kreisgebiet und in den Gemeindegebieten von Eitorf und Windeck würden Schulräume benötigt, da diese Standorte dem Grundsatz einer möglichst wohnortnahen Beschulung entsprechen. Dabei sei der Kreis aber auf die Kooperationsbereitschaft der Kommunen angewiesen.

Eine verlässliche Berechnung des Bedarfs und Planung für die Einrichtung von Plätzen an Förderschulen sei darüber hinaus problematisch. Der Grund: Auch während des laufenden Schuljahres gebe es eine hohe Fluktuation der Schüler, zum Beispiel mit Zugängen von allgemeinen Schulen.

Dass Lösungen dringend gefunden werden müssen, legte zuletzt auch eine Studie der Bertelsmann Stiftung nahe (der General-Anzeiger berichtete). Statt eines Rückgangs der Schülerzahlen aufgrund des demografischen Wandels halten die Autoren der Studie sogar eine Zunahme in den nächsten Jahren für möglich.

Erweitert werden müsse auch das Angebot an den Fördernden offenen Ganztagsschulen (FOGS), wie die Verwaltung bereits Mitte Juni erklärte. Bei Neuanmeldungen fragten Eltern nahezu durchgängig nach diesem Betreuungsangebot. Der Kreisausschuss hatte bereits einhellig die Einrichtung zusätzlicher FOGS-Gruppen in den Förderschulen des Kreises ab dem Schuljahr 2017/2018 beschlossen. Weiteren Bedarf an Nachmittagsbetreuung samt Raumkonzept sowie die notwendigen Finanzierungskosten soll die Kreisverwaltung jetzt ermitteln.

Schulausschuss stimmt Antrag zu

Einem entsprechendem Antrag von CDU und Grünen stimmte der Schulausschuss einstimmig zu. Über den Antrag irritiert zeigte sich die Kreistagsgruppe Linke/FUW/Piraten: „Wir haben doch alle Punkte schon überfraktionell beschlossen und der Verwaltung zur Bearbeitung übergeben“, sagte Marie-Luise Streng (Piraten). Die CDU-Fraktion verwies allerdings auf die veränderten politischen Rahmenbedingungen.

Nach Aussetzung der Mindestgrößenverordnung durch die neue Landesregierung gelte für Förderschulen jetzt „Bestandsschutz“, so Notburga Kunert. Der Antrag trage diesem neuen Umstand Rechnung. „Egal, wo Mutter- oder Vaterschaft dieses Anliegens liegt, Hauptsache ist doch, dass die Ganztagsbetreuung an den Förderschulen ausgebaut wird“, sagte Dietmar Tendler (SPD).