Sankt Anno

Eltern fordern neuen Träger für Siegburger Kita

Ärger in der Siegburger Kita Sankt Anno: Eltern fordern einen Trägerwechsel.

Ärger in der Siegburger Kita Sankt Anno: Eltern fordern einen Trägerwechsel.

SIEGBURG. Regelmäßiges Turnen, Waldtage oder eine besondere Förderung für die Vorschulkinder sind wegen personeller Engpässen in den vergangenen Jahren selten geworden. Den Eltern reicht es: Sie wollen einen neuen Träger.

Seit Jahren ist die Situation in der katholischen Kindertagesstätte Sankt Anno angespannt. „Personelle Engpässe führen immer wieder zu Betreuungsproblemen, was sich auch auf die pädagogische Arbeit auswirkt“, sagt Markus Pluta, Vorsitzender des Elternbeirats der Einrichtung. Regelmäßiges Turnen, Waldtage oder eine besondere Förderung für die Vorschulkinder gebe es kaum noch. Erst kürzlich habe es wieder zwei Wochen lang nur Notgruppen gegeben – es konnten also nur Kinder betreut werden, bei denen Mutter und Vater berufstätig sind. „So geht es einfach nicht weiter“, spricht Pluta für die Eltern. Daher haben diese sich am Mittwochabend bei einer Versammlung im Rathaus einstimmig für einen Trägerwechsel ausgesprochen.

Neu ist das Problem in der Kita nicht. Sie ist eine von drei Tagesstätten, die die Pfarrgemeinde Sankt Servatius betreibt. „Über die vergangenen Jahre hat sich die Situation aber zugespitzt“, sagt Pluta. Die Leiterin der Einrichtung, in der rund 100 Mädchen und Jungen betreut werden, sei dauerhaft erkrankt, an ihre Stelle sei eine Erzieherin aus dem Team gerückt. Das unterliege einer hohen Fluktuation, derzeit seien mehrere Stellen unbesetzt. „Das geht unweigerlich zulasten der Betreuungsqualität“, so der Vater zweier Söhne. Er vermisst zudem eine offene Kommunikation mit der Kita-Leitung und mit dem Träger.

Probleme liegen oft in der Vergangenheit

„Das Vertrauensverhältnis ist gestört“, so Pluta. Da sind sich die Mütter und Väter – gut ein Drittel der Kita-Eltern sind am Mittwoch im Rathaus zusammengekommen – einig. „Die Probleme sind gravierend und komplex, die Zustände nicht mehr vertretbar und durch Träger und Kita-Leitung nicht mehr bezwingbar“, fasst Pluta zusammen. Daher sehen die Eltern eine Lösung allein in einem Neuanfang mit einem neuen Träger.

Eine Idee, mit der sich auch Pfarrer Thomas Jablonka beschäftigt. Er weiß um die Probleme in der Kindertagesstätte Sankt Anno, die eine der größten Einrichtungen in Siegburg ist. Er habe sich deswegen mehrfach mit Elternvertretern getroffen und sei zudem in ständigem Austausch mit der Fachberatung des Caritasverbands und mit den Fachleuten des Generalvikariats. „Auch wenn die Ursachen für die mehr als schwierige Situation in der Kindertagesstätte vielfältig sind und zum großen Teil weit in die Vergangenheit zurückreichen, hat sich die Lage in den vergangenen Wochen noch einmal zugespitzt“, sagt er auf Anfrage. Konkret fehlten vor allem Erzieher.

Eltern hoffen auf Trägerwechsel

„Ich verstehe die Sorgen der Eltern und kann nachvollziehen, dass sie sogar über die Möglichkeit eines Trägerwechsels nachdenken“, so Jablonka. Ein Gedanke, der auch den Pfarrer seit einigen Wochen umtreibt: „Ich versuche, einen neuen kompetenten Träger zu finden.“ An den knüpft Jablonka große Erwartungen: „Ich hoffe sehr, dass es mit diesem dann gelingen wird das Beste für die Kinder, Eltern und Mitarbeiter zu erreichen.“

Das wäre auch im Sinne der Stadt Siegburg. „Wir wissen um die Schwierigkeiten und um die unter anderem durch Krankheit bedingten Betreuungseinschränkungen“, sagt Stadtsprecher Jan Gerull. Dadurch sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschwert, was kein Dauerzustand werden dürfe. „Wir sind aber optimistisch, dass nun eine tragfähige Lösung gefunden werden kann“, so Gerull. Noch im April fänden Gespräche zwischen allen Beteiligten statt – zwischen Vertretern des Trägers, der Eltern, der Verwaltung und auch des Landesjugendamts, das für die Betriebserlaubnis der Kindertagesstätten zuständig ist.

Die Eltern hoffen nun zunächst auf eine offizielle Elternversammlung in der Kita – Haupttagesordnungspunkt: der Trägerwechsel. Sollten sie bis Ende des Monats keine Einladung erhalten, gehen sie einen Schritt weiter: „Dann gehen wir auf die Straße und machen dort auf die Zustände in der Kita aufmerksam“, so Pluta.