Marion Gräfin Dönhoff

Erinnerungen an "die Gräfin" in Siegburg

Friedrich Dönhoff erzählte im Stadtmuseum.

SIEGBURG. "Sie war eine prägende Persönlichkeit", sagt Altbundeskanzler Helmut Schmidt über Marion Gräfin Dönhoff, mit der er die Wochenzeitung "Die Zeit" herausgegeben hat. Man nannte sie die "Grande Dame" des politischen Journalismus oder respektvoll einfach nur "die Gräfin".

Einer der Menschen, die ihr am nächsten standen, ist Dönhoffs Großneffe Friedrich Dönhoff, Schriftsteller aus Hamburg. Er gab jetzt im Stadtmuseum einen Einblick in das (Privat-)Leben der bekannten Publizistin, die 2002 im Alter von 92 Jahren starb. Und er berichtete davon, wie er sie erlebte. Dönhoff verband eine tiefe Freundschaft mit seiner mehr als 60 Jahre älteren Großtante, die entstand, als er während seiner Zivildienstzeit bei ihr in Hamburg wohnte. Er begleitete sie im Alltag und auf Reisen, er lernte von ihr. Auch die Gelassenheit, "Dinge zu nehmen, wie sie kommen", sagt er. Nach diesem Motto habe sie gelebt. Sie sei eine hochpolitische Frau gewesen, sehr fordernd und immer optimistisch, habe keine Zeit verschwenden wollen, beschreibt Dönhoff die Großtante.

Er erinnert sich auch daran, dass sie ein "unruhiger Geist" war. So ging sie zwar gerne ins Kino, verließ es aber meist nach der Hälfte des Films. Einer der Lieblingssätze der Journalistin und mehrfachen Buchautorin lautete: "Die Welt ist so, wie man sie sieht." So sind auch die schriftlichen Erinnerungen des Großneffen an Marion Gräfin Dönhoff betitelt, aus denen er las. Das Buch enthält unter anderem ein Gespräch, das der Autor wenige Wochen vor ihrem Tod mit Marion Dönhoff führte, die Krieg und Vertreibung überlebte und durch Zufall zum Journalismus fand. Sie erzählt darin von ihrer ostpreußischen Heimat, über Familie und Glauben und zieht ein Resümee ihres Lebens. Dönhoff komplettierte das Porträt durch die Rezitation einiger Passagen aus dem Buch "Zeichen ihrer Zeit", das Artikel und Reportagen enthält, die Marion Dönhoff im Lauf von 60 Jahren veröffentlichte.