Siegburger Studiobühne

Erfolgreiche Premiere der Komödie "Allein in der Sauna"

Fast verzweifelt macht sich René Böttcher als Kalle König Gedanken über das schwierige Verhältnis von Mann und Frau.

SIEGBURG. Karl-Heinz König ist ein erfolgreicher Anwalt, verheiratet mit Susanne und er hat nebenbei eine junge Geliebte, Maren. Beim "Männerabend" in der Sauna ist er allein, weil es nichts zu gucken gibt wie bei der gemischten Sauna. Nach seiner Meinung kommt man nämlich nicht zum Schwitzen dorthin, sondern um Körperteile zu studieren.

Karl-Heinz, Kalle genannt, beginnt über das Leben zu sinnieren, hadert mit sich und der Welt, mit seinem Alter sowie seinen Beziehungen und macht sich Gedanken über die Unterschiede von Mann und Frau sowie deren Zusammenleben.

Er stellt sich die Frage, weshalb Frauen so viele Varianten eines Lächelns beherrschen, die letztendlich immer dem gleichen Zweck dienen: um dem Mann seine psychischen und physischen Unzulänglichkeiten aufzuzeigen. Warum wollen Männer immer, Frauen ab fast nie? Und wenn es dazu kommt, dann nur, weil sie will, stellt er resignierend fest. Warum können Frauen sich so für das Shoppen von Unnötigem begeistern, während der Einkauf für Männer lediglich ein Akt der Beschaffung essenzieller Dinge ist.

Seine Gedanken kreisen vor allem immer wieder um sein Verhältnis zu Susanne, die ihn früher für seine Macken - die er ja eingesteht - geliebt hat, jetzt aber nur noch Kommentare wie "ist das peinlich" für ihn übrig hat und dazu eines dieser Lächeln aufsetzt. Warum war sie früher heiß darauf, nackt mit ihm ins Bett zu steigen, heute bekommt er ständig Schlafanzüge geschenkt, lange aus Frottier für den Winter, im Frühjahr, an seinem Geburtstag, Shortys.

Kalle sieht sich und die ganze Männerwelt als erfolgreiche Objekte der weiblichen Erziehung, derselbe Versuch in die Gegenrichtung sei aussichtslos, da sich keine Frau von einem Mann erziehen lasse. Die Gedankensprünge werden immer wieder durch Handyanrufe unterbrochen. Seinem kleinen Sohn muss er erklären, was eine Sauna ist, ein Freund sagt wegen eines wichtigen Termins ab, seine Frau möchte, dass er gleich nach der Sauna nach Hause kommt, und Maren, die ihn fragt, ob er noch kommt, muss er deshalb absagen.

René Böttcher spielt in einer eigenen Inszenierung unter der Regie von Maike Mielewski den Kalle König, der zwischen maßloser Selbstüberschätzung und Selbstzweifeln pendelt, nach Anerkennung und erotischer Ausstrahlung strebt, die eigene Durchschnittlichkeit zugeben muss und erkennt, dass er das alles nie erreichen wird - witzig und schauspielerisch perfekt. Allerdings lässt er kein "Kopfkino" beim Zuschauer entstehen, da er selbst alle Bilder liefert. Seine Monologe richtet er meist an eine von ihm Anna genannte Schneiderpuppe - was macht die in einer Sauna? Anna nutzt er darüber hinaus, um Erlebtes zu visualisieren oder um seine sexuelle Begehrlichkeit zu veranschaulichen.

Letztendlich kann man sich mit dem Protagonisten des Stücks auch nicht identifizieren oder mit ihm sympathisieren. Ob als Macho, glücklicher Vater oder einer, der ehrlich Fehler eingesteht, immer hat man das Gefühl, Kalle ist im Grunde ein weinerlicher, jammernder Versager. Dennoch gab es bei der Premiere für die Leistung von René Böttcher verdienten Applaus.