"Die Armen - Aber bitte nicht hier!"

Ein Theaterstück als Alltagshilfe

Die Theaterbeteiligten (v.l): Friderike Wilckens-von Hein, Ilkay Yilmaz, Birgit Eisinger und Christa Feld. FOTO: ARNDT

Die Theaterbeteiligten (v.l): Friderike Wilckens-von Hein, Ilkay Yilmaz, Birgit Eisinger und Christa Feld.

SIEGBURG. Das Forumtheater Inszene aus Ruppichteroth thematisiert in seinem Stück "Die Armen - Aber bitte nicht hier!" das Zusammenleben von Flüchtlingen und der hiesigen Bevölkerung.

Bei einer Aufführung am heutigen Mittwoch will das Theater im Siegburger Stadtmuseum bestehende Probleme behandeln - und zwar auf Einladung der Flüchtlingsinitiative Lohmar/Siegburg, der Initiative gegen Rassismus und der Integrationsagentur der Kurdischen Gemeinde.

"Wir zeigen Situationen, die nicht optimal laufen, und sprechen Betroffene sowie Leute an, die helfen wollen, aber nicht wissen wie", sagte Theaterleiterin und Regisseurin Friderike Wilckens-von Hein bei der Vorstellung des Theaters.

Dialog mit den Besuchern

Man werde nach jeder Szene mit dem Publikum in den Dialog treten, um eigene Haltungen zu reflektieren und Lösungsvorschläge für konkrete Situationen zu entwickeln. Die Bereitschaft bei Verbänden, Organisationen und auch Einzelpersonen, Flüchtlinge zu unterstützen, sich in Deutschland zurechtzufinden und in die Gesellschaft zu integrieren, sei groß. Noch.

Denn Christa Feld von der Flüchtlingsinitiative befürchtet, dass die Stimmung kippen könnte. In Anbetracht täglich steigender Zahlen von Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und zu uns kommen, höre sie schon heute immer öfter "das ist zu viel, das macht uns Angst".

Es werde "den Punkt geben, wo die Bevölkerung nicht mehr will", zeigte sich Feld bei einem Pressetermin überzeugt. Sie fordert daher, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Viele sähen etwa "nicht die Notwendigkeit, dass Migranten gefördert werden müssen".

Gerade Bildung sei das Wichtigste, um den Flüchtlingen zu helfen. "Demokratie wird nicht nur am Hindukusch, sondern jeden Tag an unseren Schulen gelebt", drückte es Feld mit einem abgewandelten Zitat des Ex-Verteidigungsministers Peter Struck aus. Es dürfe zum Beispiel nicht sein, dass Eltern glaubten, die Bildung ihrer Kinder werde zugunsten der Förderung von Flüchtlingskindern auf der Strecke bleiben.

Man müsse der polarisierenden Stimmung innerhalb der Gesellschaft entgegenwirken, erklärte Ilkay Yilmaz, Fachkraft bei der Integrationsagentur. Hierzu gehöre, "die Neuzuwanderer mit ihren kulturellen Werten und Normen als einen Teil unserer Gesellschaft zu sehen, aber auch ihre eigenen Biografien und Lebenswelten zu verstehen".

Sie zeigte auch Verständnis für Skeptiker: "Alles, was fremd ist, ist beängstigend, daher muss man mehr vom anderen verstehen", so Yilmaz. Zusätzlich seien viele Flüchtlinge aus Kriegsgebieten schwer traumatisiert, Ehrenamtliche könnten die erforderliche Betreuung nicht leisten, daher fordert sie Schulungen, wie sie bereits von der Diakonie angeboten würden.

Professionelle Hilfe gefordert

Außerdem bräuchten die Flüchtlinge mehr professionelle Hilfe von Psychotherapeuten, das bestehende Angebot hält sie für völlig unzureichend. Und schließlich muss nach ihrer Ansicht das Asylverfahren beschleunigt werden. Es gebe Fälle, wo Flüchtlinge seit 20 Jahren nur "geduldet" würden, was nichts anderes als "die Aussetzung der Abschiebung" bedeute, berichtete Feld aus ihrer langjährigen Erfahrung.

Info

"Die Armen! - Aber bitte nicht hier!", Forumtheater Inszene, Mittwoch, 17. Juni, 19 Uhr, Stadtmuseum, Eintritt frei.