Kontrollgang in der Staumauer

Experten prüfen die Wahnbachtalsperre auf Herz und Nieren

Siegburg. Ingenieure der Bezirksregierung Köln haben die Funktion der Anlagen und das Knowhow der Mitarbeiter überprüft. Ist die Wahnbachtalsperre für den Ernstfall gerüstet?

Auch wenn er noch nie eingetreten ist: Im Ernstfall müssen die Anlagen der Wahnbachtalsperre funktionieren. Deswegen wurden am Donnerstag alle Bauten und technischen Anlagen einer Prüfung durch einen Vertreter der Bezirksregierung Köln unterzogen.

Diesen mehrstündigen Kontrollgang macht die Bezirksregierung alle 18 Monate. Zudem müssen die Mitarbeiter des Wahnbachtalsperrenverbandes (WTV) nachweisen, dass sie auch mit den Anlagen umgehen können. Der Kontrolleur aus Köln Rolf Kucera hatte am Donnerstag nichts zu beanstanden.

Los ging der Kontrollgang auf der Staumauer. Dort wurden die Hochwasserentlastungsanlagen unter die Lupe genommen. Diese bestehen aus zwei Schützenwehren und vier Heberwehren. Mit den Schützenwehren kann ein Wall geöffnet werden, wodurch das Wasser aus der Talsperre kontrolliert in den Wahnbach abfließen kann. Die Schützenwehre kamen laut Andreas Venzke, Bauingenieur beim WTV, schon öfter zum Einsatz.

WTV-Mitarbeiter Gerd Linden kurbelt vor den Augen des Prüfers der Bezirksregierung die Schützenwehren auf. Schon beginnt es zu rauschen: Das Wasser aus der Talsperre fließt in ein Becken auf der anderen Seite der Staumauer. „Die vier Heberwehren werden nur bei extremem Hochwasser benötigt, was bis jetzt noch nie der Fall war“, so Venzke. Mitarbeiter Linden dreht wieder an einer Kurbel und zeigt, dass die Mechanik funktioniert.

Da zurzeit kein Hochwasser ist, sieht man jedoch keinen Effekt. Durch das Drehen der Kurbel schließt Linden im Inneren der Heberwehren eine Belüftungsklappe. Dadurch entsteht eine Sogwirkung, die das Wasser im Ernstfall aus dem Talbecken saugen würde. Wäre die Hochwasserentlastungsanlage mit allen Wehren im Einsatz, könnten bis zu 100 Kubikmeter Wasser in der Sekunde aus der Talsperre geführt werden, erklärt Norbert Eckschlag, Geschäftsführer des Wahnbachtalsperrenverbandes.

Nun geht es ins Innere der Talsperre, in den sogenannten Kontrollgang. Über 200 Treppenstufen führen immer weiter in die feuchte und düstere Tiefe. Ganz unten lägen rund 45 Meter Wasser und mehrere Meter Beton über uns, sagt Eckstein. Dort befinden sich die sogenannten Rohrbrucharmaturen. Im Falle eines Rohrbruchs schließen hier automatisch Klappen innerhalb der Rohre, um das Wasser zu stoppen und zu verhindern, dass es in das Stauwerk eindringt und es beschädigt.

Auch diese Sicherungsvorrichtung muss getestet werden. Dafür wird ein Rohrbruch simuliert. Es wird Wasser aus dem Talbecken in die Rohre gelassen, sodass der Wasserdruck immer weiter steigt. Auf einem kleinen Bildschirm kann man genau sehen, wie der Wasserdruck von null immer weiter anwächst. Bei 3,8 Kubikmetern die Sekunde macht es „Klack“. „Nun werden die Klappen in den Rohren langsam heruntergefahren“, erklärt Venzke. Schon sieht man auf dem Bildschirm, wie der Wasserdruck wieder auf null sinkt – die Klappen funktionieren. In der Praxis waren diese Rohrbruchklappen in 60 Jahren noch nie nötig.

So auch eine zweite Sicherungsmaßnahme: Die Kammern, in der die Rohrbrucharmaturen untergebracht sind, sind durch eine schwere Metalltür gesichert. Diese steht im Regelfall offen. Füllt sich diese Kammer jedoch mit Wasser, schlägt die Tür zu und soll ebenfalls verhindern, dass das Stauwerk mit Wasser volllaufen kann. Auch das möchte Kucera prüfen. Die Kammer wird mit einem Schlauch mit Wasser gefüllt. Dann gibt es plötzlich einen ohrenbetäubenden Knall, der durch den ganzen Kontrollgang hallt. Die Tür ist zugefallen. Der Test ist hörbar bestanden.