Kreisjägerschaftsvorsitzende im Porträt

Elisabeth Trimborn: „Frauen jagen anders“

Elisabeth Trimborn, Vorsitzende der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg, an einem Hochsitz.

Elisabeth Trimborn, Vorsitzende der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg, an einem Hochsitz.

RHEIN-SIEG-KREIS. Elisabeth Trimborn steht der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg mit ihren rund 1400 Mitgliedern vor. Im vergangenen Jahr wurde sie zur Vorsitzenden gewählt – in einem Verein, der ursprünglich eine Männerdomäne war.

Wenn kommunale Neuordnungen neue Grenzen ziehen, können sich auch die Zuständigkeiten ändern: Deshalb ist Elisabeth Trimborn auch „nur“ die Chefin der Jäger im rechtsrheinischen Kreisgebiet. Aber auch damit hat die resolute 66-Jährige mit den rund 1400 Mitgliedern der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg (KJS) genug Arbeit. Die Arbeit auf der linken Rheinseite leistet die Jägerschaft Bonn mit 1100 Mitgliedern in den Hegeringen Bonn, Beuel, Bad Godesberg, Vorgebirge und Rheinbach

Vier Jahre war Trimborn Stellvertreterin des heutigen Kreisjagdberaters Norbert Möhlenbruch, im vergangenen Jahr wurde sie zur Vorsitzenden gewählt in einem Verein, der ursprünglich eine Männerdomäne war. „Einblick in die Arbeit des Vorsitzenden hatte ich genug, und dann habe ich mir gedacht, da müsse auch mal eine Frau ran“, sagt sie über ihre Beweggründe, sich um dieses wohl nicht ganz einfache Amt zu bewerben. „Als Frau kann ich vielleicht besser auf die Mitglieder zugehen“, habe sie sich gedacht, außerdem leite sie ja auch noch den Hegering Lohmar-Wahlscheid-Neunkirchen-Seelscheid.

Die Hegeringe, derer die KJS neun Stück hat, sind die kleinste Organisationsform der Jägerschaft. Große Hegeringe (HR) wie etwa der HR Siebengebirge oder Agger-Sieg zählen an die 300 Mitglieder. Drei sind sogar als eigenständige eingetragene Vereine mit eigener Satzungs- und Kassenhoheit organisiert. Wie dem auch sei, auch da muss sich die Vorsitzende mit den individuellen Wünschen und Problemen der Jägerschaft beschäftigen.

Vor allem, weil die Jägerschaft sehr traditionsbewusst sei und gerne an alten Gepflogenheiten hänge, sei die Arbeit mitunter recht schwierig, sagt Jägerchefin Trimborn. „Es muss nicht immer das alte Lodengrün sein“, beschreibt sie ihre Intention, die Jägerschaft in eine veränderte Gesellschaft mitzunehmen. „Wir machen viele Programme. Die reichen von Wildverkostungen bis zu Besichtigungen auf dem Flughafen Köln/Bonn, um die dortige Wildbewirtschaftung kennenzulernen.“ Aber auch Feste stehen auf der Agenda, zu denen auch Nichtjäger willkommen seien. „Man muss Mut haben, Neues anzupacken“, sagt Trimborn. So habe sie sich gegen manchen Widerstand sehr dafür eingesetzt, mit dem Kursus „Natur nah“ ein Angebot für naturinteressierte Menschen durchzusetzen. In diesem Kursus werden viele Dinge vermittelt, die in die Jägerausbildung gehören, aber es gibt weder eine Prüfung noch eine Waffen- und Schießausbildung.

Beim ersten Durchgang waren auch Mitglieder des BUND dabei, und manche Teilnehmer seien anschließend in den Jungjägerkursus gewechselt, um die Prüfung abzulegen und fortan aktiv die Jagd auszuüben. Bildungsarbeit und Ausbildung sind jedoch Gebiete, die die Jäger für sich reklamieren. „Wir können und sollten dieses Feld nicht Nabu und BUND überlassen, sehen uns aber nicht in Konkurrenz zu den anderen Naturschutzverbänden“, sagt die Jägerin. „Da können wir theoretisches Wissen mit unserer jagdlichen Praxis verbinden“, erklärt Trimborn die Aktion.

Trimborn kämpft für einen neuen Schießstand

Was aber sind sonst so die Aufgaben einer Jägerschaftsvorsitzenden? Da sprudelt Trimborn gleich los: Die Vertretung der Jägerschaft in der Öffentlichkeit gehöre dazu, aber sie sitze auch im Naturschutzbeirat des Rhein-Sieg-Kreises, vertrete die Siegkreisjäger beim Landesjagdverband und beim Deutschen Jagdverband. Sie müsse die Jahreshauptversammlung organisieren und zweimal im Jahr eine Besprechung mit allen Hegeringleitern und den Obleuten der verschiedenen Sparten der KJS wie Brauchtumspflege, Schießwesen, Hundearbeit oder Jugendarbeit leiten.

Montags sitzt sie dann abends in der Geschäftsstelle der KJS in Siegburg. Dazu kommen dann noch Aufgaben wie das Rebhuhnprojekt in Revieren um Niederkassel herum, um dem Feldhuhn eine Überlebenschance zu geben, oder auch die aktive Aufsicht bei den Schützen anlässlich der jährlichen Kreismeisterschaften. Apropos Schießen: Auch da wird Trimborn sehr leidenschaftlich. Zum einen organisiert sie immer wieder Trainingsschießen, zum anderen kämpft sie für einen neuen Schießstand im Kreisgebiet, weil die Siegkreisjäger nach dem Wegfall des Rottweil-Schießstandes in Troisdorf-Spich längere Wege in Kauf nehmen müssen, um ihre Schießfertigkeiten zu pflegen. Fahrten um die 60 Kilometer herum bis nach Gummersbach-Thalbeke oder Puderbach im Westerwald machen das Schießtraining nicht gerade einfach.

Ob denn bei so viel Arbeit für Jagd und Jäger noch Zeit bleibe, selbst zur Jagd zu gehen? Klar, sagt sie, die Zeit habe sie immer. Schließlich wohnt sie auf dem Kirchscheider Hof oberhalb von Lohmar und hat ein 349 Hektar großes Jagdrevier vor der Haustür. Und daneben das Revier, das ihr Ehemann Fritz mit zwei anderen Jagdfreunden bewirtschaftet. Das eigene Revier wollte sie immer haben. Denn, so ist Elisabeth Trimborn überzeugt, „Frauen jagen anders“.

Das könne an solchen Kleinigkeiten liegen, wie immer picobello aufgeräumten Kanzeln oder an einer kleinen Dekoration mit Blümchen und Patronenhülsen, die Jagdkameradinnen anlässlich einer Jagdreise in ihrem Ferienhaus aufstellten. Auch seien Jägerinnen häufig viel emotionaler beim Waidwerk als Männer, meint die Vorsitzende. „Ich liebe die Jagd, und ich mache das mit Herzblut, bin mit Leib und Seele Jägerin“, unterstreicht sie ihre Motive, seit 27 Jahren aktiv die Jagd auszuüben.